Pilotversuch

Stromeinsparung: Lichter leuchten nur, wenn Strasse befahren ist

Viel Licht, aber kein Auto: Das Tiefbauamt testet für solche Situationen nun Stromsparmassnahmen (Themenbild).

Viel Licht, aber kein Auto: Das Tiefbauamt testet für solche Situationen nun Stromsparmassnahmen (Themenbild).

Der Kanton Zürich will nicht länger wenig befahrene Strassen konstant die ganze Nacht hindurch beleuchten. Das Tiefbauamt und die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) testen derzeit «Leuchten, die mitdenken».

Dank «vorauseilendem Licht», das nur bei Bedarf, also wenn ein Velofahrer oder ein Autolenker auf der Strasse unterwegs ist, den betreffenden Abschnitt voll ausleuchtet, erhoffen sie sich direkte Stromeinsparungen.

Getestet wird die intelligente Lichtsteuerung an der Niederhaslistrasse, einer Kantonsstrasse zwischen Regensdorf und Niederhasli. Auf einer Länge von rund einem Kilometer sind die 33 Strassenlaternen umgerüstet worden.

Die LED-Leuchten laufen während des auf ein Jahr angelegten Versuchs jeweils nicht voll. Das Licht wird auf 50 Prozent des für die Verkehrssicherheit geforderten Niveaus abgesenkt.

Nähert sich ein Verkehrsteilnehmer wird dieser durch Radarsensoren erkannt – und die Lampen reagieren. Das Besondere des Systems, das ursprünglich aus Norwegen stammt: Wie viele von ihnen angehen, ist von der Geschwindigkeit des Gefährts abhängig, wie Jörg Haller, Leiter des Bereichs öffentliche Beleuchtung bei den EKZ, erklärt. Für ein Velofahrer, der auf der Niederhaslistrasse langsam unterwegs ist, reicht es, wenn zwei Laternen vor ihm auf voller Leistung sind. Einem Autolenker, der mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 und 60 Kilometern pro Stunde fährt, eilen jeweils fünf oder mehr Leuchten voraus. «Damit wird der Bereich normgerecht erhellt, den der jeweilige Verkehrsteilnehmer auch braucht», sagt Haller.

Die LED-Leuchten reagieren schnell. Innert Sekundenbruchteilen, erklärt Jörg Haller. «Ist das Fahrzeug bei der Lampe vorbeigefahren, wird das Licht wieder auf die Hälfte heruntergedimmt». Das geht etwas langsamer vor sich, es dauert ein paar Sekunden. «So sollen Anwohner und Passanten möglichst wenig gestört werden.» Die Strecke für den Pilotversuch verläuft grösstenteils im bewohnten Bereich (bislang hat sich ein Anwohner beschwert). Für die Verkehrsteilnehmer hingegen ist die Veränderung des Lichts kaum wahrnehmbar: «Sie halten sich ja immer im beleuchteten Bereich auf», sagt Jörg Haller. Beim Autofahrer, der fünf Leuchten vor sich herschiebt, handelt es sich um einen Bereich von 200 Metern.

Der Kanton erwartet im kommenden Mai erste Resultate, wie Samuel Griner vom Tiefbauamt sagt. Dabei soll sich insbesondere zeigen, wie zuverlässig die Steuerung der Lampen funktioniert. Anders als die bekannten Bewegungsmelder mit Infratorsender, die etwa Hausbesitzer in ihrem Garten anbringen, sollen sie nicht bei jeder Katze anspringen. «Die Sensoren auf der Versuchsstrecke sind Hightechprodukte, sie können genauer detektieren.»

Zudem soll sich zeigen, ob sich – wie erwartet – wirklich rund ein Drittel des Stroms einsparen lässt. «Die reale Einsparung hängt natürlich davon ab, wie häufig das Licht auf 100 Prozent hochgefahren wird», sagt Jörg Haller. Das System sei deshalb nur für Strassen sinnvoll, die wenig frequentiert seien. Auf viel befahrenen Abschnitten würde das Licht ständig ein- und ausgeschaltet; das ergäbe kaum Einsparungen.

Ob es mit den «mitdenkenden Leuchten» auf den dafür geeigneten Strecken insgesamt zu Kosteneinsparungen kommt, ist offen. Die eingesetzte Technik ist komplex, es fallen Zusatzkosten für die Steuerung und die Wartung an. «Man kann sich auch bewusst entscheiden, Geld zu investieren, um Energie zu sparen», sagt Haller.

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