Verkehr

Milliardenprojekt soll Rosengartenstrasse entlasten - Parteien sind skeptisch

Stadt- und Kantonsregierung haben ihren Lösungsvorschlag für das geplagte Rosengartenquartier bekräftigt.

Die Rosengartenstrasse ist berüchtigt. Täglich brausen dort 54 000 Autos und Lastwagen durch und machen den Anwohnern das Leben schwer. Etliche heruntergekommene Liegenschaften säumen die Strasse, die das Quartier zerschneidet. Seit Jahrzehnten streiten sich Politiker darüber, was zu tun sei.

Projekt Rosengarten: So soll die Zürcher Verkehrssünde verschwinden

Projekt Rosengarten: So soll die Zürcher Verkehrssünde verschwinden

Zürich - 10.5.16 - Die Rosengartenstrasse in Zürich ist eine der schweizweit meist befahrenen Strasse, die Quartierbevölkerung klagt seit Jahren über Lärm und Abgase. Kanton und Stadt wollen das Verkehrsproblem mit einem unterirdischen Tunnel und einer neuen Tramlinie lösen. Heute wurde über die Detailplanung informiert. Gegen die Pläne gibt es Widerstand von links und rechts.

Trams gegen Tunnel

Im Herbst 2013 kam es zu einer überraschenden Einigung: Stadt- und Kantonsregierung, vertreten durch Ruth Genner (Grüne) und Ernst Stocker (SVP), präsentierten einen gemeinsamen Vorschlag. Die Eckpunkte: Der Autoverkehr wird in einen Tunnel verlegt. Dieser führt vom Wipkingerplatz bis zum Irchelpark. Dadurch kann die Rosengartenstrasse zur Quartierstrasse abklassiert und das Quartier beruhigt werden. Zusätzlich wird der öV gestärkt: Neue Tramlinien sollen über die Hardbrücke und die Rosengartenstrasse führen. Rund 800 Millionen Franken hatten Genner und Stocker für das Projekt veranschlagt.

Rosengarten: «Es gibt nur beides oder gar nichts»

Rosengarten: «Es gibt nur beides oder gar nichts»

Zürich - 10.5.16 - Carmen Walker Späh erklärt im Interview, warum es nur eine Lösung mit Tunnel und Tram gibt und was sie von der Kritik von linker und rechter Seite hält.

Gestern bekräftigten Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) den Deal. Inhaltlich hat sich nicht viel geändert – abgesehen vom Preis. Die neue Kostenschätzung lautet auf 1078 Millionen Franken – plus/minus 30 Prozent. Der Löwenanteil von 1031 Millionen trägt der Kanton, wobei zwei Drittel aus dem Strassenfonds und ein Drittel aus dem Fonds für den öffentlichen Verkehr stammen. Die Stadt übernimmt den Rest. Leutenegger und Walker Späh erwarten, dass sich der Bund im Rahmen des Agglomerationsprogramms an der Gesamtsumme mit 35 Prozent beteiligt.

Gesamtprojekt

Gesamtprojekt

Die Einzelteile des Projekts

Autotunnel: Er ist 2,3 Kilometer lang und führt vom Wipkingerplatz zum Irchelpark – mit Anschlüssen am Bucheggplatz. Der Abschnitt Wipkingerplatz bis Bucheggplatz wird mit zwei getrennten Röhren ohne Gegenverkehr geführt. Ab Bucheggplatz bis Irchel gibt es nur noch eine Röhre. Der Tunnel wird laut Markus Traber, Chef des Amtes für Verkehr, so gebaut, dass er das Doppelte der heutigen Strassenkapazität schlucken könnte. Theoretisch, denn genau das will die Politik nicht. Die Zufahrten zum Tunnel sollen entsprechend knapp gehalten werden, wie Traber sagt. Volkswirtschaftsdirektorin Walker Späh unterstrich diesen Punkt: «Der Rosengartentunnel wird nicht zu Mehrverkehr führen.» Es bleibe bei der heutigen Kapazität. «Ohne Tunnel geht es aber einfach nicht», sagte sie. Zur Begründung verwies sie auf eine Abstimmung im Jahre 2010. Die Stadtzürcher Stimmberechtigten lehnten damals ein Tramprojekt über die Hardbrücke ab, das keine Lösung für den verdrängten Autoverkehr vorsah.

Tramlinien: Um den öffentlichen Verkehr zu stärken, sollen zwei neue Tangentiallinien gebaut werden – also solche, die nicht über den ohnehin überlasteten Hauptbahnhof führen. Die eine Linie führt von Altstetten über den Bahnhof Hardbrücke nach Oerlikon. Die andere von Zürich Süd ebenfalls über die Hardbrücke nach Schwamendingen (siehe Grafik).

Quartierberuhigung: Die Rosengartenstrasse soll nach der Abklassierung zu einer Gemeindestrasse mit Tempo 30 werden. «Man wird die Entlastung spüren», sagte Stadtrat Leutenegger. Gerechnet wird mit täglich 3000 Fahrzeugen. Für Fussgänger werde es dadurch attraktiver. Auch Stadtrat André Odermatt (SP), der das FDP-Duo Leutenegger und Walker Späh begleitete, unterstrich diesen Punkt. Das Projekt habe «unglaublich grosses Potenzial» für das zerschnittene Quartier. Neue Plätze mit Aufenthaltsqualität könnten entstehen. Er wies aber auch auf die Schattenseiten hin: die Eingangstore des Tunnels. Gemeint sind vor allem die vier Eingänge am Wipkingerplatz. Belastung und Lärm würden dort noch zunehmen. Odermatt sprach von einem «unvermeidbaren, aber akzeptablen Wermutstropfen».

Rawr: Rosengartenstrasse

Kanton hat den Lead

Laut Volkswirtschaftsdirektorin Walker Späh wäre rechtlich eigentlich die Stadt Zürich für das Projekt zuständig. Aus planerischen Gründen und weil es sich um eine so grosse Kiste handle, mache es Sinn, dem Kanton den Lead zu übertragen. Dafür ist aber ein Spezialgesetz nötig. Dieses will die Regierung nun ausarbeiten und dem Kantonsrat zusammen mit dem Rahmenkredit nach den Sommerferien vorlegen. Via Referendum kann der Kantonsratsbeschluss vors Volks gezogen werden.

Walker Späh betonte, es handle sich beim Projekt um eine «Gesamtlösung und nicht um eine Auswahlsendung». Man könne also nicht nur den Autotunnel oder nur die Tramlinien und die Verkehrsberuhigung haben, sondern müsse beides nehmen oder ablehnen. Auch sie räumte mit Blick auf die gewaltigen Tunnelportale ein, dass das Projekt «nicht nur Sonnenseiten» hat. Doch es gehe nun darum, «ein unhaltbares Provisorium zu beenden». Die Rosengartenstrasse dient seit 1972 als Hochleistungsstrasse – nur provisorisch, wie man damals versprach.
Als frühestmöglichen Zeitpunkt für den Baubeginn nannte Walker Späh das Jahr 2024. Vor 2032 seien weder der Tunnel noch die Trams betriebsbereit.

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