Interview mit Thomas Ulrich

«Kunden werden für Beratung den angemessenen Preis zahlen»

Thomas Ulrich, Präsident des Zürcher Bankenverbandes und Regionaldirektor Zürich bei der UBS.

Thomas Ulrich, Präsident des Zürcher Bankenverbandes und Regionaldirektor Zürich bei der UBS.

Der Präsident des Zürcher Bankenverbands über neue Geschäftsmodelle.

Herr Ulrich, die Banken sind im Wandel. Welche neuen Geschäftsmodelle sind für den Bankenplatz Zürich zukunftsweisend?

Thomas Ulrich: Künftig werden Banken in der Vermögensverwaltung nicht mehr Börsentransaktionen verrechnen, sondern das, was für den Kunden den eigentlichen Mehrwert bedeutet: die Beratung. Bisher war das nicht so. Es wurde der gleiche Preis verrechnet, egal ob man einen Kunden drei Stunden beraten hat oder nur zehn Minuten. Das ist heute kein nachhaltiges Geschäftsmodell mehr.

Muss also auch jeder Kleinkunde künftig für das Gespräch mit seinem Berater bei der Bank bezahlen?

Für die einfachen Bankgeschäfte bestimmt nicht. Aber gerade Kunden mit komplexen Anliegen werden für eine Beratung den angemessenen Preis bezahlen. Sie wollen ja von der Bank Rat zu Fragen wie: Soll ich jetzt diese Aktie kaufen oder eine andere? Das ist sein Mehrwert. Und das muss grundsätzlich einen Preis haben, nicht die Abwicklung einer Börsentransaktion, die fast ausschliesslich elektronisch erledigt wird.

Wie stark ist das schon der Fall, oder wann wird es verstärkt einsetzen?

Die Banken sind derzeit daran, solche Modelle zu erarbeiten und einzuführen. Dabei bezahlt man je nach Vermögen einen Pauschalbetrag, bei dem alles inbegriffen ist, von der Beratung über die Transaktion bis hin zum Steuerausweis. Es geht also nicht wie beim Anwalt um einen Stundenansatz, sondern um andere Modelle. Die Anzahl der Börsentransaktionen spielt dabei für die Berechnung der Gebühren in der Regel keine Rolle mehr.

Abgesehen von Geschäftsmodellen: Was braucht es für einen Wandel bei der Unternehmenskultur der Banken?

Ich glaube, dass der Banker sich wieder auf das zurückbesinnen muss, was seine Grundaufgabe ist: Nämlich dem Kunden einen kompetenten Ratschlag zu geben und einwandfreien Service zu bieten, je nachdem, was er für finanzielle Bedürfnisse hat. Mit den veränderten Geschäftsmodellen wird Beratungsqualität noch stärker in den Vordergrund gerückt.

Ist die Besinnung auf diese Grundaufgabe verloren gegangen?

Das ist durchaus hie und da ein Stück weit verloren gegangen.

Sie haben an der heutigen Pressekonferenz zum Finanzplatz Zürich das Image vom Banker als Zocker angesprochen…

Wir hatten Leute in den Banken, die ein völlig falsches Verhalten an den Tag legten. Aber der ganz grosse Teil hat sich korrekt verhalten. Ich wehre mich dagegen, wenn man all meine Kolleginnen und Kollegen in den gleichen Topf wirft und sagt, das seien alles Gambler.

Was unternehmen die Banken konkret, um den von Ihnen angesprochenen Kulturwandel voranzutreiben?

Da gibt es diverse Möglichkeiten. Die Leute werden auf die veränderten Werte sensibilisiert. Es wird eine Null-Toleranz-Politik gefahren, wenn es gewisse Verfehlungen gibt, über die man früher vielleicht hinwegsah. Da sind wir heute sehr konsequent. Ausserdem setzen die Banken wieder vermehrt auf Ausbildung. All das ist eine langwierige Arbeit. Eine Kultur verändern Sie nicht von heute auf morgen. Aber wir sind auf dem richtigen Weg.

Der Strukturwandel bei den Banken hat auf dem Platz Zürich einige tausend Arbeitsplätze gekostet. Wie geht’s diesbezüglich weiter?

Ich gehe nicht davon aus, dass wir in den nächsten Jahren punkto Arbeitsplätze weiter wachsen werden. Vielmehr glaube ich, dass die Anzahl Arbeitsplätze stabil bleiben wird. Allerdings werden sich die Jobprofile ändern. So wurden viele Arbeitsplätze, die verloren gegangen sind, durch Anwälte oder Compliance-Mitarbeiter ersetzt. Das stimmt nachdenklich. Denn Unternehmen müssen Leute haben, die mit Kunden arbeiten, damit sie erfolgreich sein können. Die eben angesprochenen Berufsgruppen machen das nicht, sondern sie kontrollieren, achten darauf, dass Gesetze und Weisungen eingehalten werden. Das muss sein, verstehen Sie mich richtig. Aber das Verhältnis muss stimmen. Wir möchten nicht, dass dereinst hinter jedem Kundenberater ein Anwalt steht, der ihm über die Schulter schaut.

Wann werden die Grossbanken in Zürich wieder Gewinnsteuern bezahlen?

So schnell es geht.

Können Sie eine genauere Prognose abgeben?

Leider nein. Lange sollte das aber nicht mehr dauern.

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