USA
Diese 5 Dinge haben wir an seinem ersten Amtstag über Präsident Joe Biden gelernt

Der 46. Präsident der Vereinigten Staaten ist alles andere als ein «Zauderi». Das haben bereits seine ersten Stunden im Amt gezeigt.

Samuel Schumacher
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Mit 78 ist Joe Biden jetzt schon der älteste Präsident der amerikanischen Geschichte.

Mit 78 ist Joe Biden jetzt schon der älteste Präsident der amerikanischen Geschichte.

AP

Seit fast 50 Jahren ist Joseph Robinette Biden Junior auf dem politischen Parkett in der amerikanischen Hauptstadt unterwegs. Als demokratischer Senator hat er einst seinen Heimatstaat Delaware (wegen seiner unternehmensfreundlichen Steuergesetzen sowas wie der Kanton Zug der USA) vertreten. Als Vizepräsident hat er von 2009 bis 2017 in der Regierung von Barack Obama gedient. Und als Präsidentschaftskandidat ist er zweimal erfolglos angetreten (1988 und 2008), bevors im dritten Anlauf dann doch noch geklappt hat.

Der erste Tag im höchsten Amt hat verdeutlicht, was für ein Präsident der 78-Jährige sein wird.

1) Joe Biden will Trump schnell vergessen machen

15 sogenannte Executive Orders hat Biden an seinem ersten Amtstag unterzeichnet.

15 sogenannte Executive Orders hat Biden an seinem ersten Amtstag unterzeichnet.

AP

In seiner knapp 21-minütigen Ansprache nach seiner Amtseinsetzung hat Joe Biden seinen Vorgänger in keiner Silbe erwähnt. Dass Trump mit der Tradition brach und nicht an der Amtseinsetzungsfeier seines Nachfolgers teilgenommen hat, schien Biden nicht im geringsten zu stören. Im Gegenteil. Die ersten Amtshandlungen des 46. US-Präsidenten machten deutlich, dass er die Ära Trump so rasch wie möglich vergessen machen will. Biden unterzeichnete gestern im Oval Office nicht weniger als 15 Dekrete, die es ihm erlauben, auch ohne Zustimmung des Parlaments bestimmte Beschlüsse zu fassen.

So ordnete er unter anderem den sofortigen Baustopp der Grenzmauer zu Mexiko an, fror die Planung der Erdöl-Pipeline Keystone XL ein, ordnete eine Maskenpflicht für alle staatlichen Gebäude an, stoppte den Ausstieg der USA aus der Weltgesundheitsorganisation und liess die Welt wissen, dass sein Land sich in Zukunft an die Bestimmungen des Pariser Klimaabkommens halten will. Die Beschlüsse lassen keinen Zweifel daran: Biden will Amerika in grossen Schritten aus der Trump-Ära führen und das aus seiner Sicht politische Versagen des 45. US-Präsidenten schnellstmöglich korrigieren.

2) Joe Biden beendet den Krieg gegen die «Fake News»

Jen Psaki, Bidens Sprecherin, wird dem Journalistentross im Weissen Haus von nun an jeden Werktag Red und Antwort stehen.

Jen Psaki, Bidens Sprecherin, wird dem Journalistentross im Weissen Haus von nun an jeden Werktag Red und Antwort stehen.

AP

Donald Trump hatte die Medien immer wieder als die «Feinde der Menschen» bezeichnet und sie beschuldigt, falsch über ihn und seine Politik zu berichten. Zuletzt hatte er den Journalisten kaum noch Gelegenheit gegeben, Fragen zu stellen. Joe Biden will das ändern. Seine Sprecherin Jen Psaki trat gestern für die erste Medienkonferenz der Biden-Administration vor den versammelten Reporter-Tross im Presseraum des Weissen Hauses und beantwortete die Fragen der Medienschaffenden – auch wenn sie sieben Stunden nach dem Amtsantritt des Präsidenten noch nicht auf jede Frage eine konkrete Antwort hatte.

Psaki kündigte an, dass es ab sofort wieder tägliche Pressekonferenzen und entsprechende Möglichkeiten geben werde, Fragen zu stellen. «Den Kampf gegen falsche Informationen führt man am besten mit akkuraten Informationen», betonte sie.

