Schiffsbrand
Ein Toter, zehn Vermisste: Feuer auf Schiffen vor Azoren und Korfu lodern weiter

Noch am Morgen wurde ein Mensch gerettet, nachmittags bargen Rettungskräfte dann den ersten Toten von der brennenden Autofähre in der Adria. Weiterhin werden zehn Menschen vermisst. Im Atlantik bereitet ein anderer grosser Schiffsbrand Sorgen.

dpa
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Rettungskräfte bergen ein Todesopfer.

Rettungskräfte bergen ein Todesopfer.

AP

Der Brand einer italienischen Autofähre vor der griechischen Insel Korfu hat ein erstes Todesopfer gefordert. Rettungskräfte bargen am Sonntagnachmittag einen Toten aus einer Lastwagenkabine auf den Parkdecks des Schiffs, wie der griechische Staatssender ERT berichtete. Weiterhin wurden zehn Menschen vermisst - ein junger Mann war am Morgen noch gerettet worden. Auch der Brand auf dem führerlosen, mit 4000 deutschen Autos der VW-Gruppe beladenen Frachter im Atlantik ist noch nicht unter Kontrolle.

Es schien fast ein Wunder, als am Sonntagmorgen ein 21-jähriger Lastwagenfahrer anscheinend unversehrt über eine Leiter die brennende Autofähre «Euroferry Olympia» in der Adria verlassen konnte. Mehr als 48 Stunden hatte er im Bug der Fähre ausgeharrt. Die Rettungskräfte schöpften Mut. «Die Tatsache, dass der Mann es unter diesen schwierigen Bedingungen schliesslich schaffte, an Deck zu gelangen, macht uns Hoffnung, dass weitere Vermisste am Leben sind», sagte ein Sprecher der griechischen Küstenwache. Der junge Mann aus Belarus wurde umgehend in ein Krankenhaus der Insel Korfu gebracht.

Luft voller giftiger Gase

Die Hoffnung schwand im Laufe des Tages zusehends, bis am Nachmittag das erste Brandopfer entdeckt wurde. In den Tagen zuvor hatten die Rettungskräfte nicht an Bord der «Euroferry Olympia» gehen können, weil zwischenzeitlich allein an den Aussenwänden des Schiffes Temperaturen von bis zu 600 Grad gemessen wurden. Nun wurden die ersten Türen zu den Parkdecks geöffnet. Die Luft dort sei voller giftiger Gase gewesen, berichteten griechische Medien unter Berufung auf die Rettungskräfte.

Das Abschleppen gestaltet sich schwierig.

Das Abschleppen gestaltet sich schwierig.

Petros Giannakouris / AP

Der Brand war auch am Sonntag noch nicht vollständig gelöscht. Schlepper zogen das Schiff in den Norden Korfus, um es vor Wind zu schützen - in den kommenden Tagen soll das Wetter in der Region schlechter werden. Warum das Feuer in der Nacht auf Freitag ausbrach, ist weiter unklar. Bereits wenige Stunden später waren 280 Menschen gerettet worden. Die Vermissten sollen in ihren Fahrzeugen auf den Garagendecks geschlafen haben und dort von den Flammen und der Hitze eingeschlossen worden sein.

Viele E-Autos an Bord erschweren Abschleppen

Auf dem Atlantik trieb unterdessen ein riesiger brennender Frachter mit 4000 deutschen Autos der VW-Gruppe weiterhin führerlos 170 Kilometer südlich der zu Portugal gehörenden Azoren. Nach jüngsten amtlichen Angaben wollen Experten die Flammen nun doch schon auf offenem Meer vor dem Abschleppen des Schiffes löschen - kein leichtes Unterfangen, auch wegen der vielen E-Autos an Bord.

Experten eines niederländischen Bergungsunternehmens analysierten am Wochenende die Lage auf dem Autotransporter «Felicity Ace» mehrfach aus nächster Nähe, wie die Zeitung «Correio dos Açores» unter Berufung auf Sprecher der portugiesischen Marine berichtete. Bisher war geplant, das Schiff erst zu einem Hafen zu bringen und dann das Feuer zu löschen. Nun aber werde der Einsatz von Löschgeräten auf offenem Meer erwogen, hiess es.

Bordwand schmilzt wegen massiver Hitze

Mit Wasser kann der am Mittwoch aus noch unbekannter Ursache ausgebrochene Brand wegen der Gefahr von Umweltverschmutzung grösseren Ausmasses nicht gelöscht werden. Das Schiff hat leichte Schlagseite und es wird befürchtet, dass giftige Stoffe ins Meer gespült werden. Bei vielen der geladenen Autos handele es sich um E-Modelle, deren Batterien das Löschen noch komplizierter gestalteten, hatte João Mendes Cabeças, der Hafenkapitän von Porto da Horta auf der Azoren-Insel Faial, gesagt.

Feuer auf der Euroferry Olympia.

Feuer auf der Euroferry Olympia.

Petros Giannakouris / AP

Auf Videoaufnahmen, die die Besatzung des Patrouillenbootes «Setúbal» am Sonntag auf Twitter postete, war zu sehen, wie dicker Rauch vom Bug bis zum Heck über dem 200 Meter langen Frachter aufsteigt. Die Bordwand war bereits stellenweise geschmolzen.

Die 22 Besatzungsmitglieder waren von Portugals Luftwaffe schon bald nach Ausbruch des Feuers in Sicherheit gebracht worden. Bis Mitte der Woche sollten drei Hochseeschlepper bei der «Felicity Ace» eintreffen.

Volkswagen bestätigte auf Anfrage, dass das Schiff - das Berichten zufolge auf dem Weg von Emden nach Davisville im US-Bundesstaat Rhode Island unterwegs war - Neuwagen der VW-Gruppe transportierte. Nicht bestätigen wollte ein Sprecher Medienberichte, dass es sich unter anderem um etwa 1100 Porsche sowie einige Bentleys und Lamborghinis sowie um viele Audis handelte.