Lohnklagen

Zürcher Kindergarten-Lehrerinnen wollen endlich gerechten Lohn

Weil der Kindergarten seit 2008 obligatorisch ist, wurden Kindergärtnerinnen und Kindergärtner immer mehr zu Lehrkräften. Im Lohn schlug sich dieser Wandel allerdings nicht nieder (Themenbild).

Weil der Kindergarten seit 2008 obligatorisch ist, wurden Kindergärtnerinnen und Kindergärtner immer mehr zu Lehrkräften. Im Lohn schlug sich dieser Wandel allerdings nicht nieder (Themenbild).

Die Kindergärtnerinnen im Kanton Zürich wollen ein Ende ihrer Lohn-Diskriminierung. 18 Betroffene und drei Berufsverbänden haben bei der kantonalen Schlichtungsstelle ein entsprechendes Begehren eingereicht. Am Mittwoch erklärten sie die Forderung.

Mit dem neuen Volksschulgesetz rückte der Kindergarten näher an die Schule heran. Seit 2008 ist es nicht mehr den Eltern überlassen, ob sie ihr Kind in den "Chindsgi" schicken: Er ist obligatorischer Bestandteil der Volksschule. Die Kindergärtnerinnen wurden zu Lehrkräften der ersten Schulstufe mit entsprechenden Pflichten. Im Lohn schlug sich dieser Wandel allerdings nicht nieder.

Wie Vertreterinnen und Vertreter von VPOD (Verband des Personals der öffentlichen Dienste), VKZ (Verband Kindergarten Zürich), ZLV (Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband) sowie einzelne Betroffene ausführten, erhalten Kindergartenlehrerinnen noch heute für ein 100-Prozent-Pensum nur 87 Prozent des Lohns ihrer Lohnklasse. Und die liegt erst noch unter jener der anderen Lehrkräfte.

Voller Lohn: "Zu teuer"

Dies geht auf eine strukturelle Besoldungsrevision für das gesamte Staatspersonal vor rund 25 Jahren zurück, wie VPOD-Vizepräsidentin und Kindergartenlehrerin Regina Stauffer erklärte: Die Kindergärtnerinnen wurden damals der Lohnstufe (LS) 18 zugeordnet - zwar eine LS unter den Primarlehrkräften, aber sie hatten damit doch zünftige Lohnerhöhungen von mehr als 20 Prozent zugute.

Dies allerdings war Kanton und Gemeinden zu teuer. Nachträglich wurde beschlossen, den Kindergärtnerinnen bloss 80 Prozent des LS-18-Gehalts zu zahlen. Ohnehin war die Ansicht verbreitet, sie würden bloss ein wenig spielen, singen und basteln. Mit einer Lohnklage erreichten die Kindergärtnerinnen immerhin eine nachträgliche Anhebung auf 87 Prozent.

Seither habe sich der Beruf grundlegend verändert, argumentieren die Klägerinnen. Die Kindergartenlehrerinnen sind nicht mehr von den Gemeinden, sondern vom Kanton angestellt, wie die anderen Lehrkräfte. Die Anforderungen seien stark gestiegen.

Der Unterricht in den zunehmend heterogenen Gruppen folgt einem Lehrplan. Lektionenvorbereitungen, Elterngespräche, administrative Arbeiten, individuelle Begleitung und Förderung der Kinder, Zusammenarbeit mit diversen Fachpersonen und Mitwirkung im gesamten Schulteam gehören heute zum Pflichtenheft der Kindergartenlehrerin.

Einzige Berufsgruppe mit unvollständigem Lohn

Und nun sollen endlich auch die fehlenden 13 Prozent Lohn dazukommen. Dass sie nicht den vollen Lohn ihrer Lohnstufe erhalten, ist laut ZLV-Vizepräsident Kurt Willi einzigartig: Man habe keine andere Berufsgruppe mit einer solchen Lohn-Diskriminierung gefunden.

Willi ist klar, dass der Moment für die Lohnforderung nicht der günstigste ist, wird doch allenthalben gespart, was das Zeug hält. Es gehe um geschuldete "Gelder, die man vor sich hin schiebt". Wie teuer die Anpassung käme, ist unklar. Sicher ist, dass sie Millionen kosten würde.

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