Gericht

SBB-Pavillon verwüstet: Dietiker zahlt 1155 Franken Schadenersatz

Die Demonstranten warfen mit Konfetti und Luftschlangen um sich. (Symbolbild)

Die Demonstranten warfen mit Konfetti und Luftschlangen um sich. (Symbolbild)

Um gegen teures Wohnen zu protestieren, haben Aktivisten in einem SBB-Pavillon mit Konfetti demonstriert. Nun wurde ein Dietiker wegen Hausfriedensbruchs und Diebstahls verurteilt.

Es war am 15. Januar 2013, als die SBB in einem Ausstellungspavillon an der Europaallee im Hinblick auf den Verkauf von Eigentumswohnungen einen Tag der offenen Tür durchführten. Die Organisatoren stellten für die Interessenten einen gediegenen Apéro in der Form von Snacks und Champagner bereit.

Bis kurz vor 18 Uhr war der Anlass ein Erfolg. Doch dann war es mit der Ruhe vorbei. Plötzlich tauchten 15 teilweise vermummte Personen auf und nahmen den Pavillon in Beschlag. Dabei verstreuten die Demonstranten johlend Konfetti und Luftschlangen und sorgten mit einer von einem Mann aus Dietikon mitgebrachten Musikanlage für ohrenbetäubenden Lärm. Zudem brachten sie an den Wänden Aufkleber mit Aufschriften wie «Revolutionäre Seniorinnen Zürich» oder «Wem seine Stadt?» an. Nicht zuletzt fielen sie über den Apéro her.

Die Proteste der Organisatoren überhörten sie. Bis die Geschädigten die Polizei alarmierten. Bevor diese eintraf, war der Spuk allerdings vorbei. Die Staatsanwaltschaft leitete darauf eine Strafuntersuchung ein.

Letzte Woche musste sich einer der führenden Aktivisten wegen Land- und Hausfriedensbruchs vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der Strafantrag lautete auf eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 300 Franken Busse. Die SBB verlangten zudem für die angerichteten Schäden 1347 Franken. Beim Beschuldigten handelte es sich um einen 28-jährigen Dietiker Biologen, der vor Gericht zur Sache jegliche Aussage verweigerte.

Auf Freispruch plädiert

Er liess seinen Verteidiger jedoch auf einen vollen Freispruch plädieren. Der Rechtsanwalt machte geltend, dass es sich bei der Aktion lediglich um eine friedliche Forderung nach bezahlbarem Wohnraum gehandelt habe. Die Aktivisten hätten nicht randaliert, sondern eher den Eindruck einer friedlichen Fasnachtsgesellschaft hinterlassen. Es habe sich zudem um einen Tag der offenen Tür gehandelt; das Betreten des Show-Rooms sei erlaubt gewesen. Auch der Apéro sei nicht nur für finanzstarke Interessenten gedacht gewesen.

Das Gericht sah es anders und kam wegen Hausfriedensbruchs sowie Diebstahls zu Schuldsprüchen. So hätten die betroffenen Organisatoren die unerwünschten Besucher klar aufgefordert, den Raum sogleich zu verlassen. Auch die Konsumation der Lebensmittel sei deswegen als Diebstahl strafbar gewesen. Beim Landfriedensbruch kam der zuständige Richter hingegen zu einem Freispruch. Die Demonstranten hätten zwar eine Sauerei hinterlassen, jedoch keine Gewalt angewendet.

Das Verschulden des politisch motivierten Dietikers stufte das Gericht als sehr leicht ein und setzte eine bedingte Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 30 Franken fest. Er muss keine zusätzliche Busse bezahlen. Dagegen wurde er verpflichtet, der SBB einen Schadenersatz von 1155 Franken zu bezahlen. Er muss auch für zwei Drittel der Gerichtskosten von 1500 Franken aufkommen.

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