Nicht jedem Passanten fallen die Kleber auf. Doch hat man einmal angefangen, sich darauf zu achten, sieht man sie überall: Auf Strassenlaternen oder Schildern, in Schlieren oder Dietikon, finden sich bunte Kleber, oder wie man auf Englisch sagt, Sticker. Sie zeigen die unterschiedlichsten Motive, von Fussball über Kunst bis zu Politik.

Schneller und einfacher

Fussballfans, Parteien, Vereine oder auch Künstler nutzen diese neue Art, auf sich aufmerksam zu machen, vermehrt. Nicht zuletzt, weil sie – im Gegensatz zu Graffitis – einfach ist: Die Kleber lassen sich im Internet bestellen oder gleich selber bemalen. Einer, der sich damit auskennt, ist der 19-jährige Samuel Gibser (Name geändert) aus Zürich: «Das Ganze verursacht keinen grossen Aufwand, man kann eine Folie kaufen und diese mit eigenen Motiven bemalen.» Er selbst betrachtet die Kleber als Kunstform. Sind die Abziehbildchen einmal bemalt, könne man diese überall hin mitnehmen und an jeder Ecke aufkleben, sagt Gibser. Und weiter: «Ich will, dass die Leute meine Sticker überall erkennen und als Kunst ansehen.» Er gestalte gerne und wolle seine Werke auch zur Schau stellen.

Von Kunst will Schlierens Sicherheits- und Gesundheitsvorstand Pierre Dalcher nichts hören. Er sagt: «Mittlerweile sind die Kleber in Schlieren zu einem grossen Problem geworden.» Wenn die Kleber auch nicht die gleich gravierenden Schäden wie Graffitis verursachten, so werde trotzdem «fremdes Eigentum verunstaltet», so Dalcher.

Davon lässt sich Gibser nicht beeindrucken. Er preist sogar, dass Stickern weniger gefährlich sei als Sprayen: «Bei Graffitis braucht man eine gewisse Zeit, um sie fertigzustellen. Kleber hingegen kann man einfach und schnell platzieren. So wird das Risiko, erwischt zu werden, viel kleiner.»

Doch: Wer trotzdem beim Stickern ertappt wird, kommt nicht ungeschoren davon. «Wer städtisches Eigentum mit Stickern beklebt, muss mit einer Verzeigung bei der Kantonspolizei rechnen», sagt Thomas Winkelmann, der die Dietiker Sicherheits- und Gesundheitsabteilung leitet. «Da sich Sticker in der Regel nur schwer entfernen lassen und oft Spuren zurückbleiben, handelt es sich strafrechtlich gesehen um Sachbeschädigung.» Täter müssten mit einem Strafverfahren und Schadersatzforderungen rechnen.

Zudem brauchen die Gemeinden Ressourcen, um die Kleber zu beseitigen, wie Heinz Illi, Sicherheits- und Gesundheitsvorstand der Stadt Dietikon sagt. «Mit besonderen Putzmitteln kann man die Sticker zwar entfernen, aber das alles braucht erstens Zeit und verursacht zweitens Kosten, die der Steuerzahler zu tragen hat.» Zudem würden oft auch nach der Entfernung kleinere Schäden oder unschöne Stellen auf Laternen und Schildern zurückbleiben, so Illi.

Unterschiedliche Absichten

Darum kümmern sich auch Fussballfans jedoch nicht. Massenweise werden Stickers für vergleichsweise wenig Geld produziert und dann an vielerorts platziert. So wird beispielsweise bei einem Auswärtsspiel in der gesamten Gästekurve oder auch auf dem Weg zum Stadion alles Mögliche mit dem jeweiligen Klublogo vollgeklebt. Vor allem in Kantonen mit mehreren Klubs verwenden Fans Abziehbildchen häufig, um Revieransprüche anzumelden. Bestes Beispiel sind im Raum Zürich die Fans des Grasshopper Club und des FC Zürich. Von Zürich bis tief ins Limmattal sind Laternen und Schilder voll mit den Logos der beiden Teams. Gibser sagt dazu: «Sie kämpfen um die Vormachtstellung in Zürich.»

Aber auch Parteien machen mit Abziehbildchen auf sich aufmerksam. Die Jungsozialisten (Juso) verteilten im November 2013 vor der 1:12-Abstimmung unzählige gleichnamige Sticker im ganzen Kanton, auch im Limmattal sind vereinzelt solche Kleber noch immer zu sehen. Nicht nur die Juso machen so auf sich aufmerksam. Auch Kleber grosser Parteien lassen sich finden.

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