Noch bis im Dezember läuft die Unterschriftensammlung für die Vollgeld-Initiative des Vereins Monetäre Modernisierung (MoMo). Rund 60 000 Unterschriften wurden mittlerweile gesammelt. Die Initianten sind daher zuversichtlich, dass das Volksbegehren zustande kommt. Falls ja, müsste sich die Politik mit der Initiative beschäftigen, die nicht weniger als eine Revolution der Geldschöpfung fordert. Die Banken aber warnen vor möglichen Folgen einer solchen Umstellung.

Heute ist es so, dass zwar nur die Schweizerische Nationalbank (SNB) Noten und Münzen in Umlauf bringen darf. Aber auch die Geschäftsbanken schöpfen neues Geld, nämlich indem sie Kredite vergeben, die nicht durch Einlagen oder Notenbankgeld gedeckt sind. Dieses sogenannte Buchgeld macht den weitaus grössten Teil der Geldmenge aus. Die Nationalbank kann die Geldmenge somit nur eingeschränkt steuern.

Nach Ansicht der Initianten verstärken die Finanzinstitute durch Geldschöpfung aus Eigeninteresse die Konjunkturzyklen unnötig und fördern die Bildung von Blasen beispielsweise an den Börsen oder im Immobilienmarkt. Dies wiederum führe zu Krisen, unter deren Folgen die Allgemeinheit zu leiden habe.

Noch nirgends umgesetzt

Dem will die Initiative einen Riegel schieben, indem nur noch voll gedecktes Geld («Vollgeld») zugelassen werden soll. Die Geschäftsbanken müssten Kredite, die sie vergeben, vollständig mit Einlagen oder durch von der SNB geliehenem Geld decken.

Dies würde nicht alle Banken im selben Ausmass treffen. Stark betroffen wären Investmentbanken. Aber auch auf alle anderen Banken hätte die Umstellung auf ein Vollgeld-System Folgen, die teilweise schwer abschätzbar sind. Erfahrungswerte gibt es keine, denn obwohl die Idee für ein solches System bereits während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren entstand, wurde es bisher nirgends eingeführt.

Die wirtschaftsnahe Denkfabrik Avenir Suisse warnt in einem Positionspapier vor «leeren Vollgeld-Hoffnungen». Kontrollierte Schritte, wie die mittlerweile beschlossenen Erhöhungen der Eigenkapitalanforderungen für Banken, seien der bessere Weg um das Finanzsystem zu reformieren. Der geforderte gigantische Umbau der Finanzarchitektur berge grosse Risiken, die zu einem permanenten Ausnahmezustand führen könnten.

Die Banken selber haben verständlicherweise kein Interesse an einem dermassen starken Eingriff in ihr Geschäft, wie ihn die Initiative fordert. «Ich zweifle, dass die Schweiz das richtige Versuchskaninchen für eine derartige Hochrisiko-Operation ist», schreibt etwa Martin Hess, Leiter Wirtschaftspolitik der Schweizer Bankiervereinigung, in einer Stellungnahme zur Vollgeld-Initiative. Hess warnt vor den Folgen einer möglichen Kreditverknappung.

Für Joseph Huber, den geistigen Vater des geforderten Vollgeld-Systems, sind die Einwände keine Überraschung. «Bei den Finanzakteuren macht man sich keine Freunde mit einer Vollgeldreform», sagt der emeritierte Professor für Wirtschafts- und Umweltsoziologie.

Verlust von Arbeitsplätzen droht

Er räumt ein, dass die Umstellung zu einem Verlust von Arbeitsplätzen in Teilen des Finanzsektors führen würde. «Es würden aber mindestens so viele neue Stellen in der Realwirtschaft entstehen.» Denn vor allem die Umstellung auf das neue System soll sehr viel Geld in die Staatskassen spülen, welches beispielsweise für den Schuldenabbau und für Investitionen in die Infrastruktur verwendet werden könnte.