Schlieren

Nach knappem Nein zum Ortsbus sucht die Stadt Kontakt zu Uitikon

Am Alten Zürichweg müsste der Uitiker Ortsbus abzweigen, um den Schlieremer Berg zu erschliessen.

Am Alten Zürichweg müsste der Uitiker Ortsbus abzweigen, um den Schlieremer Berg zu erschliessen.

Nach dem knappen Nein sucht der Stadtrat Kontakt zu Uitikon – im September.

Das knappe Nein zum Schlieremer Ortsbus am vergangenen Abstimmungssonntag wirft die Frage auf: Wie weiter? Nachdem Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin nach Bekanntwerden des knappen Resultats verlauten liess, dass das Thema Ortsbus noch nicht vom Tisch sei, fasst nun Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) dieselbe Parole. «Einer besseren Erschliessung der Aussenquartiere hätte sich der Stadtrat ohnehin angenommen. Dank des knappen Ergebnisses wird dieses Anliegen jedoch in der Prioritätenliste steigen», so Kunz. 55 Prozent der Stimmberechtigten votierten gegen den Ortsbus, 45 Prozent dafür.

Eine Variante wäre eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde Uitikon. Dort kommt im September eine Ortsbus-Vorlage an die Urne. Für 2,4 Millionen Franken soll die Linie 204 mit dem Schlieremer Bahnhof verbunden werden. An der vorberatenden Gemeindeversammlung von Ende Mai verwies der mit dem Geschäft betraute Gemeinderat Patrik Wolf (FDP) darauf, dass Schlieren nicht an einer Zusammenarbeit interessiert gewesen sei. Kunz relativiert: «Es fanden Gespräche statt, doch als die Ortsbus-Initiative bei uns aufs Tapet kam, entschieden wir uns für eine saubere Trennung dieser Geschäfte. Wir wollten das Resultat vom Sonntag abwarten.» Nun gelte es zu sehen, wie die Uitiker an der Urnenabstimmung vom kommenden September votieren, um eine allfällige Zusammenarbeit zu planen, so Kunz. «Bei der Detailplanung der Buslinie kommen viele Faktoren zusammen: Fahrzeugwahl, Befahrbarkeit der Strassen, Wirtschaftlichkeit und Fahrplanfrequenz.»

Für den Laien mag es sinnvoll erscheinen, dass ein von Uitikon kommender Bus vor der SBB-Gleisunterführung von der Uitikonerstrasse auf den Alten Zürichweg abbiegt und so den Schlieremer Berg erschliesst. Stefano Kunz hingegen sieht einige Hürden. So würde mit dieser Schlaufe der Halbstundentakt der möglichen Uitiker Linie 201 nicht eingehalten werden können: «Ob Uitikon gewillt ist, dies in Kauf zu nehmen, ist offen.» Auch handle es sich beim Alten Zürichweg um eine 30er-Zone, die nur mit einem kleineren Fahrzeug angefahren werden könne. «Dadurch würde die Wirtschaftlichkeit abnehmen», so Kunz. Dieselben Fragen würden sich bei der Möglichkeit der Anbindung des Hauses für Betagte Sandbühl durch die mögliche Linie 201 stellen. Für Kunz steht jedoch fest: «Stimmen die Uitiker im September der Buslinie 201 zu, werden wir die Situation neu beurteilen», denn: Wird ein Ortsbus von zwei Gemeinden anstatt von einer getragen, werden die Kosten für den Testbetrieb gesenkt. Und schliesslich seien es wohl vor allem die hohen Kosten gewesen, welche die Schlieremer zu einem Nein zum Ortsbus bewogen haben.

Einfluss auf Abstimmung

Bis im September abzuwarten für weitere Gespräche, ist für den Uitiker Sicherheitsvorstand Patrik Wolf reine Zeitverschwendung. «Schlieren sollte sich mit uns an einen Tisch setzen und mögliche Synergien ausarbeiten. So könnten die Uitiker Stimmberechtigten allenfalls bereits vor der Abstimmung erfahren, welche Vor- und Nachteile sich durch eine Zusammenarbeit ergeben würden.» Er verweist darauf, dass einerseits an der vorberatenden Gemeindeversammlung in Uitikon und andererseits in der letzten Fragestunde des Schlieremer Parlaments von verschieden Seiten bemerkt wurde, dass die beiden Gemeinden zusammenspannen sollten.

So ortet Wolf beim Ortsbus-Projekt durchaus noch Spielraum: «Einzig den Kredit in der Höhe von 2,4 Millionen Franken dürfen wir nicht überschreiten. Über andere Faktoren lässt sich sprechen», sagt er. Für ihn steht jedoch auch fest: «Sollte sich herauskristallisieren, dass sich für Uitikon nur Nachteile ergeben, wie eine schlechtere Fahrzeugwahl oder ein nachteiliger Fahrtakt, müssen wir uns eingestehen, dass ein gemeinsamer Ortsbus nicht die richtige Lösung ist», so Wolf. Das Wichtigste sei für ihn, diese Abklärungen überhaupt zu treffen.
Was geschieht, wenn die Uitiker im September an der Urne die Verlängerung der Linie 201 nach Schlieren verwerfen? Zwar erhielt das Projekt an der vorberatenden Gemeindeversammlung vornehmlich wohlwollende Voten. Und auch seither habe Patrik Wolf positives Feedback aus der Bevölkerung erhalten. Doch: Neben der Rechnungsprüfungskommission empfiehlt auch die FDP-Ortspartei die Vorlage aus Kostengründen zur Ablehnung. Werden die beiden Nachbargemeinden dann ein gemeinsames, neues Busprojekt ins Leben rufen? «Dies ist Kaffeesatzlesen», so Kunz.

Fest steht: Der Weg zum Ortsbus ist für viele Gemeinden lang und harzig. In Dietikon kämpften Einwohner des Weinbergquartiers rund 10 Jahre lang für ihren eigenen Bus. Heute ist die Linie 325 Teil des Regelangebotes des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV). Die damaligen Initianten Christa und Max Jordi mussten neben vielen negativen Antworten auf ihre Anfragen an den Dietiker Stadtrat, den Zürcher Regierungsrat und den ZVV auch andere Rückschläge einstecken. So zeigte ein Testbetrieb einer eigenen Buslinie im Jahr 2008, dass diese zu wenig ausgelastet ist. Im Jahr 2011 wurde die Linie 325 teilweise in die Linie 306 integriert.

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