Irgendwann kamen sie dann doch noch, die Sprüche, die das Cabaret Rotstift berühmt und zu einem Schweizer Kulturgut gemacht hatten. «Mer merkt das d Luft gratis isch, du schnurrsch z vill» zum Beispiel, «Ruckzuck-Zackzack» oder das beliebte «Wäge dem gaht doch d Wält nöd under».

Doch wer auf eine reine Nostalgieveranstaltung gehofft hatte, der war am Donnerstagabend im Millers Studio in Zürich am falschen Ort. Das hatte Initiant Christian Jott Jenny schon vor der Premiere von «Rotstift Reloaded» klargestellt. Eine Hommage an das berühmte, 1954 von Schlieremer Lehrern gegründete Cabaret, ja, das sollte es durchaus werden. Doch auch eigenständig sollte es sein, aktuell. Und absurd.

Das Limmattal als Star

Mit dem Absurden hatte sich Jenny, der in den letzten Jahren unter anderem Theaterproduktionen über Paul Burkhard und Margrit Rainer inszeniert hat, denn auch die Zusage des ehemaligen Rotstifts Jürg Randegger gesichert.

Denn Randegger, der kürzlich 80 Jahre alt geworden ist, wollte eigentlich nie mehr zurück auf die Bühne. Zwei Jahre lang musste Jenny ihn bearbeiten. Dann klappte es doch noch. Es habe ihm gefallen, dass die Idee des Stücks so absurd sei, so Randegger.

Randeggers Cabaret-Comeback: «Rotstift Reloaded» feiert am 9. April Premiere im Millers Studio in Zürich.

Randeggers Cabaret-Comeback: «Ich fühle mich glänzend»

Absurd – und gleichzeitig herrlich aus dem Leben gegriffen: Das ist sie tatsächlich, die Idee. Davon konnten sich an der Premiere am Donnerstag rund 240 Gäste selber überzeugen. Das Stück handelt von einem Schlieremer Kreisel, der feierlich auf den Namen «Cabaret Rotstift» getauft werden soll.

Musiker und Kabarettist Jenny, der sich selber spielt, soll zum Einweihungsfest auftreten. Randegger, der ebenfalls sich selber spielt, ist als Ehrengast eingeladen und erscheint, weil er als Rentner nichts zu tun hat, viel zu früh. Dies überfordert den Vizepräsidenten der Schlieremer Kulturkommission, gespielt von Andreas Matti, total.

Ein wichtiger Protagonist ist zudem das Limmattal, das gleich zu Beginn mit einer Einspielung von «Radio Action Limmattal» – in Anlehnung an die berühmte Rotstift-Nummer – gewürdigt wird. Später dann sieht sich Jenny mit einem Parkplatzproblem konfrontiert, welches er aus Zürich nicht kennt: Es gebe zu viele Parkplätze in Schlieren, er sei völlig überfordert gewesen, entschuldigt er sich.

Auch musikalisch stand das Limmattal im Fokus: Das beschwingte Gaswerk-Lied sorgte bei Schlieremer Besuchern für lokalpatriotische Gefühle – während es beim «Ballön»-Lied der Schlieremer Chind einen Moment lang fast schon melancholisch wurde.

Die Limmattalbahn wurde genauso erwähnt wie der Schlieremer Stadtpräsident, der selber im Publikum sass. Schlieren selber wurde liebevoll verspottet: «Wir sind stolz, dass wir hier nichts sind.»

Aber der grosse Star des Abends war natürlich das Cabaret Rotstift selber – oder die Erinnerungen daran, die geschickt mit Anspielungen auf aktuelle Themen modernisiert wurden. So gibt es in Jimmy Muffs berühmtem Lied im Hallenstadion nun «eine Lounge fürd Vips, mit vegane Chips» und Fritzli schlägt im Morgenrot nicht sein Büsi tot, sondern seinen Vater, wofür Sondersettings und Gespräche beim Psychiater fällig werden.

Viel Prominenz im Publikum

Ziemlich absurd wurde es, als über Lautsprecher «der kollektive Geist der Schlieremer Chind» eingespielt wurde, die sich beim Cabaret Rotstift bedanken wollten. Und die man schliesslich nur vom Singen abhalten konnte, indem man ihnen einen ebenso skurrilen Wunsch erfüllte.

Der Applaus war frenetisch, das Publikum begeistert. Darunter waren einige Promis: Viktor Giacobbo, Walter Andreas Müller, Roger Schawinski, Markus Notter. Und natürlich Ex-Rotstift Heinz Lüthi, der bei der Zugabe mitsang und sich nachher auf rührende Art und Weise bei Randegger bedankte.