Im vergangenen März haben wir uns in Muri in der Klosterkirche beim Meisterkurs von Michael Radulescu erstmals getroffen», erzählt Helga Váradi, noch bis Januar 2015 Organistin an der katholischen Kirche St. Josef in Schlieren. An diesem Kurs habe Mayu Okishio, Organistin der reformierten Kirche Urdorf, die D-Dur-Sonate von Bach gespielt. «Weil Mayu es so schön und fein interpretiert hatte, dachte ich damals, dies könnte doch eine schöne Zusammenarbeit werden», ergänzt Váradi, die in diesem Jahr am internationalen Cembalo-Wettbewerb «Gianni Bergamo Classic Music Award» in Lugano den dritten Preis erreicht hat.

«Von Helgas Idee des gemeinsamen Musizierens war ich natürlich sofort begeistert», betont die in Japan geborene Mayu Okishio, «zumal wir ja in nachbarschaftlicher Nähe Orgel spielen.» Aus der gegenseitigen musikalischen Zuneigung entstand schliesslich ein Programm. «Wir sind zusammengesessen und haben diese fünf Stücke für vierhändiges Orgelspiel mit Transkriptionen ausgewählt», so die beiden Organistinnen.

An ihrem gemeinsamen Auftritt am Freitagabend in der Schlieremer Kirche St. Josef spielten die beiden Limmattalerinnen vierhändige Orgelmusik von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Georg Albrechtsberger, Adolph Friedrich Hesse, Johann Christian Bach und Johannes Brahms. Mit Mozarts Ohrwurm «Eine kleine Nachtmusik» begann das vielfältige Programm vor rund siebzig andächtig lauschenden Zuhörerinnen und Zuhörern. Den Abschluss markierte eine feurige Interpretation von Brahms’ «Ungarischem Tanz» in g-Moll, die das Klackern der Tanzschuhe förmlich hörbar werden liess.

«In Eintracht und Harmonie zusammenspielen, einander gegenseitig führen und zusammen atmen, finde ich wirklich faszinierend», konstatiert die begeisterte Helga Váradi, die an der Späth-Orgel in Schlieren erstmals gemeinsam mit Mayu Okishio mit vier Händen und Füssen konzertierte. «Innerhalb von kürzester Zeit haben wir uns wirklich gefunden», schwärmt auch Okishio von der Zusammenarbeit, «und dies ist ja auch nicht immer so selbstverständlich.» Sie hätten nur etwa zwei bis drei Proben, dazu eine Vor- und eine Hauptprobe gebraucht. Denn: «Nach so einem langen Studium auf dem professionellen Weg muss man natürlich fähig sein, ein solches Programm in kürzester Zeit einzustudieren», ergänzt Váradi, die im kommenden Jahr im zürcherischen Zollikon eine neue Stelle antritt, jedoch nach wie vor der reformierten Kirche Dietikon als Teilzeit-Organistin treu bleiben wird.

Der pensionierte Arzt Rolf Jucker aus Schlieren, der selber Flöte spielt, liess sich trotz anfänglicher Skepsis von der Chemie der Musikerinnen überzeugen: «Eigentlich finde ich vierhändige Orgelmusik fragwürdig und auch etwas ungewohnt. Doch diese lockeren und heiteren Stücke haben mir gut gefallen. Weil es eindrücklich klingt, wenn die eine Hand obendrein so wunderschön verzieren kann.» Und die in Schlieren wohnhafte Madlen Hatt sagte: «Ich habe das Konzert lüpfig und sprützig gefunden. Im Innern jubelte ich die ganze Zeit.» Der «Ungarische Tanz» von Brahms habe ihr besonders gut gefallen, auch weil eine der Musikerinnen gleich selbst aus Ungarn stamme, so die in Urdorf tätige Kindergärtnerin.