Verheerende Brände
44 Grad und es wird noch heisser: Wälder rund ums Mittelmeer stehen in Flammen

Mindestens acht Menschen sind den Bränden in den Mittelmeerländern schon zum Opfer gefallen. Athen richtet jetzt einen verzweifelten Appell an seine Bevölkerung.

Gerd Höhler, Athen/dpa
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In Teilen Südeuropas und der Türkei kämpfen die Menschen weiter gegen heftige Waldbrände und extreme Hitze. In der Türkei, wo bisher acht Menschen ums Leben gekommen sind, starb auch ein deutsch-türkisches Ehepaar, wie türkische Medien berichteten. Der Mann und die Frau sind leblos auf einem Weg in der Nähe ihres Hauses in Manavgat in der Region Antalya gefunden worden.

156 Brände sind laut der türkischen Kommunikationsdirektion in der vergangenen Woche in dem Land ausgebrochen. Die Brände toben vornehmlich an der Mittelmeerküste, besonders betroffen sind die Regionen Antalya, Mugla aber auch Adana. Etliche Regionen wurden evakuiert, viele Dörfer und Landstriche wurden von den Flammen zerstört, zahlreiche Tiere konnten nicht gerettet werden.

Griechen dürfen Häuser nur noch auf 26 Grad runterkühlen

Unterdessen ist am Dienstag in Griechenland ein Brand in den nördlichen Vororten der Hauptstadt Athen ausser Kontrolle geraten. Die Flammen erreichten bereits die ersten Häuser der Vorstädte Varybobi und Acharnes. «Verlassen Sie sofort Ihre Häuser», sagte der Bürgermeister von Acharnes, Spyros Vrettos, im Staatsfernsehen. Einwohner verliessen in Panik die betroffenen Gebiete. «Hinter uns ist die Hölle», schrie ein Einwohner von seinem Auto heraus an Reporter vor Ort.

Auf der Insel Rhodos kämpfte die Feuerwehr in der Nacht zum Dienstag gegen einen Wald- und Buschbrand in einer Schlucht nahe des Dorfes Maritsa, das Dorf musste evakuiert werden. Ganz Griechenland wird seit mehr als einer Woche von einer historischen Hitzewelle heimgesucht. In Athen zeigten die Thermometer am Dienstagnachmittag 44 Grad.

Mit Löschflugzeugen versuchen die Behörden, die Waldbrände nördlich von Athen zu stoppen.

Mit Löschflugzeugen versuchen die Behörden, die Waldbrände nördlich von Athen zu stoppen.

EPA

Mit dem Thermometer steigt jetzt auch der Stromverbrauch, weil in vielen Wohnungen die Klimageräte auf Hochtouren laufen. Damit wächst die Sorge vor einem drohenden Zusammenbruch des Elektrizitätsnetzes. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis nahm am Montag an einer Krisensitzung teil.

«Wir erleben die schlimmste Hitzewelle seit 1987.»

Damals fiel das Thermometer zehn Tage lang nicht unter 40 Grad. Mindestens 1500 Menschen starben im Zusammenhang mit der Hitze.

«Wir tun alles Menschenmögliche, um die Stromversorgung sicherzustellen», sagte Mitsotakis nach dem Krisentreffen. Er appellierte an die Bevölkerung, sparsam mit der elektrischen Energie umzugehen, insbesondere in den Spitzenzeiten. Als kritisch gelten vor allem die Abendstunden. Die Behörden riefen dazu auf, Klimaanlagen nicht kühler einzustellen als auf 26 Grad, um Energie zu sparen, und möglichst auf den Betrieb von Waschmaschinen und anderen stromfressenden Hausgeräten zu verzichten.

Mit einem Abflauen der Hitzewelle rechnen die Meteorologen in Griechenland erst für das Wochenende. Dann könnten in Athen die Höchsttemperaturen auf 35 Grad fallen. Für die kommende Woche werden aber bereits wieder Werte um 37 Grad prognostiziert.

In Italien verschlimmern Brandstifter die Situation

In Italien, wo zuletzt im Süden des Landes, auf den grossen Inseln und an der Adriaküste ebenfalls heftige Waldbrände tobten, besserte sich die Situation etwas. Die Polizei nahm derweil am Montag zwei Brandstifter auf Sizilien fest. Die Carabinieri hätten die beiden Männer im Alter von 80 und 25 Jahren auf frischer Tat in der zentralen Provinz Enna ertappt, hiess es in einer Mitteilung am Dienstag.

In der Küstenstadt Pescara in der Region Abruzzen brannten zuletzt Pinien und Kiefern in einem bekannten Naturreservat. Die Polizei nahm hier die Ermittlungen zu Ursache auf. Häuser wurden evakuiert und zahlreiche Menschen in Sicherheit gebracht. Auch in Apulien kämpften die Einsatzkräfte Tag und Nacht gegen Flammen in der Stadt Gravina in Puglia. In der kleinen Region Molise mussten bei Campobasso am Montag ungefähr 1000 Menschen zeitweise wegen der Flammen ihre Häuser verlassen.

Die Regierung in Rom beantragte die Aktivierung des EU-Zivilschutzmechanismus, mit dem Löschflugzeuge aus anderen Ländern zu Hilfe kommen könnten. Aber diese Löschflugzeuge sind derzeit Mangelware. Griechenland hatte zwar vergangene Woche den Italienern bei den Bränden in Sardinien mit Maschinen ausgeholfen, kann die Flugzeuge aber jetzt angesichts der extremen Hitzewelle selbst nicht entbehren.

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