Die Zentrale Ausnüchterungsstelle in der Nähe des Hauptbahnhofes startete vor viereinhalb Jahren als Pilotbetrieb. Zunächst war sie nur am Wochenende, später auch an weiteren Tagen unter der Woche geöffnet. Am 30. November stimmen die Stadtzürcher Stimmberechtigten über die definitive Einführung ab.

Dass die Einrichtung umstritten ist, zeigte bereits die Debatte im Zürcher Gemeinderat. Mit 59 zu 56 Stimmen wurde die Vorlage äusserst knapp gutgeheissen.

Zu den Gegnern der Vorlage gehören neben den Bürgerlichen, die sich vor allem an den hohen Kosten für den Steuerzahler stören, auch die AL und die Juso. Am Mittwoch hat nun das linke Komitee "Hotel Suff Nein" seine Argumente gegen die ZAB dargelegt.

"Ungerechtfertigte Freiheitseingriffe"

Das Komitee befürchtet einerseits, dass es zu ungerechtfertigten Freiheitseingriffen kommt. Betrunkene sollen laut Stadt dann in die ZAB eingeliefert und dort medizinisch betreut werden, wenn sie sich oder andere ernsthaft und unmittelbar gefährden.

Das Komitee bezweifelt, dass sich die Polizei in allen Fällen an diese Vorgaben hält. "Ist es nicht viel eher so, dass diejenigen, die in unserer 24-Stunden-Ausgangsgesellschaft stören und die gewisse Grenzen überschreiten, in den Senkel gestellt werden sollen?", fragte AL-Gemeinderätin Christina Schiller.

Kritik übte Schiller auch an den hohen Kosten von rund 1750 Franken pro nächtlichem Aufenthalt. Dass ein Teil davon auf die Verursacher überwälzt werden soll, bezeichnete sie als "unsozial" und als "Angriff auf das geltende Solidaritätsprinzip im Gesundheitswesen". Würde die Behandlung im Spital erfolgen, müssten die Krankenkassen dafür aufkommen, sagte Schiller.

Ausdehnung der Klientel

Die ZAB könne nur dann kostendeckend betrieben werden, wenn sie möglichst gut ausgelastet sei, ergänzte Luca Maggi, Vorstandsmitglied der städtischen Grünen. Dies sei auch der Grund, weshalb die Klientel ständig ausgedehnt werde. Seit 2013 würden deshalb nicht mehr nur Personen aus der Stadt, sondern auch aus anderen Zürcher Gemeinden in die ZAB eingeliefert.

Zudem sei die ZAB nur am Wochenende gut ausgelastet. An allen anderen Wochentagen bleibe der Betrieb lediglich für eine kleine Zahl von Personen geöffnet.

Dem Komitee "Hotel Suff Nein" gehören neben AL, Juso und Jungen Grünen auch die Organisationen "augenauf" und "Psychex" sowie die Demokratischen Juristinnen und Juristen Zürich (DJZ) an.

Auftrieb erhofft sich das Komitee auch vom Entscheid der städtischen Grünen. Die Partei hat am Dienstagabend nämlich mit 32 zu 23 Stimmen die Nein-Parole gefasst.