Das Herz von Markus Schmid schlägt für alles, was kreucht und fleucht. «Das war schon immer so», erzählt er. Aufgewachsen in der Nähe des Zürcher Zoos war er dort ein ständiger Besucher und noch heute kann er sich an seinen ersten Ritt auf der Elefantenkuh Mandjullah erinnern: «Das hat mich sehr geprägt». Ein Jahresabo für Kinder kostete damals nur 5.50 Franken, erinnert sich Schmid und erzählt, dass es damals im Zoo auch noch möglich war, Nashörner zu streicheln. Im Alter von zehn Jahren gab der Primarschüler eine monatliche Tierzeitschrift heraus, die schon bald mit einer Auflage von 200 Exemplaren erschien. «Mit zwei Fingern habe ich die Texte auf einer Schreibmaschine getippt.»

Jugendlicher Übermut

Eigentlich naheliegend, dass Schmid nach der Schule ein Zoologie-Studium in Angriff nahm. Bald jedoch merkte er, dass es dabei vor allem um Chemie ging. Er aber suchte den unmittelbaren Kontakt zu Tieren und wollte zeigen, was man aus Wildtieren herausholen kann, wenn man sie ihre natürlichen Fähigkeiten entfalten lässt. In jugendlichem Übermut schmiss er darum mit 21 Jahren sein Studium und heuerte 1967 beim Circus Knie als Elefantenkutscher an. So wurden damals die Elefantenpfleger im Zirkusjargon genannt. «Meine Mutter war alles andere als erfreut», erinnert sich Schmid lachend. Im Zirkuswagen zog er quer durch Schweden, von Malmö bis Kiruna im hohen Norden und wieder zurück. «Über 50 Stationen fuhren wir mit unseren Zirkuswagen an. Manchmal mussten wir mit unseren Schützlingen kilometerweit weit vom Bahnhof bis zum Zirkus laufen. Frischfröhlich quer durch die Stadt und über jedes Rotlicht. Wir hatten keine Zeit, zu warten. Die Elefanten trotteten einer hinter dem anderen her, hielten sich mit dem Rüssel am Schwanz des vorderen Tieres. Angebunden waren sie nie – das hätte auch gar nichts genützt», schmunzelt Schmid.

Der Elefantenkutscher war für die Körperpflege seiner Schützlinge zuständig. «Waschen, füttern, Fusspflege – und natürlich haufenweise Dung ausmisten. Elefanten sind schlechte Futterverwerter.» Auch beim Training ging Schmid zur Hand. Gerne erinnert er sich daran, wie manchmal Zeit blieb, die Elefanten in einen nahen Wald zu führen, wo sie sich austoben und erholen konnten. «Das wäre bei uns in der Schweiz undenkbar.» Die Weite der schwedischen Landschaft ist ihm auch nach 50 Jahren in guter Erinnerung.

Einfühlsames Andenken

Beim Aufräumen ist er kürzlich auf seine Tagebuchaufzeichnungen gestossen, für die sich damals kein Verleger fand. Schmid beschloss, die Texte und Bilder zu digitalisieren. Im zweiten Anlauf erscheint nun das Buch «Mit Sandry nach Schweden» mit einem Vorwort von Franco Knie. Und es liest sich wie der Nachruf auf eine vergangene Zeit. Bekanntlich entschied letztes Jahr der Schweizer Nationalzirkus, künftig auf Elefantennummern in der Manege zu verzichten (siehe auch Text unten). Den sanften grauen Riesen unter der Zirkuskuppel hat Markus Schmid ein einfühlsames Andenken gewidmet. «Ich glaube, es ist gut, dass der Zirkus Knie so entschieden hat», sinniert er. «Bei den Elefantennummern hatte ich auch als Zuschauer immer etwas gemischte Gefühle. Es hat mich gestört, wenn diese sensiblen Tiere Nummern aufführen mussten, in denen sie vermenschlicht oder mit Tempo durch die Manege getrieben wurden. Auch die Musik ist für ihre Ohren oft viel zu laut. Elefanten sind bedächtige, sensible Wesen.»

Markus Schmid hat auch nach dem Zirkusjahr sein Leben in den Dienst der Tiere gestellt, sei es in der TV-Sendung von Heidi Abel, die in den Siebzigerjahren Plätze für heimatlose Tiere suchte, mit seinem Kampf gegen Legebatterien oder als Sekretär der Schweizerischen Gesellschaft für Tierschutz und als freischaffender Publizist. Immer boten Schmid und seine Frau auch heimatlosen Hunden ein neues zu Hause. Zoe und Debora heissen die zwei Pharaonenhunde, die heute beim Ehepaar leben. Deborah ist erst kürzlich durch Vermittlung der Hundehilfe Lanzarote zu ihnen gekommen. Heute nimmt es Markus Schmid beruflich etwas geruhsamer. Aber sein ungebrochenes Engagement für Tiere ist spürbar, wenn er sagt: «Wir haben im Tierschutz gute Gesetze und Verordnungen, beim Vollzug aber, da hapert es gewaltig. Vor allem bei der Nutztierhaltung oder bei Tierversuche bleibt noch viel zu tun.» Von jedem verkauften Buch gehen 5 Franken an den Verein ALIYA, der wissenschaftlichen Artenschutz in Asien betreibt.