Demonstration

Veganer und Tierrechtler halten Mahnwache vor Zürcher Fleischwerk

Am Donnerstagabend gedenken 30 Personen vor dem Schlachthof den getöteten Nutztieren. Damit wollen sie ein Zeichen gegen den Fleischkonsum in der Schweiz setzen.

Fondue chinoise, Braten und Filet im Teig: Über die Festtage wird besonders gerne und viel Fleisch gegessen. Dabei gerate in Vergessenheit, wie viele Tiere für den festlichen Genuss ihr Leben lassen müssen, sagt die Mit-Initiantin Ina der Mahnwachen-Aktion „Ein Licht der Hoffnung“ , die am Donnerstag und Freitag länderübergreifend vor Schlachthöfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz abgehalten wird. Ihren ganzen Namen möchte Ina nicht nennen. Sie will aus beruflichen Gründer lieber anonym bleiben.

Gegenüber vom Schlachthof Zürich, wo täglich gegen 1000 Tiere ihr Leben lassen, zünden die Teilnehmer der Mahnwache bei Dämmerung Grabkerzen an, «um der Tiere zu gedenken, die unschuldig ihr Leben hergeben müssen, für Genuss und Komfort.»

Ganze sechs Stunden dauert die Mahnwache. Darum, dass es dennoch kalt werden könnte, scheint sich niemand zu scheren. Wenn man bedenke, wie es den armen Tieren im Schlachthof ergehe, sei das Frieren ein geringes Opfer, so Ina.

Der Zeit ein Zeichen zu setzen sei überfällig. Alleine in der Schweiz würden jährlich über 55 Millionen Nutztiere geschlachtet. Die meiste Zeit ihres Lebens hat aber auch sie Fleisch gegessen. Eine Zeit lang lebte sie vegetarisch, bevor sie sich vor zwei Jahren dazu entschlossen hat, ganz auf tierische Produkte zu verzichten. „Ich bereue jeden Tag, den ich nicht eher aufgewacht bin. Man tut wehrlosen Tieren tagtäglich weh und hält das für selbstverständlich und nimmt deren Angst und Schmerz in Kauf.» Sie selbst habe leider auch erst viel zu spät erkannt, welches Leid den Tieren widerfahre.

Beim Schlachthof stösst die Demonstration auf Unverständnis. «Es ist in Ordnung vegan zu leben. Genau so sollte es aber auch in Ordnung sein, Fleisch essen zu wollen», sagt Metzger André Herzog. Sein Kollege Jürgen Baier ist derselben Meinung. Schliesslich würden auch Pflanzen gezüchtet. Er sehe nicht ein, warum man dies nicht auch mit Tieren machen dürfe.

Ina erhofft sich von der Aktion der Mahnwache dennoch, dass das Umdenken sich noch weiter verfestigt. „Wir müssen endlich raus aus diesem Ausbeutungskreislauf. Auch aus moralischer Sicht sollten wir endlich aufhören, Tieren ihr Leben zu entziehen.» Die Tierliebhaberin engagiert sich mit grossem Elan für ihr Anliegen. Im April 2014 hat sie die Online-Community „Veganes Zeitalter“ gegründet. Schon bald zählt die Plattform 7000 Mitglieder. Die Gruppe fungiere als virtuelle Oase, in der sich Veganer und Tierrechtler vom täglichen Einsatz für die Würde des Tieres erholen können. Denn leider würden Veganer und Tierrechtler immer wieder auf Unverständnis stossen und angeprangert. „Das ist für uns nicht nachzuvollziehen“, so Ina. Generell würden aber auch immer mehr interessierte Neu- oder Nicht-Veganer und Vegetarier der Gruppe beitreten. Das sei ein deutliches Signal, so Ina, dass die Menschen allmählich begreifen würden, dass bei den konventionellen Ernährungsvorgaben etwas verkehrt laufe.

Auch wenn die Veganer in Zürich mit der Mahnwache Aufmerksamkeit auf sich ziehen – der Schlachthof wird wohl weiterhin Bestand haben und Ina wird wie bislang auf ihrem Arbeitsweg täglich daran vorbeigehen müssen.

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