Deutschland
Fünf Tote nach Amok-Fahrt in Trier – neun Wochen altes Baby unter den Opfern

Am Nachmittag raste ein Auto durch die Fussgängerzone in Trier. Ein 51-jähriger Deutscher hat mit einem SUV mindestens fünf Menschen getötet.

Christoph Reichmuth aus Berlin
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Der Fahrer des SUV, der kurz vor 14 Uhr sein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit durch die Fussgängerzone in der 110'000 Einwohner zählenden Stadt Trier gesteuert hatte, wurde nur vier Minuten nach Eingang erster Notrufe von der Polizei festgenommen. Die Amokfahrt des Mannes erstreckte sich über etwa einen Kilometer. Er soll mit dem Auto – ein nicht auf den Täter zugelassener Land Rover – wahllos auf Passanten zugehalten haben.

Am Abend meldeten die Behörden fünf Todesopfer, ein neun Wochen altes Baby, eine 25-jährige und eine 73-jährige Frau aus Trier, ein 45 Jahre alter Mann sowie eine weitere Person. Ausserdem sind vier Schwerstverletzte und weitere, teilweise ebenfalls erheblich verletzte Menschen in Spitalpflege.

Die Hintergründe der Tat sind weitgehend unklar. Der zuständige Oberstaatsanwalt betonte, es gäbe keine Hinweise auf einen politisch oder religiös motivierten Hintergrund der Tat. Bei dem mutmasslichen Täter handelt es sich um einen 51 Jahre alten, in Trier geborenen und in der Region wohnhaften Deutschen. Er soll bei seiner Amokfahrt stark alkoholisiert gewesen sein, die Polizei berichtet von einem Atem-Alkoholwert von 1,4 Promille. Die Einvernahme des Mannes war am Abend in vollem Gange. Vieles deutet auf einen Amoklauf hin.

Laut den Behörden leidet der Mann offenbar unter psychischen Störungen. Die letzten Tage vor seiner Amokfahrt soll er in dem Fahrzeug, das auf einen Bekannten gemeldet ist, verbracht haben. Über eine feste Wohnadresse haben die Behörden keine Kenntnisse, offenbar gibt es auch keine näheren Verwandten, der Mann lebte scheinbar alleine. Auch bei der Tat handelte er allein.

In Zickzacklinie durch die Menschenmenge

Der Mann steuerte seinen SUV in Zickzacklinie durch die Fussgängerzone und stoppte seine Fahrt nach etwa einem Kilometer. Bei der Festnahme soll er sich gewehrt haben. Dem nicht vorbestraften Mann droht eine Anklage wegen des Verdachts des Mordes in vier Fällen und mehrfacher gefährlicher Körperverletzung. Ob der Täter in Haft kommt, ist indes unklar. Möglicherweise wird er in eine geschlossene psychiatrische Klinik untergebracht.

Dass Menschen ihre Fahrzeuge als Waffen für Amokfahrten einsetzen, kommt immer wieder vor. Der Vorfall erinnert an eine Amokfahrt eines 48-jährigen Deutschen, der im April 2018 seinen VW-Camper in der Innenstadt von Münster in eine Menschenmenge steuerte. Zwei Menschen starben, 20 wurden verletzt, der Amokfahrer, der offenbar unter psychischen Problemen litt, richtete sich selbst.

In Berlin dürfte die Tat von Trier wegen des Zeitpunktes in der Vorweihnachtszeit einige traurige Erinnerungen an die Terrornacht vom Breitscheidplatz vom 19. Dezember 2016 wecken – auch wenn die Motivlage eine komplett andere ist. Damals steuerte der Tunesier Anis Amri einen gekaperten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt, elf Menschen starben.