Schlieren

Lehrer Achermann verkauft Computer zum Spottpreis an seine Ex-Schüler

Schüler übergeben eine Petition an den Schlieremer Stadtpräsidenten Markus Bärtschiger. Sie wollen damit verhindern, dass ihr beliebter Lehrer geht. Aufgenommen am 20. November 2018.

Schüler übergeben eine Petition an den Schlieremer Stadtpräsidenten Markus Bärtschiger. Sie wollen damit verhindern, dass ihr beliebter Lehrer geht. Aufgenommen am 20. November 2018.

Die Aufsichtsbeschwerde gegen die Schule Schlieren wurde abgewiesen. Stefan Achermann ist an seinem neuen Arbeitsort zufrieden.

Lange überliess er die Öffentlichkeitsarbeit anderen. Nun meldet sich der beliebte Lehrer Stefan Achermann zu Wort. Nach den Unstimmigkeiten mit der Schule Schlieren kehrte er der Stadt den Rücken und hat nun eine neue Stelle. «Ich wurde von der Schulleitung, den Lehrerkollegen, den Schülern und ihren Eltern sehr gut aufgenommen. Meine Geschichte aus Schlieren ist bekannt. Weil es hier seitens aller in erster Linie um die Zukunft der Schüler geht, ziehen alle am gleichen Strick und in die gleiche Richtung. Die Stimmung an der Schule ist entspannter, zielgerichtet und produktiv. Das freut mich.» An welcher Schule er tätig ist, soll auf seinen ausdrücklichen Wunsch ungenannt bleiben.

Vor knapp einem Jahr kam die Geschichte des damaligen Seklehrers an der Schlieremer Schule Kalktarren an die Öffentlichkeit. Er reichte die Kündigung ein, weil er von der Schulpflege dazu angehalten war, seine private IT-Ausrüstung abzubauen. Dies vor dem Hintergrund, dass die Schule ein eigenes ICT-Konzept umsetzen will und darin private Infrastruktur nicht vorgesehen ist. Nach eigenen Angaben hatte Achermann rund 70 000 Franken für die Ausrüstung ausgegeben und den Schülern somit über mehrere Jahre einen modernen Unterricht ermöglicht. Bei Schülern und Eltern gingen die Alarmglocken los. So reichten 41 Eltern beim Stadtrat eine Petition ein, in welcher sie forderten, die Kündigung zurückzuziehen. Schüler überreichten dem Stadtpräsidenten eine Petition mit derselben Forderung.

147 Personen reichten Aufsichtsbeschwerde ein

Schliesslich versammelten sich 147 Eltern, Grosseltern und erwachsene Geschwister der Schülerinnen und Schüler und reichten beim Bezirksrat eine Aufsichtsbeschwerde ein. Dieser entschied im vergangenen August, der Beschwerde keine Folge zu leisten.

Da manche Gebiete der Beschwerde in die Kompetenz des Volksschulamtes fallen, befasste sich neben dem Bezirksrat auch dieses mit der Beantwortung. Der Limmattaler Zeitung liegen beide Dokumente vor. Die Eltern fragten beispielsweise, ob es rechtlich und moralisch vertretbar sei, dass die Schule Achermann zum Abbau der IT-Infrastruktur anhält, nachdem man jahrelang davon profitiert habe. Der Bezirksrat hält fest, dass es den Gemeinden freigestellt sei, inwiefern sie für ihre Schulzimmer einheitliche Standards setzen. Daher stehe der Aufforderung nach dem Abbau kein übergeordnetes Recht entgegen.

Auch monierten die Eltern, dass Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) in einem Artikel in der «Weltwoche» die Motivation Achermanns, überhaupt noch für die Schule Schlieren arbeiten zu wollen, infrage stellte. Laut Bezirksrat liege auch hier keine Rechtswidrigkeit vor, da es sich bei den Äusserungen um subjektive Einschätzungen handle. Ein Einschreiten sei also nicht notwendig.

Das Volksschulamt geht in seiner Beantwortung unter anderem darauf ein, dass in der Aufsichtsbeschwerde gefordert wurde, eine einvernehmliche Lösung mit Stefan Achermann zu suchen. «Dazu ist festzuhalten, dass Herr Achermann selbst gekündigt hat. Sobald eine Kündigung zugegangen ist, kann sie nicht mehr einseitig zurückgenommen werden», so das Volksschulamt. Durch die Aufsichtsbehörde könne die Schulpflege nicht verpflichtet werden, eine von den Beschwerdeführern verlangte Vereinbarung zu treffen. «Die Anstellung und Entlassung ist eine nicht delegierbare Kompetenz der Schulpflege.»

Anweisungen seien nicht überraschend gekommen

Zudem hält das Volksschulamt grundsätzlich fest, dass eine Arbeitgeberin berechtigt ist, Angestellten Anweisungen zu erteilen. «Ebenso ist die Schulpflege berechtigt, über ein ICT-Konzept zu befinden und dieses entsprechend umzusetzen.» Die Umsetzung sei zudem nicht überraschend gekommen. Über den längeren Prozess sei Achermann regelmässig informiert worden.

Darüber hinaus monierten die Eltern, sie und ihre Kinder seien nicht im Sinne einer wertschätzenden Kultur behandelt worden. «Aus dem Sachverhalt geht hingegen hervor, dass sowohl sie als auch die Kinder angehört wurden. Wenn die Schule nicht in ihrem Sinne reagiert, so heisst das nicht, dass sie damit ihnen gegenüber respektlos gehandelt hat», resümiert das Volksschulamt. Es kommt wie der Bezirksrat zur Erkenntnis, dass die Schule Schlieren ihre Kompetenzen nicht übertreten hat und der Aufsichtsbeschwerde keine Folge geleistet wird.

Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) ist mit dem Entscheid zufrieden. Die unterlegenen Eltern will sie wissen lassen, dass die Schulpflege stets offen für Gespräche sei. «Es wäre in diesem Fall für alle Beteiligten von Vorteil gewesen, wenn die Eltern vor der Einreichung der Petition und der Verhandlung des Falls in den Medien das Gespräch mit der Schulpflege gesucht hätten.»

Lothar Seiler, der mit der Öffentlichkeitsarbeit der Eltern betraut ist, sagt auf Anfrage: «Obwohl wir uns natürlich einen anderen Entscheid erhofften, können wir die Beurteilung der beiden Ämter in den meisten Punkten nachvollziehen.» Achermann sei in seiner neuen Tätigkeit zufrieden. Bezüglich des übrig gebliebenen IT-Equipments habe Achermann grosszügig gehandelt. «Die beinahe 50 PCs und Laptops sowie Bürostühle verkaufte er zum symbolischen Preis von einem Franken pro Stück an seine ehemaligen Schülerinnen und Schüler.»

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