Sie ist im Sommer ein beliebter Treffpunkt für einen Znacht am See oder auch ein kühles Getränk während einer Badepause: die Gartenbeiz des Rote-Fabrik-Restaurants «Ziegel oh lac».

Infolge eines Verwaltungsgerichtsentscheids musste die Restaurant-Genossenschaft ihre Aussensitzplätze von 166 auf 96 Plätze verkleinern. Als die Stadtpolizei im Oktober bei einer Nachkontrolle feststellte, dass diese Limite nicht eingehalten wurde, verzeigte sie den «Ziegel» und büsste ihn mit rund 500 Franken. Dies berichtete das Online-Portal "Lokalinfo.ch".

Die Polizei war auf Hinweis eines Nachbarn ausgerückt, mit dem die Rote Fabrik seit Jahren im Clinch steht.

Auslöser für die Verkleinerung der «Ziegel»-Gartenbeiz sei ein Baubewilligungsverfahren für zwei grosse Sonnenschirme gewesen, erklärt die Stadt Zürich auf Anfrage.

Gemäss der Präsidialabteilung, die für Rote Fabrik zuständig ist, kam es im Rahmen dieses Verfahrens zu einer Einsprache, in der diverse Punkte angefochten wurden. Diese lehnte das Verwaltungsgericht allesamt ab – bis auf eine Ausnahme.

«Ein Rekurrent monierte, dass mit den neuen Schirmen die Fläche des Gastrobetriebs vergrössert werde», sagt Nat Bächtold, Sprecher der Präsidialabteilung. In der Folge prüfte das Verwaltungsgericht die ursprünglichen, 30 Jahre alten Bewilligungspläne und stellte fest:

Die Fläche der Gartenbeiz ist zwar durch die Schirme nicht vergrössert worden, doch dürften darauf maximal 96 Plätze angeboten werden. «Das Verwaltungsgericht bewilligte schliesslich die Schirme, hielt aber an der Obergrenze bei den Sitzplätzen fest», so Bächtold.

Beizer befürchten Einbussen

Erich Federli vom Leitungsteam des Restaurants erklärt auf Anfrage, die Sitzplatzreduktion könne sich in einem guten Sommer «gravierend» auf den Umsatz des «Ziegels» auswirken. «Wie schwerwiegend die Folgen sind, können wir aber erst nach der kommenden Saison abschätzen.»

Wer hinter der Lärmklage steht, ist laut dem Sprecher der Genossenschaft bekannt. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass diese Partei reklamiere, sagt Federli: «Aufgrund der Lage und der Distanz zum betreffenden Gebäude leuchtet es schlicht nicht ein, wie diese Person durch unsere Gartenbeiz gestört werden sollte.»

Neuer Steg brachte mehr Gäste

Neben dem guten Wetter sorgte vergangene Saison besonders die Eröffnung des Cassiopeia-Stegs zwischen der Roten Fabrik und dem Hafen Wollishofen dafür, dass die Gästezahlen im Restaurant gegenüber anderen Jahren sehr hoch waren, wie Federli sagt.

Die Stadt Zürich hatte mit diesem 248 Meter langen Steg eine Lücke im Seeuferweg geschlossen. Dies führte dazu, dass der «Ziegel» mehr Laufkundschaft erhielt. Dass nach der Eröffnung des Stegs nun die Platzzahl der Gartenbeiz reduziert werde, entbehre nicht einer gewissen Ironie, findet Federli.

Er und sein Team wollen nun über das städtische Präsidialdepartement erwirken, dass das Gastroplatzangebot offiziell vergrössert werden kann. Dazu wäre allerdings eine Baueingabe samt Rekursmöglichkeiten nötig.

Federli rechnet daher nicht damit, dass der «Ziegel» in absehbarer Zeit wieder gleich viele Gäste bedienen darf wie früher. Die Stadt erklärte gestern, dass man sich mit den Beteiligten zusammensetzen und nach einer Lösung suchen werde: «Es ist uns bewusst, dass die Verkleinerung des Gartens den ‹Ziegel› vor eine schwierige Situation stellt», so Bächtold.