Der Fall eines 41-jährigen Dominikaners sorgt für Aufsehen. Dieser wird von der Staatsanwaltschaft Baden wegen versuchten Mordes angeklagt, weil er in Killwagen mit einem Messer neun Mal auf einen Mann eingestochen haben soll. Doch dies ist nur die jüngste Episode einer langen Reihe von Vergehen, die der Angeklagte auf dem Kerbholz hat. Wie der «Blick» in seiner gestrigen Ausgabe schrieb, sei der Mann bereits mehrmals wegen Drogendelikten mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Auch in Schlieren ist er kein Unbekannter, denn er lebte ab 2014 als Sozialhilfeempfänger auf Kosten der Stadt, schreibt der «Blick». Untergebracht wurde er in der Dependance eines Hotelbetriebs.


Der Schlieremer Sozialvorstand Christian Meier (SVP) kann zwar keine detaillierten Angaben zu diesem Fall machen, er sagt jedoch, dass die letzte Wohngemeinde einer Person, die obdachlos oder unterstützungsbedürftig wird, in der Verantwortung stehe, für die Lebenskosten aufzukommen: «Dies war bei diesem Mann der Fall.» Wie der «Blick» schreibt, verfügte der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt über kein Aufenthaltsrecht. Statt aus der Schweiz weggewiesen zu werden, habe er ein neues Gesuch gestellt. Zu demselben Zeitpunkt habe er Sozialhilfe beantragt.


Meier wundere sich, dass diese Person nicht schon längst aus der Schweiz ausgeschafft wurde. «Zwar trifft unsere Sozialabteilung Abklärungen über den Aufenthaltsstatus der Person, doch befindet sich jemand legal hier, dann sind uns die Hände gebunden», so Meier. Der Sozialvorsteher zweifelt jedoch daran, ob sich ein solcher Fall heute nochmals so zutragen würde. «Ich habe das Gefühl, dass in der Asylpraxis heute härter durchgegriffen wird, als noch vor zwei Jahren.»

Nicht unüblich

Und wie kam es, dass ein Sozialhilfeempfänger in der Dependance des Hotelbetriebs untergebracht wird? Dies ist gar nicht so unüblich. Meier sagt, dass die Unterbringungen im Hotel rund zwei bis drei Mal jährlich zur Anwendung komme. «Zu diesem Schritt entscheidet sich die Sozialbehörde nur im äussersten Notfall. Es ist eine Notlösung, etwa wenn sämtliche der derzeit drei Notwohnungen in Schlieren besetzt sind.» Die Anzahl Wohnungen, die der Stadt zu diesem Zweck zur Verfügung steht, variiere stark, da meist Abrissobjekte nur für kurze Zeit gemietet würden. «Derzeit ist ein Grossteil dieser Wohnungen von Asylsuchenden besetzt.»


Für Meier ist der vorliegende ein ärgerlicher Fall: «Aufgrund dessen nun alle Sozialhilfeempfänger über einen Kamm zu scheren und pauschal zu verurteilen, wäre falsch.» Denn: «Der Grossteil der Bezüger ist auf die Unterstützung angewiesen», sagt er. Dass es Menschen gebe, die ein System ausnützen wollen, das habe es schon immer gegeben und werde es auch immer geben.