Epidemie
Ebola-Patient in den USA: Ärzte reagierten zu spät

In den USA ist erstmals ein Ebola-Fall ausserhalb Afrikas diagnostiziert worden. Der Patient sei vor rund zehn Tagen aus dem westafrikanischen Liberia in die USA eingereist, wo die Krankheit bei ihm nachgewiesen worden sei.

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Der Ebola-Patient wurde das zweite Mal mit er Ambulanz ins Spital gebracht.

Der Ebola-Patient wurde das zweite Mal mit er Ambulanz ins Spital gebracht.

Keystone

In den USA ist erstmals ein Ebola-Fall ausserhalb Afrikas diagnostiziert worden. Der Patient sei vor rund zehn Tagen aus dem westafrikanischen Liberia in die USA eingereist, wo die Krankheit bei ihm nachgewiesen worden sei, teilte die US-Gesundheitsbehörde mit.

Der Kranke war den Angaben zufolge in Liberia nicht an der Bekämpfung der Epidemie beteiligt. Er sei am 20. September zu einem Familienbesuch in Texas eingetroffen und habe dort erst vier Tage später die typischen Symptome entwickelt, erklärte der Chef der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Tom Frieden, am Dienstag.

Frieden bezeichnete den Patienten als schwerkrank. Die Gefahr, dass er auf seinem Flug nach Texas andere Passagiere angesteckt haben könnte, sah der Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC aber trotzdem nicht. Er wies darauf hin, dass sich das Virus nur über Körperflüssigkeiten überträgt und Ebola-Patienten erst dann ansteckend sind, wenn sie die typischen Symptome aufweisen.

Die die wenigen Menschen, mit denen der Mann seit Ausbruch der Krankheit Kontakt hatte, stünden unter genauer Beobachtung, führte Frieden weiter aus. Doch selbst wenn sich einer von ihnen angesteckt haben sollte, bestehe kein Grund zur Sorge: "Ich habe keinen Zweifel, dass wir diesen Ebola-Fall kontrollieren und dafür sorgen werden, dass sich die Krankheit in diesem Land nicht weiter ausbreiten wird."

Der Infizierte wird seit Sonntag im Texas Health Presbyterian Spital in Dallas behandelt. Zwei Labors bestätigten inzwischen, dass er das Ebola-Virus in sich trägt. US-Präsident Barack Obama wurde über den Fall informiert.

Zu spät reagiert

Der Patient, dessen Nationalität zunächst nicht bekannt wurde, hatte bereits am Freitag einen Arzt aufgesucht, wurde zunächst aber wieder nach Hause geschickt. Erst als er zwei Tage später per Ambulanz ins Spital in Dallas eingeliefert wurde, stellten ihn die Ärzte unter Quarantäne.

Nach Ansicht des Leiters des US-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, reagierten die Ärzte zu spät. Der Arzt in der Notaufnahme hätte den Patienten fragen müssen, ob er kürzlich ins Ausland gereist sei, sagte Fauci dem US-Sender CNN. Der Hinweis auf den Aufenthalt in Liberia wäre dann ein "deutliches Warnsignal" gewesen.

Auch der Medizinprofessor Jesse Goodman von der US-Universität Georgetown forderte mehr Wachsamkeit im Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen. "Es ist entscheidend, dass alle Spitäler und Mitarbeiter im Gesundheitswesen gewarnt sind und nach Auslandsaufenthalten fragen."

Die USA haben bereits mehrere Patienten behandelt, die sich nach dem Ebola-Ausbruch in Westafrika infiziert haben. Bei ihnen wurde das Virus noch vor Ort festgestellt, so dass für ihren Transport besondere Massnahmen ergriffen werden konnten.

Bereits über 3000 Todesopfer

Der Seuche sind nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 3093 Menschen in Westafrika zum Opfer gefallen, davon allein 1830 in Liberia. Da es keine Medikamente, sondern nur die Möglichkeit zur Linderung der Beschwerden gibt, verläuft die Krankheit sehr häufig tödlich.

Das US-Militär will in den kommenden Wochen rund 1400 Militärangehörige nach Liberia schicken, um dort neue Behandlungszentren aufzubauen. Präsident Obama hatte Mitte September die Entsendung von insgesamt 3000 Militärangehörigen sowie ein grossangelegtes Gesundheitsprogramm angekündigt, um die Epidemie in Westafrika einzudämmen. In Liberias Hauptstadt Monrovia befinden sich bereits rund 200 Vertreter des US-Militärs.