Zürich

Tötungsdelikt Seefeld: Tobias K. ist gefasst und teilgeständig

An dieser Stelle im Zürcher Seefeld tötete Tobias K. am 30. Juni 2016 einen 42-jähriger Zürcher.

An dieser Stelle im Zürcher Seefeld tötete Tobias K. am 30. Juni 2016 einen 42-jähriger Zürcher.

Nach dem Tötungsdelikt in Zürich war Tobias K. acht Monate lang auf der Flucht – diese endete im Kanton Bern. Ein Geschäft im Darknet führte zur Verhaftung.

Tobias K., der Täter des Tötungsdeliktes im Zürcher Seefeld von Ende Juni, konnte nach acht Monaten auf der Flucht verhaftet werden. Der 23-jährige Mann ist im Grundsatz geständig.Er ging Ermittlern der Kantonspolizei Bern am 18. Januar im Kanton Bern ins Netz.

Und dies eher zufällig: Denn die Berner Kantonspolizei ermittelte in einem Strafverfahren wegen versuchten illegalen Waffenkaufs im Darknet, wie der fallführende Staatsanwalt Adrian Kaegi gestern vor den Medien in Zürich bekannt gab. Die Ermittlungen gegen einen zunächst unbekannten Kaufinteressenten einer Waffe führten schlussendlich zu Tobias K.. Dass es sich aber um den gesuchten, flüchtigen Täter handelte, stellte sich erst nach seiner Verhaftung am mutmasslichen Übergabeort heraus.

Im Zuge der Ermittlungen zu den Hintergründen der Flucht K.s und seinen Aufenthaltsorten seither, kam es zu verschiedenen Hausdurchsuchungen in den Kantonen Zürich und Jura. In diesem Zusammenhang wurden zwei weitere Personen festgenommen. In welcher Beziehung die beiden zu K. stehen, wird der zuständige Staatsanwalt zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.

Regierungsrätin Jacqueline Fehr, links, Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern, und Adrian Kaegi, fallführender Staatsanwalt informieren über den Fall «Seefeld» an einer Medienkonferenz.

Regierungsrätin Jacqueline Fehr, links, Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern, und Adrian Kaegi, fallführender Staatsanwalt informieren über den Fall «Seefeld» an einer Medienkonferenz.

Mittlerweile wurde K. der Zürcher Staatsanwaltschaft überführt und befindet sich in Untersuchungshaft. Damit beginnt die Aufklärung darüber, was seit seinem Verschwinden am 23. Juni passierte. K. kehrte damals nicht aus einem eintägigen, unbegleiteten Hafturlaub ins Zürcher Gefängnis Pöschwies zurück. Eine Woche später wurde ein 43-jähriger IT-Fachmann tot bei der Altenhofstrasse im Zürcher Seefeld gefunden. Darüber wie das Opfer getötet wurde, schwieg sich Staatsanwalt Kaegi auch gestern aus. Augenzeugen berichteten damals von Messerstichen. Die Polizei fand in der Nähe des Bahnhof Tiefenbrunnens in der Folge der Spurenauswertung Hinweise auf den flüchtigen Tobias K.. Im Anschluss wurde dieser national und international zur Fahndung ausgeschrieben.

Ob der getötete Schweizer und K. sich gekannt haben oder ob er ein Zufallsopfer war, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen. Auch über den Tathergang und das mögliche Motiv konnte Staatsanwalt Kaegi gestern keine Auskunft geben.

Gefährlichkeit neu einschätzen

Dass K. während eines Hafturlaubs rückfällig wurde und gar ein Tötungsdelikt verübte, sorgte in der Vergangenheit für Kritik an der Justizdirektion. Die an der Medienkonferenz anwesende Regierungsrätin und Justizdirektorin des Kantons Zürich, Jacqueline Fehr (SP) sagte: «K. bekam Hafturlaub, weil er als nicht gefährlich eingeschätzt wurde.» Sie verwies darauf, dass Hafturlaub ein gesetzlicher Auftrag sei. Weiter habe es zum damaligen Zeitpunkt aufgrund von K.s Verhalten keine schwerwiegenden Gründe gegeben, die gegen diesen Urlaub gesprochen hätten.

Bereits im April vergangenen Jahres hatte K. einen ersten begleiteten Hafturlaub. Bis zur Flucht am 23. Juni folgte noch eine zweiter Urlaub. Weder die Fachpersonen, die K. während seiner Haft betreuten, noch seine Angehörigen hätten Anzeichen wahrgenommen, die auf seine Gefährlichkeit hingewiesen hätten, so Fehr weiter.

Staatsanwalt Kaegi ergänzte, dass bereits zu einem früheren Zeitpunkt K.s Gefährlichkeit im Rahmen eines Gerichtsgutachtens eingeschätzt worden sei. «Im Rahmen des jetzigen Verfahrens wird K.s Gefährlichkeit neu eingeschätzt», sagte Kaegi.

Cybercrime-Abteilung ausbauen

Regierungsrätin Fehr erklärte am Mittwochnachmittag vor den Medien, sie sei über die Verhaftung K.s erleichtert. Vor allem für die Angehörigen der Opfer könne die schrittweise Klärung des Falls helfen, die Tat einordnen zu können. Lob gab es für die am Fall beteiligte Kantonspolizei Zürich und Bern. Zudem verwies Fehr auf das Thema Cybercrime: «Fast alle Verbrechen hinterlassen Spuren im Internet.» Deswegen setzt sich die Zürcher Regierung für den Ausbau dieses Polizeibereichs ein.

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K. befand sich während acht Monaten auf der Flucht. Dies obwohl die Kantonspolizei eine Belohnung von 10'000 Franken auf Tobias K. ausgeschrieben hatte. Sie startete sogar einen Aufruf in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY...ungelöst". 

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