Der Dietiker Gemeinderat Martin Romer sprach gestern von einem «Sprung in die Freiheit», den er mit dem Austritt aus der FDP vollzogen hatte. Er hatte diese Entscheidung getroffen, als die Parteiversammlung mit grosser Mehrheit nicht ihn, sondern Philipp Müller zum Stadtratskandidaten für die Wahlen am 4. März kürte. Die gewonnene Freiheit nutzt der 53-jährige Romer jetzt. Gestern gab er in einer Medienmitteilung nicht nur seine Kandidatur für den Stadtrat bekannt, sondern präsentierte bereits ein 13 Punkte umfassendes Wahlprogramm, das von erneuerbaren Energien, über die Kulturvielfalt bis hin zur Sicherheit reicht. «Ich konnte die Themen, die mir wichtig sind, so deklarieren, wie ich es wollte», sagte Romer, der sich nicht als Parteiloser, sondern als «Parteifreier» bezeichnet. Romer sitzt seit knapp zwölf Jahren im Gemeinderat und amtet in diesem Jahr als dessen Präsident; vor eineinhalb Jahren rückte er in den Kantonsrat nach.


Romers Kandidatur überrascht seine ehemalige Partei nicht. Werner Hogg, Präsident der FDP Dietikon: «Das war zu erwarten gewesen. Ohne den Rückhalt einer Partei wird er es aber schwer haben.» Das ficht Romer indes nicht an. «Wenn ich nicht an meine Chancen glauben würde, würde ich nicht antreten.» Letztendlich entscheide das Volk. Dessen Entscheidung werde er akzeptieren. «Bisher hat nur eine kleine Gemeinschaft entschieden», meint er mit Verweis auf die 34-köpfige FDP-Parteiversammlung.


«Keine alte Wäsche waschen»


Die FDP steht zu ihrem Auswahlverfahren. Hogg: «Das war ein fairer, demokratischer Prozess. Und der Entscheid hat uns recht gegeben.» Er vermutet, dass es Romer darum geht, dem FDP-Kandidaten Stimmen wegzunehmen. Romer weist das zurück. «Ich will keine alte Wäsche waschen. Das wäre nicht zielführend und nützt niemandem. Es ist eines Stadtratskandidaten nicht würdig, solche kleinkrämerischen Absichten zu verfolgen.» Schliesslich müsste man sich bei einer künftigen Zusammenarbeit auf die teamorientierte Aufgabenerledigung konzentrieren. «Wir sind Delegierte der Wähler. Die eigene Person und Partikularinteressen sollten daher keine Rolle spielen.»


Romer, der in Dietikon ein Kino betreibt, hat sich gegen eine Kandidatur für den Gemeinderat entschieden. Zwölf Jahre und zum Abschluss ein Jahr als Präsident seien genug. Wenn er bei der FDP geblieben wäre, hätte er sich zwar auf die Kandidatenliste für den Gemeinderat setzen lassen. «Ich habe dem Parteivorstand aber schon vor längerem signalisiert, dass ich nicht die Legislaturperiode fertig machen würde.» Als Stadtrat hingegen würde sich ihm eine neue politische Herausforderung bieten.


Bewusst kandidiere er nicht für das Präsidium. «Ich bin davon überzeugt, dass nur jemand als Stadtpräsident kandidieren sollte, der bereits Erfahrung im Stadtrat hat», sagte Romer, ohne Namen zu nennen. Nur einer der Kandidaten, der der SVP, Roger Bachmann, erfüllt diesen Anspruch. Ein erster Flirtversuch mit einer neuen Partei? Dazu wollte sich Romer gestern nicht äussern.