Alles begann mit einer Nebelmaschine. Der gebürtige Schlieremer Urs Habegger war Lehrling und sparte sich mit Ferienjobs 800 Franken zusammen. «Mich interessierte die Technik dahinter und der mysteriöse Effekt, der durch den Nebel entsteht», sagt der gelernte Elektromechaniker. Nachdem er sich die Nebelmaschine endlich leisten konnte, brachte er sie jeweils an Feste von Freunden mit. Bald kamen die ersten Anfragen – ob er das Gerät für eine Party ausleihe. «Dafür bekam ich am nächsten Tag dann eine Tafel Schoggi», erinnert sich Habegger und lacht. Eines sei ihm damals schnell klar geworden: Es besteht eine grosse Nachfrage nach Effektmaschinen.

Heute, fast 20 Jahre später, verdient Habegger seinen Lebensunterhalt mit Licht- und Spezialeffekttechnik. Gemeinsam mit einem langjährigen Freund, dem Aescher Fabian Flückiger, führt er seit 2008 die «Effekte.ch AG» in Schlieren. Zur Nebelmaschine kam im Laufe der Jahre ein ganzes Lager von Scheinwerfern, Soundgeräten, Gerüststangen Projektoren und Filmutensilien. Der Firmensitz in einem Schuppen auf dem Wagi-Areal ist vollgestellt damit. Das Material verleihen die zwei Limmattaler nur noch vereinzelt an Bekannte, zu ihren heutigen Kunden gehören Grosskonzerne wie Siemens, Hotels wie das Baur au Lac oder Filmproduktionsfirmen. Und es blieb auch nicht beim Verleih: Habegger und Flückiger bieten ganze Shows mit Licht und Wasser an.

Wasserfontäne

Wasserfontäne

Feuer und «Thriller» in Schlieren

Am Schlierefäscht, das vom 4. bis zum 13. September im Stadtzentrum stattfindet, bauen die beiden auf dem Stadtplatz die nach eigenen Angaben «grösste Multimedia-Wassershow in Europa» auf. Zu sechs unterschiedlichen Musikstücken orchestrieren sie dann in einem 400 Quadratmeter grossen Bassin per Computer immer zur vollen Stunde über 1000 Wasserfontänen. Einzelne Düsen katapultieren das Wasser bis zu 50 Meter hoch in die Luft. Inszeniert wird das Ganze mit 70 LED-Scheinwerfern, dazu kommen Videoausschnitte, etwa aus Michael Jacksons «Thriller», die auf ein Wasserschild projiziert werden, und aus dem Wasser schiessende Feuerbälle.

Ein solches Wasserballett kennt man sonst vor allem von grossen Hotels wie dem «Bellagio» am Strip in Las Vegas. Und das ist kein Zufall: Habegger und Flückiger reisen fast jährlich einmal dorthin, nach Dubai oder in Vergnügungsparks auf der ganzen Welt, um sich inspirieren zu lassen. Denn die beiden sind nicht nur Verleiher und Düsendirigenten, sondern auch Tüftler: Viele der technischen Anlagen haben sie selbst entwickelt. «Das ging nur, weil wir viele Handwerker kennen, die uns unentgeltlich halfen», sagt Flückiger. Die erste von ihnen konzipierte Jet-Düse, die mit Luftdruck 50 Meter hohe Fontänen ausstossen kann, fertigte etwa der Vater des 24-Jährigen, ein Schlosser, an. «Alleine das Material kostete uns um die 6000 Franken. Die Arbeit für die vielen Anpassungen am Prototyp hätten wir uns nie leisten können», sagt Flückiger. Ganz ähnlich war das auch bei der «brennenden Fontäne», bei der mittels einer Spezialdüse Propan-Gas ins Wasser gepumpt wird, sodass diese am «Kopf» des Strahls entzündet werden kann.

Wasserspiel

Wasserspiel

Sie suchen bessere Lösungen

Wenn die beiden heute auf Inspirationsreise gehen, überlegen sie sich oft schon auf dem Nachhauseweg, wie ein bestimmter Licht-, Feuer- oder Wassereffekt erzeugt werden könnte. «Wir übernehmen aber eine technische Lösung nicht einfach, sondern suchen einen eigenen, wenn möglich besseren Weg», sagt Habegger. So entstand zum Beispiel die Idee für ihren neusten Streich: Eine Wasserdüse, die frei schwenkbar ist und per Computer angesteuert werden kann. Am Strip in Vegas sind ähnliche Fontänen in Wasserchoreografien bereits zu sehen – im September nun auch am Schlierefäscht. «Der Prototyp funktioniert. Jetzt gehen wir in Serie. Mitte August sind wir bereit», sagt der 38-Jährige.

Es ist nicht nur der Erfindergeist , der den beiden Limmattalern zu ihrem Erfolg verhalf, wie sie sagen. «Uns ist der direkte Kontakt mit den Kunden sehr wichtig. Wenn jemand erst einmal mit uns gearbeitet hat, erhalten wir meist Folgeaufträge», erklärt Flückiger. Auch wenn die beiden derzeit phasenweise bis zu fünfzehn Stunden täglich arbeiten und auf freie Mitarbeiter angewiesen sind: Bei jedem Anlass sind wenn möglich beide vor Ort, um die Geräte zu installieren und den Kundenkontakt zu pflegen.

In den Jahren der Zusammenarbeit haben die beiden vieles erlebt. Manchmal wurde es gefährlich. So etwa als Habegger und Flückiger vergangenen Sommer auf dem Lac Léman eine frei schwimmende Wassershow-Konstruktion errichten mussten. Noch bevor sie mit dem Aufbau begannen, zog ein heftiger Sturm auf. Bei starkem Wellengang trieben sie also auf Luftkissen auf dem See und hantierten mit Stromkabeln herum. «Das war schon heikel», erinnert sich Habegger. Die jahrelange Zusammenarbeit habe aber dazu geführt, dass sie in solch brenzligen Situationen darauf vertrauen könnten, dass die Handgriffe des anderen sitzen, fügt Flückiger an. Und tatsächlich ging auch auf dem Lac Léman am Ende alles glatt über die Bühne.

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