Die Arbeit im steilen Gelände ist schweisstreibend. Von Hand tragen die sechs Forstarbeiter gut 40 Kilogramm schwere Holzpfähle den Hang hinauf. Während eineinhalb Wochen entsteht so die erste Lawinenverbauung des Kantons. Sie besteht aus insgesamt 108 Ogi-Böcken – benannt nach ihrem Erfinder, dem Kandersteger Förster und Bergführer Ogi, Vater von alt Bundesrat Adolf Ogi.

Die Verbauung steht an einem Ausläufer des Schnebelhorns, knapp 1000 Meter über Meer. Das Kantonale Tiefbauamt hat den Hang zuvor einer Risikoanalyse unterzogen und Handlungsbedarf festgestellt. «Am Hang haben sich in den vergangenen Jahren vermehrt Schneerutsche oder kleinere Schneebretter gelöst und die Strasse auf der ganzen Breite verschüttet», sagt Kurt Rohner vom Tiefbauamt.

Grosser Räumungsaufwand

Ruedi Kaspar, der nicht weit von der Stelle wohnt, kennt die Situation. «Die Strasse wurde jeden Winter ein paar Mal verschüttet», sagt er. «Für die Räumungsmannschaft war das jeweils ein recht grosser Aufwand.» Ihn selbst habe das jedoch kaum gestört. «Wir konnten gut damit leben. Wenn der Schnee in der Nacht runterkam, mussten wir halt bis zum nächsten Morgen warten, ehe wir wieder ins Tal konnten.» Laut Tiefbauamt sollen die Verbauungen nun verhindern, dass grössere Schneemassen auf die Strasse rutschen – und die kleineren Rutsche, die es doch noch bis zur Strasse schaffen, sollen schneller als bisher weggeräumt werden können.

Hang wird aufgeforstet

Das Projekt wird im Herbst 2015 abgeschlossen und kostet rund 465 000 Franken. In einer zweiten Phase folgen im nächsten Frühling weitere 200 Ogi-Böcke. Gleichzeitig wird der Hang aufgeforstet. Nach rund 25 Jahren sollen die gepflanzten Bäume die Schutzwirkung übernehmen.

Ins Projekt involviert sind zahlreiche Behörden. Bauherr ist das Kantonale Tiefbauamt, in der Projektphase waren die Gemeinde Fischenthal, das Amt für Verkehr, das Amt für Landschaft und Natur und das Tiefbauamt beteiligt. «Ohne die Einwilligung des privaten Grundeigentümers hätte das Projekt aber nicht so rasch realisiert werden können», sagt Kurt Rohner.

Knapp zwei Stunden braucht ein Zweierteam, um einen einzelnen Bock zu befestigen. Als Erstes setzt es den Pfahl mit einer Neigung von 10 bis 15 Grad Richtung Hang ins vorher gegrabene Loch, legt dann die beiden anderen Pfähle in einem bestimmten Winkel darüber und fixiert sie mit zwei ellenlangen Nägeln. Die Enden der Pfähle werden schliesslich durchbohrt und mit 1,20 Meter langen Eisenstangen im Boden verankert. Denn das Ganze muss gut halten: Die Verbauungen sollen die nächsten 25 Winter überdauern.

«Wir machen das zum ersten Mal»

Für die Forstarbeiter, die sonst Bäume im Staatswald Tössstock/Rüti fällen, ist es keine alltägliche Arbeit. «Wir machen das zum ersten Mal», sagt Vorarbeiter Mario Wild. «Als Abwechslung ist es zwar schön, auf Dauer wäre es allerdings zu anstrengend.»