Österreich
Der neue Bundespräsident zu Besuch in der Schweiz: Wer ist Alexander Van der Bellen?

Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen kommt in die Schweiz. Wer ist er? Der Solothurner Walter Steinmann, Ex-Amtschef beim Bund, kennt ihn seit fast 40 Jahren.

Sven Altermatt
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Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen kommt heute nach Bern.

Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen kommt heute nach Bern.

Keystone

Eigentlich hätte Alexander Van der Bellen bereits im vergangenen Sommer in die Wiener Hofburg einziehen sollen. Eigentlich. Denn die Bundespräsidenten-Wahl in Österreich wurde wegen unzähliger Schlampereien aufgehoben.

Und als wäre die Alpenrepublik damit nicht schon genug Spott ausgesetzt gewesen, musste der zweite Anlauf auch noch verschoben werden. Der Grund: Die Klebestreifen der Wahlcouverts wollten einfach nicht richtig halten.

Im Januar konnte Van der Bellen, emeritierter Wirtschaftsprofessor, früherer Vorsitzender der Grünen und passionierter Kettenraucher, doch noch seinen Amtseid zum Bundespräsidenten ablegen. Nach einem monatelangen Wahlmarathon hatte er sich gegen den FPÖ-Rechtspopulisten Norbert Hofer durchgesetzt.

Heute Donnerstag reist Van der Bellen in die Schweiz, im westlichen Nachbarland bestreitet er sein erstes bilaterales Treffen. Auf dem Berner Münsterplatz wird er von Bundespräsidentin Doris Leuthard mit militärischen Ehren empfangen.

Einer freut sich besonders auf den Besuch: Walter Steinmann. Der Solothurner Sozialdemokrat amtete während 15 Jahren als Direktor des Bundesamts für Energie. Im vergangenen Herbst ging er in Pension, die Liberalisierung des Strommarkts prägte er zuvor ebenso wie den Atomausstieg.

Junge Forscher unter sich

Noch viel früher aber war er ein akademischer Weggefährte des neuen Staatsoberhaupts der Republik Österreich. Steinmann, 65, und Van der Bellen, 73, kennen sich seit fast 40 Jahren. Als Wirtschaftswissenschafter befassten sie sich mit den gleichen Themen. In einer europäischen Arbeitsgruppe forschten sie Anfang der 1980er-Jahre zur Implementierung von politischen Programmen.

Mit anderen Worten: Sie gingen der Frage nach, wie Gesetze umgesetzt werden. Steinmann war wissenschaftlicher Assistent an der ETH Zürich, Van der Bellen lehrte als junger Professor in Wien.

«Schon damals habe ich Alexander Van der Bellen als besonnenen Denker erlebt», sagt Steinmann. Ihm habe, stets der Sache verpflichtet, früh etwas Professorales angehaftet. Trotzdem habe er sich niemals in den Vordergrund gedrängt. «Er musste sich nicht mit seinen Voten profilieren, der Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen war ihm wichtiger.»

Steinmann und Van der Bellen interessierten sich für das Spannungsfeld zwischen öffentlichen Unternehmen und dem Staat. In Österreich ist der Korporatismus bis heute allgegenwärtig: Politik und Wirtschaft sind eng verzahnt.

Ein überzeugter Europäer

Van der Bellen ist der richtige Bundespräsident zur richtigen Zeit, davon ist Steinmann überzeugt. Die Bedächtigkeit sei eines seiner Markenzeichen, sagt er. «Er könnte es schaffen, sein Land zu einen.» Das ist in den Augen von Steinmann die vielleicht wichtigste Aufgabe eines Bundespräsidenten in politisch unsicheren Zeiten. Erst recht in Österreich, wo die Polarisierung der Gesellschaft derzeit besonders ausgeprägt sei.

Steinmann erinnert daran, dass sich Van der Bellen erst spät für eine Laufbahn in der Politik entschieden hat. Obwohl er die Grünen als Vorsitzender zu ersten Erfolgen führte, sei er als Mann der Mitte nie ein typischer Vertreter der Partei gewesen. Sein bürgerlicher Habitus habe ihn immer für breite Kreise wählbar gemacht.

«Er musste sich nicht mit seinen Voten profilieren.» Walter Steinmann, Ex-Direktor Bundesamt für Energie

«Er musste sich nicht mit seinen Voten profilieren.» Walter Steinmann, Ex-Direktor Bundesamt für Energie

Keystone

Steinmann bezeichnet Van der Bellen als überzeugten Europäer. 1995 kämpfte er für den EU-Beitritt seines Landes, auch entgegen der Haltung seiner Partei. «Er wird für ein geeintes Europa einstehen», sagt Steinmann. «Obwohl das heute ja nicht mehr sonderlich populär ist.» Seine erste Rede habe Van der Bellen bewusst im EU-Parlament gehalten, und das sei an Symbolkraft kaum zu übertreffen.

Walter Steinmann traf Alexander Van der Bellen zuletzt im Dezember, in Wien besuchte er auch seine Wahlparty. Am Staatsbesuch in Bern wird er nicht teilnehmen können. Als Vorsitzender des «European Energy Award» weilt er derzeit in Deutschland – während sich Van der Bellen mit Steinmanns ehemaliger Chefin Doris Leuthard trifft.

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