Was hat die Kollision des Motorschiffes «MS Albis» mit dem Schiffsteg in Küsnacht am Mittwochmittag verursacht? Spezialisten untersuchen den Unfallhergang vor Ort: Gemäss «Tele Zürich» müssen Motor- und Rudersteuerung noch einmal genau überprüft werden - besonders der Aussenstand sei von Interesse, denn dort habe der Kapitän das Schiff gesteuert.

Die Schiffssteuerung besteht aus einem Innen- und Aussenstand. Auf dem Vierwaldstättersee gelte die Regel, dass 400 Meter vor Anlegen auf den Aussenstand gewechselt werde, wie Michel Scheurer gegenüber «TeleZüri» sagte. Durch die bessere Sicht kann ein Kapitän auf mögliche Probleme schneller reagieren.

Schiffe, die auf dem Zürichsee verkehren, sind an keine entsprechende Regelung gebunden. Es liege in der Verantwortung des Kapitäns, die Situation richtig abzuschätzen, sagte eine Sprecherin der Zürichsee Schiffahrtsgesellschaft (ZSG) auf Anfrage.

Seit dem Baujahr des «MS Albis» 1997 habe es keine technischen Probleme gegeben - im Gegenteil: das Schiff habe immer tadellos funktioniert. Der Motor sei gemäss vorgegebener Richtlinien im Winter 2014/2015 ausgewechselt worden.

Schiffsunglück: Technisches Versagen?

Schiffsunglück: Technisches Versagen?

Weshalb die MS Albis in Küsnacht in den Steg gefahren ist, bleibt immer noch ein Rätsel. Ein technischer Defekt wird jedoch nicht ausgeschlossen.

Kein Schiffdatenschreiber installiert

ZSG-Direktor Roman Knecht sprach am Donnerstagmorgen mit dem Kapitän des Schiffes, welcher psychisch sehr betroffen sei. Über den Unfallhergang haben sie noch nicht gesprochen.

Die Kantonspolizei Zürich, die ebenfalls am Donnerstag mit dem Kapitän sprach, wollte sich auf Anfrage noch nicht dazu äussern. Solange der Unfall in Abklärung sei, können keine Informationen herausgegeben werden.

Die Aussagen des Kapitäns sind deshalb so wichtig, da das «MS Albis» keinen Schiffdatenschreiber (eine «Black Box» für Schiffe, die Daten von Sensoren an Bord des Schiffes sammelt) eingebaut hat. Das sei bei Schiffen in der Schweiz generell so, da sie nur kleinere Gewässer befahren, erklärte die Sprecherin der ZSG.

Für die Seefahrt müssen Schiffe seit dem Sommer 2002 einen Datenschreiber besitzen. Diese liefern im Falle eines Unfalles wichtige Informationen zu dessen Hergang.

Die Staatsanwaltschaft überprüft nun in Zusammenarbeit der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle, ob der Unfall auf technische Probleme zurückzuführen ist oder ob er sich in menschlichem Versagen begründet. (sme)