Iran
Die Euphorie ist verflogen: Das lange Warten auf das grosse Geld im Iran-Geschäft

Nach dem historischen Atomabkommen vor zehn Monaten waren die Hoffnungen gewaltig. Doch nach dem Deal sind die Sanktionen nur auf dem Papier aufgehoben.

Michael Wrase, Limassol
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Junge Iraner in Teheran feierten vor einem Jahr den Atomdeal mit dem Westen. Sie hofften auf einen Boom. Diese Euphorie ist verflogen.

Junge Iraner in Teheran feierten vor einem Jahr den Atomdeal mit dem Westen. Sie hofften auf einen Boom. Diese Euphorie ist verflogen.

KEYSTONE

Noch sind die Teheraner Luxushotels fast alle ausgebucht. Belegt sie sind von Wirtschaftsdelegationen aus aller Welt, die ihre Reise in die Islamische Republik nach dem historischen Atomabkommen geplant hatten. Sowohl im Iran als auch bei dessen neuen Geschäftspartnern war die Hoffnung damals gewaltig: Die Aufhebung der Sanktionen, hiess es, werde einen Wirtschaftsboom auslösen, von dem alle profitieren werden.

Zehn Monate später ist von Euphorie nur noch wenig zu spüren. Man sei «vorsichtig optimistisch», lautet das diplomatische Fazit der meisten Delegationen. Genervt weisen sie daraufhin, dass europäische Banken sich anbahnende Geschäfte mit dem Iran nicht abwickeln würden, weil sie Strafen der US-Regierung fürchteten. Man fliege mit «Absichtserklärungen und Vorverträgen» nach Hause, sagte ein Firmenvertreter aus Nordrhein-Westfalen enttäuscht. «Von heute auf morgen» könne man im Iran kein Geld verdienen.

Tatsächlich wurden die gegen Iran verhängten Zwangsmassnahmen nur auf dem Papier aufgehoben. Europäische Banken machen sich in den USA weiterhin strafbar, wenn sie im Auftrag ihrer iranischen Kunden Euro in Dollar wechseln oder umgekehrt. Transfers auf Euro-Basis wären wahrscheinlich möglich. Aus Angst vor Milliardenstrafen werden sie aber meist nicht getätigt, weil in Bankenkreisen Unklarheit darüber herrscht, welche Geschäfte das amerikanische Finanzministerium gestattet.

Die Hardliner profitieren

Das Dollar-Embargo hat auch dazu geführt, dass der Iran noch immer nicht über seine im Ausland eingefrorenen Dollarmilliarden verfügen kann. Lediglich 10 von 100 Milliarden wurden bislang freigegeben. Unter dem Liquiditätsmangel leidet die Wirtschaft, der Staatspräsident Hassan Rohani einen Boom prognostiziert hatte. Nutzniesser sind die Hardliner.

Kein Tag vergeht, an dem sie die Regierung Rohani nicht mit steigenden Arbeitslosenzahlen und Firmenschliessungen konfrontieren. Auch nach dem Nuklear-Deal lebe ein Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, kritisierte die ultrakonservative Tageszeitung «Kayhan» und warf Rohanis Ministern vor, den «Ausverkauf des Landes an den Westen» zu betreiben.

Comeback von Achmadineschad?

Dass es Hardliner, wie der ehemalige Staatspräsident Mahmoud Achmadineschad, waren, die die Wirtschaft des Landes ruinierten, scheint vergessen. Verschwiegen wird ausserdem, dass die Revolutionsgardisten, der wirtschaftliche Arm der Hardliner, von den Sanktionen enorm profitierten. Sogar ein Comeback von Achmadineschad wollen Beobachter in Teheran nicht ausschliessen.

«So Gott will, werden wir uns 2017 wiedersehen», verkündete der radikale Populist vor kurzem in der iranischen Provinz. Im Juni nächsten Jahres finden Parlamentswahlen statt. Schafft es Staatspräsident Rohani bis dahin nicht, sein Land aus der wirtschaftlichen Talsohle zu führen, ist die Wiederwahl des liberalen Geistlichen gefährdet.