Schweizerische Ländlermusik im Vatikan: Dass das möglich ist, hätte sich das Quartett der Schwyzerörgeler vom «Föhrewäldli» nicht erträumen lassen. Bis kürzlich ganz unverhofft eine Auftrittsanfrage der Schweizergarde hereinschneite. Diese sei zudem noch sehr kurzfristig gewesen, sagt Andi Bichsel. Das Konzert der Örgeler sollte eine Überraschung zur feierlichen Amtseinsetzung des neuen Schweizergarde-Kommandanten sein. «Das Ganze war deshalb von Anfang an streng geheim», so der Musiker.

Die Schwyzerörgeler vom «Föhrewäldli» haben sich bisher vor allem als Organisatoren der Musikstubete in der Fahrweid einen Namen gemacht. Dort können jeweils spontan verschiedene Musikgruppen vorbeikommen und ein paar ihrer Stücke zum Besten geben. Die Abende sind immer gut besucht und musikalisch ist das ganze Spektrum vertreten: Neben den klassischen Stubete-Instrumenten Schwyzerörgeli und Kontrabass treten die Musiker auch mit Klarinette, Akkordeon, Saxofon und Gesang auf. Neu sind Sylvia Bernet, Erich Schärer, Hans Meier und Andi Bichsel zudem Mitorganisatoren der Limmattalstubete in der Linde in Weiningen.

Für den grossen Auftritt im Vatikan blieb den Musikern kaum mehr Zeit, um lange zu planen oder nachzudenken. «Ich orientierte kurzerhand alle Musiker, erledigte die Formalitäten, und dann flogen wir auch schon los nach Rom», sagt Bichsel. Dort angekommen wartete bereits ein Fahrer der Schweizergarde auf dem Flugplatz, der die vier Musiker in den Vatikan chauffierte. Vor Ort wurden die Schwyzerörgeler dann von Gardeoffizier Lorenz Keusch in Empfang genommen. «In ihm hatten wir einen guten Kenner des Vatikans an unserer Seite», so Bichsel. Er habe ihnen Vatikan-Stadt gezeigt, wie es nur ein Insider tun könne, geschmückt mit Anekdoten aus der Vergangenheit und der Gegenwart. Sogar den Petersdom, vor dem man als Tourist sonst gut und gerne mehrere Stunden ansteht, konnten die Musiker ohne lange in der Schlange zu warten besichtigen.

Selbst der Papst gab sich die Ehre

Doch bereits am selben Abend wurde es ernst für die vier Örgeler. Der erste grosse Auftritt vor der Schweizergarde stand bevor. Die Gardisten präsentierten sich in ihren farbigen Uniformen und stellten sich in Reih und Glied auf. Auch der rote Teppich war bereits ausgerollt und Dutzende von Reportern schwirrten umher. Was die Musiker zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Der Papst höchstpersönlich würde der feierlichen Fahnensegnung ebenfalls beiwohnen.

«Es war ein historisches Ereignis», sagt Bichsel noch jetzt ganz entzückt. Es sei das erste Mal gewesen, dass ein Papst überhaupt an einer solchen Zeremonie teilnahm. Die Örgeler wussten im ersten Moment gar nicht, wie ihnen geschieht. Es sei Gänsehaut pur gewesen und ein unvergesslicher Moment.

Gardisten tanzten und klatschten

Beim anschliessenden Apéro hatten die Musiker dann endlich Gelegenheit, ihre Volksmusik zu präsentieren. Auch nach dem Abendessen spielten die Örgeler nochmals für alle Anwesenden. «Das Stimmungsbarometer schnellte in die Höhe», so Bichsel. Es sei geklatscht und später sogar getanzt worden. So mache es richtig Freude, Musiker zu sein. Gegen Mitternacht hätten sich die Festlichkeiten dann auch schon dem Ende zugeneigt, da die Gardisten bereits wieder ihren Dienst antreten mussten, so Bichsel.

Den nächsten Tag nutzten die Örgeler vorerst, um Rom zu erkunden. Bis sie erneut eine Anfrage der Schweizergarde erreichte: Das Quartett wurde spontan für den Abend nochmals zum Vorspielen eingeladen.» Offenbar hat die Musik der Garde so gut gefallen, dass sie uns ein zweites Mal hören wollten», so Bichsel. Die Klänge der Schwyzerörgeli hätten wohl Heimatgefühle geweckt.
Am Sonntag flogen die Örgeler bereits wieder zurück nach Zürich. Auf der ganzen Heimreise schwelgten sie in Erinnerungen und liessen die Eindrücke Revue passieren. «So einen Moment gibt es nur einmal im Leben», ist sich Bichsel sicher.