3) Joe Biden bringt den Glauben zurück ins Weisse Haus

Biden ist nach John F. Kennedy erst der zweite Katholik, der das mächtigste politische Amt der Welt innehat.

Biden ist nach John F. Kennedy erst der zweite Katholik, der das mächtigste politische Amt der Welt innehat.

EPA

12 Zentimeter dick war die Bibel, auf die der gläubige Katholik Joe Biden um 11:49 Uhr vor dem Kapitol in Washington D.C. seinen Amtseid geschworen hat. Seit über 100 Jahren ist das heilige Buch bereits im Familienbesitz. Biden ist nach John F. Kennedy erst der zweite Katholik im höchsten politischen Amt Amerikas. Am frühen Morgen vor seiner Amtseinsetzung hatte Biden an einem Gottesdienst in der Hauptstadt teilgenommen.

Sein Glaube ist für Biden seit jeher wichtig. Das Schicksal hat ihn früh hart getroffen. Er war gerade 30, als seine erste Ehefrau und seine knapp einjährige Tochter bei einem Autounfall ums Leben kamen. Vor fünf Jahren musste er zudem seinen Sohn Beau, der an Krebs gestorben war, beerdigen. Kein Wunder also, dass Biden auch als Präsident auf den Beistand höhrer Mächte zählen will. Auf einem der wenigen Fotos, die er auf dem Tisch hinter seinem «Resolute Desk» im Oval Office aufstellen liess, ist der Papst zu sehen.

4) Joe Biden hat viele berühmte Freunde

Lady Gaga hat für Biden die Nationalhymne gesungen.

Lady Gaga hat für Biden die Nationalhymne gesungen.

Keystone

Glanz und Glamour, wie sie seine Vorgänger Barack Obama und Donald Trump beide hatten, die fehlen dem eher trockenen Joe Biden. Glamouröse Freunde und Unterstützer hat der Präsident aber offenbar zuhauf. Die Nationalhymne hat der Pop-Superstar Lady Gaga vorgetragen. Jennifer Lopez gab dem frischvereidigten Präsidenten ebenfalls ein Ständchen. Die Feierlichkeiten am Abend – auch sie fanden ohne Live-Publikum statt – hat der Hollywood-Star Tom Hanks moderiert. Aufgetreten sind neben Justin Timberlake, Bruce Springsteen und Katy Perry auch John Legend und Jon Bon Jovi.

Donald Trump hatte vor vier Jahren deutlich mehr Mühe, prominente Artisten für die musiikalische Umrahmung seiner Amtseinsetzung zu finden. Seine Wunschliste war lang: Andrea Bocelli, Elton John Céline Dion, Kanye West, KISS, Cher, Katy Perry. Doch all diese Superstars zeigten Trump die kalte Schulter und sagten ab.

5) Joe Biden wird hält nicht viel von «America First»

Die USA zeigen der Welt unter Biden wieder ihr lächelndes Gesicht.

Die USA zeigen der Welt unter Biden wieder ihr lächelndes Gesicht.

AP

«Wir zuerst», das war das Leitmotiv für alles, was Präsident Donald Trump während seiner vier Jahre an der Macht entschieden hatte. Damit ist jetzt Schluss. Das hat Biden bereits in seinen ersten Momenten im Oval Office klargemacht. Die USA, teilte Biden mit, werden nicht wie von Trump geplant aus der Weltgesundheitsorganisation austreten, im Gegenteil. Dr. Anthony Fauci, der von Trump oft kritisierte oberste Epidemiologe des Landes, wird die amerikanische Delegation anführen, die in den kommenden Tagen bei der Weltgesundheitsorganisation eintreffen soll. Darüber hinaus wird sich Amerika an die Vereinbarungen des Pariser Klimaabkommens halten.

Die Nachricht an die Welt ist klar: Amerika ist zurück am Verhandlungstisch. Ob sich die aus europäischer Sicht erfreuliche Veränderung für die Vereinigten Staaten auszahlen wird, wird sich erst noch weisen müssen. In zwei Jahren stehen die nächsten nationalen Parlamentswahlen an in den USA. Sie sind der nächste grosse Gradmesser, an dem sich Biden wird messen lassen müssen.