Libyen
Fliegt Saif al-Islam mit dem Jet ins Gefängnis nach Den Haag?

Die Gerüchte über den Verbleib und die Absichten des weiterhin flüchtigen Gaddafi-Sohn Saif al-Islam treiben täglich neue Blüten. Er wolle sich dem Strafgerichtshof in Den Haag stellen.

Michael Wrase, Limassol
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Saif al-Islam: Seltsame Gerücht über Gaddafis flüchtigen Sohn.

Saif al-Islam: Seltsame Gerücht über Gaddafis flüchtigen Sohn.

Nachdem so genannte «Sprecher» des Nationalen Übergangsrates zunächst die Verhaftung und dann die Verwundung des zweitältesten Gaddafi-Sohnes (an beiden Armen) gemeldet hatten, melden «Kreise» der libyschen Regierung nun, dass sich Saif al-Islam dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag stellen möchte.

Saif sei um seine Sicherheit besorgt und verlange nach dem Lynchmord an seinem Vater ein Flugzeug, das ihn sicher nach Holland bringe, heisst es in Bengasi. Zurzeit halte er sich bei den Tuareg, irgendwo in der Wüste zwischen Niger und Algerien, versteckt.

Warum Saif al-Islam, ein Lebemann und Frauenheld, die Freiheit in der Sahara gegen eine Gefängniszelle im tristen Den Haag eintauschen sollte, wollten die «Kreise» in Bengasi nicht erklären. Die «Sprecher» des Rates weigerten sich auch, im syrischen Fernsehen «Arrai» ausgestrahlte Aufrufe des Gaddafi-Sohnes zum «ewigen Widerstand» zu kommentieren. Auch dazu scheint ein Grossmaul wie Saif al-Islam kaum in der Lage. Der Mann lässt oder liess, wie sein inzwischen verscharrter Vater, kämpfen und widmet sich ansonsten dem schönen Leben, das er vermutlich nicht aufgeben möchte.

Söldner helfen dem Gaddafi-Sohn

Dabei behilflich könnten ihm eine Gruppe südafrikanischer Söldner sein, die nach Informationen der südafrikanischen Zeitung «Beeld» bereits vor einigen Wochen Gold, Diamanten und Devisen ins Nachbarland Niger gebracht haben sollen. Beweise für diese Gerüchte gibt es natürlich nicht. Dass die Gaddafis ihre Scherflein ins Trockene bringen liessen, erscheint aber weitaus plausibler als Saif al-Islams angebliche Überlegungen, den Rest seines Lebens im holländischen Knast zu verbringen.

Nüchtern betrachtet haben sich Saif al-Islams Aussichten, den Rest seines Lebens in Freiheit zu verbringen, nach der Ermordung seines Vaters sogar verbessert. Zahlreiche schwarzafrikanische Staaten haben das brutale Ende des libyschen Ex-Diktators scharf verurteilt; sie könnten daher bereit sein, dem Gaddafi-Sohn Asyl zu gewähren oder seine Anwesenheit zumindest stillschweigend dulden. Dass «Gefahr für Leib und Leben» besteht, ist nun offensichtlich.

Der sudanesische Staatschef Omar al-Baschir hat sich unterdessen damit gebrüstet, die libyschen Aufständischen mit Waffen und Munition beliefert zu haben. Die Ausrüstung der Eroberer von Tripolis sei «100 Prozent sudanesisch» gewesen, behauptete der Diktator auf einer Versammlung in der Stadt Kassala. Die Unterstützung der libyschen Rebellen, bei denen es sich vermutlich um islamistische Fraktionen handelt, begründete Beschir mit Waffenlieferungen Gaddafis an die Aufständischen in der westsudanesischen Unruheprovinz Dafour.