Deutschland
Angela Merkel ist über die Virusmutation besorgt – sogar Ausgangssperren sind nun Thema

Die Virus-Mutationen in Irland und Grossbritannien könnte in Deutschland zu einem scharfen Lockdown führen. Kanzlerin Merkel will nächste Woche über das weitere Vorgehen beraten.

Christoph Reichmuth aus Berlin
Drucken
Teilen
«Wir müssen etwas tun» - Kanzlerin Angela Merkel will schon nächste Woche über schärfere Coronamassnahmen beraten.

«Wir müssen etwas tun» - Kanzlerin Angela Merkel will schon nächste Woche über schärfere Coronamassnahmen beraten.

Michael Kappeler / dpa/5. Januar 2021

Die «Bild»-Zeitung berichtet seit Donnerstagabend über den drohenden «Mega-Lockdown». Pläne für einen solchen scharfen Lockdown will das Boulevardblatt aus Regierungskreisen vernommen haben. Demnach steht Deutschland - wo das öffentliche Leben seit Wochen stark heruntergefahren ist, strenge Kontaktbeschränkungen herrschen und ein Bewegungsradius von 15 Kilometern für Coronahotspots gilt - vor einer neuerlichen Verschärfung der Massnahmen.

Die Rede ist von einer Eingrenzung des öffentlichen Verkehrs, da Busse, S-Bahnen und Trams zu Stosszeiten noch immer mit Berufspendlern gut gefüllt sind. Auch eine komplette Schliessung von Kindergärten und Schulen könnte Thema werden. Zudem will die Kanzlerin mit den 16 Regierungschefs der Bundesländer auch über eine FFP2-Masken-Tragepflicht beraten, Firmen sollen ausserdem noch vehementer dazu gebracht werden, ihre Angestellten ins Homeoffice zu beordern.

Tatsächlich sind die Strassen in den Ballungsgebieten im Vergleich zum März-Lockdown heute deutlich voller, U-Bahnen sind zu Stosszeiten gut frequentiert. Offenkundig arbeiten weniger Menschen in Deutschland in diesem Coronawinter von Zuhause aus als zu Pandemiebeginn im Frühjahr.

«Wir müssen etwas tun»

Obwohl die Kurve der täglichen Neuinfektionen leicht nach unten zeigt - das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag 22'368 Neuinfektionen, das sind 10'000 weniger als vor einer Woche - ist die Regierung um Kanzlerin Angela Merkel besorgt über die Dynamik der Verbreitung des Virus.

Vor allem die Ausbreitung der bereits auch in Deutschland nachgewiesenen Coronavirus-Mutation, die in Grossbritannien und Irland zu rasant in die Höhe schnellenden Infektionszahlen geführt hat, veranlasst die Bundesregierung, die eigentlich bis Ende Januar geltenden Massnahmen schon jetzt weiter zu verschärfen. Die Rede ist von einer Lockdown-Verlängerung bis mindestens Ende Februar.

Der Corona-Krisengipfel zwischen Regierung und Länderchefs wird nun auf den kommenden Dienstag vorgezogen. «Wir müssen etwas tun», soll Merkel gegenüber CDU-Präsidiumsmitgliedern gesagt haben. Sogar eine Ausgangssperre, wenigstens aber schärfere Ausgangsbeschränkungen etwa für die Abendstunden, sollen im Gespräch sein.

Deutschland ist noch weit von der angestrebten 7-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100'000 Einwohner entfernt. Im Moment weist das Land eine Inzidenz von 146 Neuinfektionen auf.

Wir sollten uns die Frage stellen, ob letztlich nicht ein kompletter Lockdown von zwei bis drei Wochen besser ist als eine endlose Hängepartie.

Politiker wie der CDU-Ministerpräsident des besonders von Corona betroffenen Bundeslandes Sachsen, Michael Kretschmer, fordern gar noch radikalere Massnahmen. «Dieser softe Lockdown mit offenen Schulen, Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten bringt nichts», sagte er. Es müssten daher schärfere Massnahmen diskutiert werden. «Kindergärten komplett runterfahren, Schulen abschliessen, wirkliche Betretungsverbote in den Pflegeheimen, wenn kein negativer Schnelltest vorliegt - solche Dinge müssen wir besprechen», so Kretschmer.

Unterstützung erhält er von Thorsten Frei, Vizevorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag: «Wir sollten uns die Frage stellen, ob letztlich nicht ein kompletter Lockdown von zwei bis drei Wochen besser ist als eine endlose Hängepartie.»

Aktuelle Nachrichten