Glasplatten schweben am Kranseil durch die Nebelschwaden, die das Hotel Uto Kulm umgeben. Es ist das Ende einer langen Geschichte, das sich diese Woche auf dem Gipfel des Üetlibergs abspielte: Bauarbeiter, beäugt von Wanderern und Mountainbikern, zerlegen den Glaspavillon, den Hotelier Giusep Fry 2002 illegal auf der vormaligen Sonnenterrasse des beliebten Ausflugsrestaurants erstellen liess.

Hausberg wurde zum Politikum

Natur- und Heimatschützern war dieser Deckel auf dem Zürcher Hausberg von Anfang an ein Dorn im Auge. Der Streit ging bis vors Bundesgericht. Die höchsten Richter des Landes entschieden im Juni: Der Deckel muss weg. Juristisch war dies der (vorläufige) Schlusspunkt in einem über zehnjährigen Streit, der sich um weit mehr als rein baurechtliche Paragrafen drehte. «Eigentlich geht es darum, was ein privater Eigentümer tun darf und lassen muss auf einem Berg, von dem jeder das Gefühl hat, dass er der Öffentlichkeit gehört», schrieb die «NZZ am Sonntag».

Fry, der gelernte Koch und Bauernsohn aus der Surselva, ist seit 1999 Eigentümer des 25 000 Quadratmeter grossen Areals auf dem Üetliberggipfel. Unter seiner Führung wurde das «Uto Kulm» vom leicht heruntergekommenen Ausflugslokal zum schicken Viersterne-Hotel, das mit zahlreichen Events viel Publikum anlockt.

Fry eckte nicht nur mit ausserhalb der Bauzone erstellten Bauten an: Auch Helikopterflüge, Fahrten auf dem von Wanderern intensiv genutzten Waldsträsschen zum Hotel und ein Openair-Kino sorgten über die Jahre immer wieder für Diskussionen. Immerhin ist das Uto-Kulm-Gebiet im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgeführt.

Auch der Zürcher Regierungsrat schaltete sich in die Auseinandersetzung um die Nutzung des Gebiets ein: Die Zürcher Baudirektion unter Führung von Baudirektor Markus Kägi (SVP) erliess 2012 einen Gestaltungsplan, der Frys ausserhalb der Bauzone erstellten Bauten nachträglich legalisiert hätte. Umweltverbände, SAC, Heimatschutz und der Verein Pro Uetliberg rekurrierten. Der Gesamtregierungsrat gab ihnen 2013 recht und wies den Gestaltungsplan an die Baudirektion zurück.

In einem grundsätzlichen Punkt war die Politik Frys Interessen indes schon früher entgegengekommen: 2010 beschloss der Kantonsrat eine Richtplanänderung. Demnach zählt der Üetliberggipfel nicht mehr zur Landwirtschaftszone, sondern gilt neu als Erholungszone. Ein Entscheid, der touristischen und gastronomischen Interessen besser entspricht – und damit auch der Entwicklung, die der Üetliberg besonders in den drei Jahrzehnten durchgemacht hat, seit Fry dort 1983 zu wirten begann. Der Heimatschutz rekurrierte gegen die Zonenänderung, blitzte aber im vergangenen September beim Zürcher Verwaltungsgericht ab.

Frys Drang, dem Zürcher Hausberg ein neues Gepräge zu verleihen, ist mit dem Abbruch des Glaspavillons keineswegs erlahmt: Gleich nach dem Rückbau soll an der gleichen Stelle eine gut 100 Quadratmeter grosse Kunststoff-Eisbahn entstehen. Die Eröffnung ist für den 8. Januar 2015 geplant, wie Fry am 27. November verkündete.

Eine Woche später ist dafür allerdings bei der Gemeinde Stallikon, auf deren Gebiet das «Uto Kulm» liegt, noch kein Baugesuch eingegangen, wie Gemeindeschreiber Roberto Brunelli auf Anfrage sagt. «Aus unserer Sicht ist das Eisbahn-Projekt bewilligungspflichtig», so der Gemeindeschreiber weiter. Zumindest wäre dies anhand eines Baugesuchs zu prüfen. Das Areal, von dem der Glaspavillon weichen musste und auf dem Fry nun im Winter eine Kunststoff-Eisbahn plant, liegt nach wie vor ausserhalb der Bauzone.
Darauf angesprochen, antwortet ein Mediensprecher von Fry nebulös: Wenn es eine Baubewilligung brauche, werde es eine geben.