Zürich

Zum Jubiläum darf die kleine Mia ins Märlitram

Das Märlitram fährt dort, wo die Menschen in der Vorweihnachtszeit gestresst sind. Für den Autor bot dies viel Inspiration für die Geschichte. ZVG

Das Märlitram fährt dort, wo die Menschen in der Vorweihnachtszeit gestresst sind. Für den Autor bot dies viel Inspiration für die Geschichte. ZVG

Das Märlitram fährt seit 60 Jahren durch das weihnachtliche Zürich. Zum Jubiläum hat der Musiker und Autor Boni Koller ein Buch und ein Lied geschrieben.

Fast verpasst Mia das Märlitram am Zürcher Bellevue. Das Mädchen hat sein Billett einem kleinen Jungen geschenkt, der bitterlich weinte, weil er selber keines hatte. Der Samichlaus, der das Märlitram fährt, hat Mias selbstlose Aktion denn auch bemerkt und bremst das Nostalgietram nochmals, damit Mia doch noch einsteigen kann. So beginnt das neue Kinderbuch «Eine zauberhafte Reise im Märlitram», das zum diesjährigen 60-Jahr-Jubiläum der beliebten Zürcher Weihnachtsattraktion publiziert wird.


Bebildert wurde das Buch von der deutschen Illustratorin Christiane Schöngart und geschrieben vom Zürcher Autor und Musiker Boni Koller, bekannt von Baby Jail und Schtärneföifi. Zur Inspiration durften Schöngart und Koller letztes Jahr im Märlitram mitfahren, wie Koller erzählt. Das ist eine Ausnahme, denn für gewöhnlich dürfen nur vier- bis zehnjährige Kinder ohne Eltern mit den beiden Engeln ins Samichlaustram einsteigen.
Als Koller in den 1960er- Jahren selber Kind war, war das Märlitram noch neu. Er sei damals nie mitgefahren: «Meine Eltern sagten, das sei nur etwas für Jelmoli-Kunden, und wollten dafür kein Geld ausgeben.»


Feierlich, aber nicht kitschig
Heute gehört das Märlitram fest zur Zürcher Vorweihnachtszeit und begeistert Gross und Klein. Das Samichlaustram fährt im Advent vom Bellevue über den Limmatquai und die Bahnhofstrasse und damit durch die grössten Knotenpunkte der Innenstadt. Dort wo alle gestresst Weihnachtseinkäufe erledigen, sagt Koller: «Wenn aber das Märlitram kommt, bleiben die Leute stehen und freuen sich.» Daher sei es ihm leicht gefallen, sich eine Handlung für das Bilderbuch auszudenken.


Als die kleine Mia im Tram sitzt, streut ein Engel ihr Sternenstaub auf das Gesicht, und sie darf sich mit geschlossenen Augen etwas wünschen. Mia stellt sich vor, wie das Tram von den Schienen abhebt und über Zürichs Dächer davonfliegt – gezogen von sechs Rentieren. «Das ist nicht ganz konform mit unserem Samichlaus, aber da das fliegende Tram mit den Rentieren ein so schönes Bild abgibt, haben wir uns hier bei Santa Claus angelehnt», sagt Koller. Ihm sei wichtig gewesen, dass das Buch feierlich werde, aber nicht kitschig.


Während der 20-minütigen Märlitramfahrt wird nicht nur geträumt, sondern auch gesungen. Ein Lied hat Boni Koller, der seit über 20 Jahren Kinderlieder schreibt, auch gleich beigesteuert. «Mir fahred mit em Märlitram» hat einen flotten Rhythmus, einen einfachen Text und viele Wiederholungen. Es sei bewusst einfach gehalten, sagt Koller. So könne es mit wenigen Gitarrengriffen auch im holprigen Tram begleitet und von kleinen Kindern auf Anhieb gesungen werden. 

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