Verbreitung
Düstere Prognose: Ebola-Epidemie könnte ganz Subsahara-Afrika erfassen

Forscher analysieren Handy-Daten, um die weitere Ausbreitung des Ebola-Virus voraussagen zu können. Ihr Modell zeichnet eine düstere Prognose: Die Epidemie wird sich wahrscheinlich auf ganz Subsahara-Afrika ausbreiten.

Adrian Lobe
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Helfer des Roten Kreuzes auf einer Strasse in West Point, Liberia.

Helfer des Roten Kreuzes auf einer Strasse in West Point, Liberia.

Keystone

Die westafrikanische Filiale des Mobilfunkkonzerns Orange hat Wissenschaftern Zugang zu Handy-Daten gewährt. Durch die Analyse der Daten können die Forscher einen Einblick in die regionalen Bevölkerungsströme erlangen und die ungefähre Ausbreitung des Ebola-Virus abschätzen.

Die Infizierten sind sich häufig vorerst nicht bewusst, dass sie Träger des Virus sind. Das macht es so wichtig, zu wissen, wo die Menschen sich hinbewegen und sich in den letzten Tagen aufgehalten haben. Mobiltelefone könnten dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Mobilfunkdaten entstehen, wenn jemand telefoniert oder eine Kurznachricht sendet. Die Funkmasten, über die ein Mobiltelefon ins Netz geht, geben Auskunft über den Standort des Nutzers. Aus dem Kommunikationsverhalten lassen sich Rückschlüsse auf die Bevölkerungsbewegungen schliessen.

Die schwedische Non-Profit-Organisation Flowminder hat Verbindungsdaten, die 2013 im Senegal von 150 000 Handys erhoben wurden, analysiert. Mithilfe eines Computermodells, das mit zusätzlichen Daten aus der Elfenbeinküste gespeist wurde, konnten Bewegungsmuster erstellt werden.

Die Grafik zeigt mehrere spinnennetzartige Gebilde, die sich über ganz Westafrika spannen und vereinzelt Berührungspunkte haben. Spiegelt der Kommunikationsverkehr tatsächlich die Mobilität wider, liesse sich daraus die mögliche Ausbreitung von Ebola ableiten.

Die Forscher stellen keine gute Prognose: Ganz Subsahara-Afrika (Mali, Mauretanien, Niger) wird früher oder später betroffen sein.

Aktuelle Daten sind nötig

Aufgrund der leicht veralteten Daten ist das Modell nicht exakt – es sind Näherungswerte. Linus Bengtsson, Mitbegründer und Direktor von Flowminder, sagt dazu: «Die Analysen, die wir gemacht haben, sind nur Schätzungen, wie sich die Leute unter normalen Umständen bewegen. Die Mobilitätsstrukturen haben sich in der Zwischenzeit wahrscheinlich geändert. Wir sind deshalb im Gespräch mit den Mobilfunkanbietern, um aktuelle Daten zu analysieren.»

Auf Grundlage der einzelnen Todesfälle hat Flowminder eine weitere Animation der geografischen Ausdehnung der Ebola-Epidemie erstellt. Im Zeitraffer ist zu sehen, wie sich in Guinea, Liberia und Sierra Leone immer mehr Cluster bilden. Es wirkt alarmierend.

Den Link zur Animation finden Sie hier.