«Ich hätte niemals in diesem Bus sitzen wollen», rief Staatsanwalt Adrian Kägi die eingeklagten Ereignisse vom 31. August 2014 in Erinnerung. Damals stieg am frühen Nachmittag bei der Haltestelle Letzipark eine Gruppe von jungen Männern in einen Bus der Linie 31 ein. Zu ihnen gehörte auch ein heute 25-jähriger Dietiker. Der Mazedonier war nach einer Freinacht nicht nur betrunken, sondern stand auch unter Kokaineinfluss.

Fest steht, dass der Limmattaler mehrere Frauen im Bus nicht nur belästigte, sondern auch als «Schlampen» beschimpfte. Bis ein Passagier Zivilcourage zeigte und den Störenfried aufforderte, mit seinen Beleidigungen aufzuhören. Worauf der Beschuldigte ausrastete und nach einem Wortwechsel plötzlich zum Angriff überging. Dabei schlug er mit einer Bierflasche gegen den Kopf des am Fenster sitzenden Opfers. Obwohl die Begleiter des Beschuldigten eingreifen wollten, schlug der Angreifer erneut mit der Flasche zu und brachte dem heute 22-jährigen Geschädigten massive Schnittverletzungen im Gesicht bei. Dann rannte der Täter nach draussen und konnte erst wenige Tage später von der Polizei festgenommen werden. Er verbrachte 34 Tage in Untersuchungshaft.

Der nur teilgeständige Beschuldigte musste sich zunächst im August 2015 am Bezirksgericht Zürich verantworten und wurde wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie Drogendelikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Zudem wurde er verpflichtet, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld von 7000 Franken zu bezahlen. Der Dietiker hatte vergebens einen anfänglichen Faustschlag des Geschädigten und damit Notwehrhandlung geltend gemacht.

Täter und Opfer sind versöhnt

Der Beschuldigte legte Berufung ein und erschien gestern mit seinem Verteidiger vor dem Obergericht. Dabei spielte der Limmattaler einen neuen Trumpf aus. So berichtete er, dass er sich inzwischen mit dem Opfer versöhnt habe. So trat der Geschädigte ebenfalls vor die Schranken und zeigte dem Obergericht seine bleibende Narbe. Trotzdem erklärte er sein Desinteresse an einer Bestrafung des Beschuldigten und verzichtete auch auf ein Schmerzensgeld. «Ich konnte ihm verzeihen», führte der frühere Privatkläger aus. Zum Unwillen des Staatsanwaltes, der für die brutale Tat eine deutliche Straferhöhung auf fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe forderte. Im Gegensatz zum Verteidiger Ivo Harb, der sich wegen einfacher Körperverletzung für eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten einsetzte. Heute seien Täter und Opfer Kollegen, führte auch er aus.

Die Frage des Staatsanwaltes, ob aussergerichtlich dem Opfer Geld zugeflossen sei, verneinte der Beschuldigte. Die Versöhnung mit dem Geschädigten brachte ihm allerdings nichts mehr ein. So sahen die Oberrichter keinen Anlass, vom erstinstanzlichen Urteil abzuweichen. Sie sprachen von einem erheblichen Verschulden des Angreifers und verwiesen darauf, dass die Versöhnung an der schweren Straftat nichts ändere. Damit blieb es bei der unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Weshalb der Beschuldigte nach der Haftverbüssung auch noch mit seiner Ausschaffung aus der Schweiz rechnen muss.