Heuschnupfen

Was machen, wenn der Spaziergang zur Qual wird?

Es ist wieder Frühling: Haselnuss- und Erlenpollen machen einigen das Leben schwer.

Es ist wieder Frühling: Haselnuss- und Erlenpollen machen einigen das Leben schwer.

Mit den milden Temperaturen beginnt auch der Heuschnupfen wieder. Bei manchen genügen praktische Alltagstricks, um den Frühling besser zu überstehen – andere müssen zu Medikamenten greifen.

Die Nase läuft, die Augen jucken und der Kopf tut weh. Im Grünen spazieren zu gehen, wird zur Qual. Diese Anzeichen kennen 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung nur zu gut. Es ist von Heuschnupfen die Rede. Linderung bringen Medikamente, aber auch praktische Alltagstipps.

Laut dem Dietiker Hals-, Nasen- und Ohrenarzt Markus Schlittenbauer steigt die Zahl der Allergiegeplagten derzeit deutlich an. «Die verhältnismässig milden Temperaturen der letzten Tage lassen Haselnussbüsche und Erlen blühen», sagt er. Danach verbreiten Birke und Esche ihre Pollen. Ab Mai bis Juli sei Saison für Gräser- und danach für Getreidepollen, die nicht nur Juckattacken und Fliessschnupfen durch Reizung der Schleimhäute, sondern auch Hautjucken und Ausschlag verursachen. 

Einfetten schützt die Haut

Nicht jeder Mensch leide gleichermassen unter Pollen. Vor allem sei es nicht immer eindeutig zu erkennen, welche Pollen den Heuschnupfen auslösen. «In ganz seltenen Fällen kommt es sogar vor, dass exotischere Pflanzen, wie Olivenblüten auf dem Balkon, der Grund für Heuschnupfen sind», sagt Schlittenbauer.

Wenn die Augen jucken oder die Nase ein wenig läuft, rennen viele sofort zur Apotheke oder gar zum Arzt. Dabei könne der Kontakt zu Pollen mit einfachen Tricks reduziert werden, erklärt er. «Anstatt das Fenster den ganzen Tag geöffnet zu haben, empfehle ich kurze Lüftungen am Morgen». Der Pollenflug sei dann reduzierter als am Nachmittag. Im Baumarkt seien zudem Pollengitter erhältlich. Damit könne man die Wohnungsfenster generell gegen eindringende Pollen abschirmen. Auch Staubsaugen reduziere deren Menge. 

Verbringe man den Tag draussen, helfe zum Schutz der Augen eine Sonnenbrille. Bei stärkerem Juckreiz könne man sie zunächst mit kühlem Wasser spülen, um die Pollenlast in den Bindehäuten zu reduzieren. Die Haut an Armen und Beinen könne mit fetthaltiger Crème oder Lotion, z.B. Vaseline, vorbehandelt werden. «Die Pollenallergene dringen dadurch weniger schnell in die Haut ein» meint er. Genügen all diese Massnahmen nicht, könne man auf Augentropfen oder Nasensprays aus der Apotheke zurückgreifen.

Alltagstricks helfen nicht jedem

Auch Barbara Ballmer-Weber, leitende Ärztin der Allergiestation am Universitätsspital Zürich, ist überzeugt, dass praktische Alltagstipps helfen können, Heuschnupfenbeschwerden zu lindern. So rät sie, die Haare am Abend zu waschen, damit die Pollen nicht auf das Kopfkissen gelangen, die Fenster im Schlafzimmer geschlossen zu halten sowie lange Autofahrten bei offenem Fenster zu meiden.

«Leider helfen diese Tricks aber nicht bei allen», sagt sie. Wer zu Ballmer-Weber ins Universitätsspital kommt, leidet meistens stärker unter den Pollen. Bei Niesattacken, roten Augen, Müdigkeit, Kopfweh oder starkem Jucken im Rachen werden Medikamente eingesetzt. Ballmer-Weber empfiehlt bei starken Beschwerden eine «Desensibilisierungstherapie». Dabei werden während dreier Jahre regelmässig Pollenextrakte in den Oberarm gespritzt. Die Beschwerden würden sich dadurch deutlich bessern. «Wer keine Spritze will, kann auch eine Therapie mit Tabletten oder Tropfen durchführen», sagt sie.

Eine Garantie, dass der Heuschnupfen nach einer Behandlung Jahre später nicht wieder kommt, gebe es nicht. Ausserdem können Heuschnupfensymptome in jedem Alter auftreten. «Viele Menschen bleiben jahrelang verschont und leiden plötzlich an den Beschwerden dieser Allergie», sagt Ballmer. Bei den meisten beginnt der Heuschnupfen aber bereits im Schulalter. In der Pubertät können sich die Symptome verstärken.

Dreck stärkt Immunsystem

«Dass manche Menschen stark unter Heuschnupfen leiden, während andere überhaupt nicht davon betroffen sind, ist aus heutiger Erkenntniss zu einem wesentlichen Teil erblich bedingt», erklärt Schlittenbauer. Haben Vater und Mutter Heuschnupfen, werde häufig auch das Kind allergisch auf Pollen reagieren.

Vorbeugend würden Fischgenuss ein-bis zweimal wöchentlich in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie Stillen über mindestens vier Monate empfohlen. Schlittenbauer ist überzeugt davon, dass auch früher Kontakt mit harmlosen Umwelterregern das Allergierisiko reduziert. «Gemäss Studien sind Kinder, die am Land und mit Hunden aufwachsen seltener von Heuschnupfen betroffen», sagt er. Ihr Immunsystem passe sich bereits in jungem Alter an eine weniger sterile Umwelt an.

Deshalb rät Schlittenbauer jedem, der sich im Moment nicht ohne Taschentuch, Sonnenbrille oder Augentropfen nach draussen traut: Regelmässige Aktivitäten in der Natur stärken den Körper. 

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1