Zahlen lügen nicht, heisst es. Doch sie spiegeln manchmal auch nur einen Teil der Wahrheit wieder. In der Abschlusstabelle der Gruppe 1 der Nationalliga-B-Damen steht der TC Weihermatt auf dem vorletzten Rang. Vor zweieinhalb Wochen befanden sich die Urdorferinnen allerdings noch auf Platz 2 - doch dann folgten die Abschlussrunden gegen GC und Sursee. «Wir waren enttäuscht, dass wir in den letzten beiden Begegnungen nicht mehr in Bestbesetzung antreten konnten», sagt Coach Renato Bellotti. «Wir hätten den Titel gerne angestrebt.»

Der Titel, also den Gewinn der Nationalliga-B-Meisterschaft und damit den möglichen Aufstieg in die Nationalliga A, wäre aus sportlicher Sicht eine sehr grosse Überraschung gewesen. Die Urdorferinnen waren erst in der letzten Saison zum ersten Mal überhaupt in die NLB aufgestiegen. Ziel damals: der Ligaerhalt. Um dieses Ziel zu erreichen, verstärkten sich die Limmattalerinnen mit einer prominenten Spielerin: Julia Grabher.

Die Österreicherin ist unter den 300 besten Tennisspielerinnen der Welt klassiert und hat für ihr Land schon im Fed-Cup gespielt. Als «Glücksfall» bezeichnet Bellotti deshalb Grabhers Verpflichtung, aber nicht nur aus sportlicher Sicht. «Sie hat sich bestens ins Team integriert, weil sie sich bei uns wohl fühlt», sagt der Trainer.

Mit Grabher, die in den ersten beiden Runden ihre Partien jeweils klar in zwei Sätzen gewann, schlugen die Urdorferinnen in der ersten Runde Lido Luzern mit 4:2, dann folgte ein 3:3 gegen Zofingen. Ab der dritten Runde war Grabher aus turniertechnischen Gründen nicht mehr dabei. «Wir wussten, dass sie maximal drei Runden spielen würde», sagt Bellotti. Dennoch schlugen die Urdorferinnen auch Lausanne mit 5:1 und hatten in der Tabelle nur noch Sursee vor sich. Hätten sie in der vorletzten Runde gegen GC gewonnen, hätten die Limmattalerinnen in der letzten Begegnung gegen Sursee gar um den ersten Rang spielen können. Doch die Stadtzürcherinnen waren zu stark für die Urdorferinnen, die mit 2:4 unterlagen und sich in dieser Saison erstmals geschlagen geben mussten.

In der abschliessenden Runde gegen Sursee am vergangenen Wochenende musste Bellotti auch noch auf zwei wichtige Spielerinnen verzichten: Fiona Ganz, gegen GC anstelle von Grabher als Nummer eins gesetzt, und Jenny Dürst, die in der gleichen Begegnung auf Position zwei spielte. «Fiona ist im Nationalkader der Juniorinnen und hatte noch ein Turnier im Ausland», sagt Bellotti. «Da habe ich ihr in der letzten Runde Erholungszeit gegönnt.» Und Dürst war nach einer Operation am Handgelenk angeschlagen: «Sie hatte nicht intensiv trainieren können.» So traten die Urdorferinnen gegen Sursee mit zwei Nachwuchsspielerinnen an und mussten sich am Ende mit 1:5 geschlagen geben. Ein Resultat, das die Limmattalerinnen auf den fünften Rang abstürzen liess, wobei nur zwei Punkte bis zum Zweiten Zofingen fehlten. «Es war alles sehr eng», stellt Bellotti fest.

Aufstieg nicht angestrebt

Trotz der Platzierung in der Schlussrangliste zieht der Coach eine positive Saisonbilanz. «Wir haben gezeigt, dass wir mit den Teams in der NLB gut mithalten können», sagt er. Und der Aufstieg in die Nationalliga A wäre ohnehin keine Option gewesen. «Wir hätten uns weiter verstärken müssen. Dazu benötigt man viel Geld». In der NLA stehen nur noch Berufsspielerinnen mit nationalen und internationalen Top-Klassierungen auf dem Platz, erklärt Bellotti.

Doch auch für die kommende Saison wird sich der TC Weihermatt möglicherweise verstärken müssen, da zwei Spielerinnen altersbedingt zurücktreten könnten. Dazu ist nicht sicher, ob Grabher bleibt. «Wir haben noch nicht darüber gesprochen», so Bellotti. Gut sei aber für den TC Weihermatt, dass man sich in der NLB habe halten können. Denn damit sei die Chance gross, dass einige Spielerinnen beim Verein blieben, zum Beispiel Fiona Ganz. «Fiona hat vom Verband die Bedingung, dass sie in der NLB spielen muss», erklärt Bellotti. «Wären wir abgestiegen, hätte sie sich einen anderen Verein suchen müssen.»

Dadurch dass der TC Weihermatt den Ligaerhalt geschafft hat, könnten womöglich auch andere Spielerinnen auf den Verein aufmerksam werden, glaubt Bellotti. Doch für ihn ist klar: «Wir werden nicht viel Geld in die Hand nehmen, um irgendeine Spielerin zu verpflichten. Bei uns muss sie wirklich zum Team passen. Wir möchten auch auf diesem Niveau unsere Identität wahren und eine Dorfmannschaft bleiben.» Eine Dorfmannschaft, die auch im nächsten Jahr wieder für Furore sorgen könnte.