Bereits ein halbes Jahr nach der Gründung des Vereins «Start Smart Schlieren» Mitte 2013 zeichnete sich ab, dass der Platz knapp werden würde. Die letzten Flächen der beiden Standorte an der Rütistrasse 12 und 14 wurden zu Weihnachten des selben Jahres bezogen. Nun eröffnet die Stadt Schlieren zwei weitere Standorte, an denen sich Jungunternehmer zu günstigen Konditionen einmieten können, und weitet zudem das Angebot von Coworkingbüros an der Rütistrasse aus. Die neuen Lokalitäten befinden sich an der Brandstrasse 24 sowie an der Wiesenstrasse 33. Gesamthaft werden an diesen drei Standorten 60 zusätzliche Arbeitsplätze für Jungunternehmen und Coworkings geschaffen.

Mit der Eröffnung von kommender Woche verfolgt der Schlieremer Standortförderer Albert Schweizer einen straffen Zeitplan. Büros bringe man nicht an die Leute, wenn Interessenten die Räume nicht vorher ansehen könnten, sagt er dazu. Daher musste alles Schlag auf Schlag gehen. Ab Montag werden dem Verein «Start Smart Schlieren» die Schlüssel der beiden Liegenschaften übergeben. In den folgenden Tagen wird eingerichtet bevor am nächsten Freitag die ersten beiden Jungunternehmer ihre Schreibtische beziehen. Obwohl erst zwei der knapp 60 neuen Arbeitsplätze vermietet sind, rechnet Schweizer damit, dass bis Mitte dieses Jahres rund die Hälfte besetzt sein wird. Ende 2016 soll die Auslastung 100 Prozent betragen. Die bisherige Geschichte des Vereins «Start Smart Schlieren» begründet diese ambitionierte Berechnung (siehe Text rechts). Bis anhin wurde darauf verzichtet, für die anstehende Eröffnung die Werbetrommel zu rühren. Mit Ausnahme einiger Plakate am Schlieremer Bahnhof wies nichts auf die Expansion hin.

10. Etage mit Blick nach Zürich

An den neuen Standorten werden vornehmlich Coworking-Arbeitsplätze angeboten. Dies, weil die bisherigen acht Plätze an der Rütistrasse 14 heiss begehrt sind. «Daher werden wir im benachbarten Gebäude 20 Einzelarbeitsplätze und rund 10 offene Coworking-Arbeitsplätze eröffnen», so Schweizer. Die Stadt Schlieren übernimmt Vermietung und Vermarktung, die Betreuung vor Ort übernehmen weiterhin Mitarbeitende der Produktionsfirma Redsmoke. «Start Smart Schlieren» mietet die beiden weitere Liegenschaften: An der Brandstrasse 24 werden in der zehnten Etage des Schlatter-Hochhauses mit Blick in Richtung Zürich 4 Einzelbüroplätze mit Trennwänden und 10 offene Coworkings angeboten. Wenige Hundert Meter weiter westlich an der Wiesenstrasse 33 entstehen 6 Coworking-Arbeitsplätze sowie 10 Einzelbüros. Damit Jungunternehmen für die preiswerten Plätze infrage kommen, müssen sie einzig einen Businessplan vorweisen.

Bio-Technopark bleibt grösstes Cluster

Mit dem Start-up-Cluster soll ein breiteres Spektrum an Unternehmen in Schlieren verankert werden, so das Ziel der «Start Smart»-Gründer. Mit dem «Building Technology Park» und dem «Bio-Technopark» verfügt die Stadt bereits über zwei potente Cluster, doch ziehen diese auch sehr spezialisierte Unternehmen an. Beim Start-up-Cluster hingegen sind Firmen aus den unterschiedlichsten Bereichen zu finden. Bezüglich der Anzahl Arbeitsplätze und Unternehmen bleibt der Bio-Technopark trotz Expansion von «Start Smart» das grösste Cluster der Stadt. Auf dem ehemaligen Wagi-Areal bieten rund 40 Firmen zwischen 800 und 900 Arbeitsplätze an. Der Building Technology Park mit seinen auf Gebäudetechnologie spezialisierten Firmen beheimatet an der Brandstrasse sechs Unternehmen mit rund 50 Arbeitsplätzen. Die zehn Unternehmen, die sich in den Räumen des Start Smart eingemietet haben, vereinen ebenfalls 50 Arbeitsplätze auf sich. Hinzu kommen ehemalige Start-ups, die an den Standorten Rütistrasse 14 und 16 ebenfalls 100 Beschäftigte haben.

Schweizer hat bereits zwei Branchen ins Auge gefasst, die er besonders gern in den neuen Liegenschaften als Mini-Cluster wachsen sehen würde. Dabei handelt es sich um die aufstrebenden Bereiche der MedTech (Medizinaltechnologie) und der FinTech (Finanztechnologie): «Aus diesen Branchen haben sich bereits drei, beziehungsweise ein Unternehmen in Schlieren niedergelassen», sagt er. «Würden sich aus deren Umfeld noch mehr Unternehmen in der Stadt ansiedeln, könnten Synergien genutzt werden.» Um dies zu fördern, trat Schweizer den jeweiligen Branchenverbänden bei, um leichter in Kontakt mit interessierten Start-ups zu kommen.

Schlieren bietet wie auch Dietikon nicht nur einen guten Nährboden für Start-ups, sondern auch für Coworkings. Im Mitte April erschienenen Immo-Monitoring-Bericht von Wüest & Partner ist ersichtlich, dass die beiden Limmattaler Städte derzeit rund 30 dieser flexibel mietbaren Arbeitsplätze anbieten. Dies sind ähnlich viele wie es in den bedeutend grösseren Städten Schaffhausen und Fribourg gibt. Mit den nun geschaffenen Plätzen wächst die Bedeutung der Region auf der Coworking-Schweizerkarte noch mehr.