Herr Stermann, in der Schweiz kennt man viele Österreicher-Witze. Über welchen Schweizer-Witz lachen Sie als austria-assimilierter Deutscher?

Dirk Stermann: Ehrlich gesagt, habe ich keinen Bezug zu Witzen. Und Nationalitäten-Witze sind wegen des Internets und der Globalisierung ohnehin überholt.

Wie meinen Sie das?

In Wien klingen heute die meisten Kinder wie Synchronstimmen der TV-Serie «Emergency Room». Fatalerweise verschwinden nur schon die sprachlichen nationalen Eigenheiten immer mehr. Die Menschen haben sich angeglichen.

Was Sie offenbar bedauern.

Na ja, ich empfinde Eigenheiten als etwas Gutes. Aber heute wirkt es fast gekünstelt, wenn man daran festhält.

Sternmann und Grissemann: Was Perverses

Noch immer spricht man aber bestimmte Formen von Humor einzelnen Nationalitäten zu. Das «Österreich Special» im Miller’s Studio ist eher harzig angelaufen. Verstehen Schweizer also den Humor ihrer eigenen Nachbarn nicht?

Ich glaube, das Problem liegt eher darin, dass Schweizer und Österreicher einander nicht gut kennen. Und das, obwohl sie nah beieinander leben. Es kann gut sein, dass die Zwinglianischen Zürcher mit den barocken, saufenden und verfressenen Katholiken aus dem Nachbarland auch aus historischen Gründen nichts anfangen können.

Weil die Protestanten zum Lachen in den Keller gehen?

Das sagen die Österreicher aber vor allem über die Deutschen. Und das, obwohl alle Welt weiss, was die Österreicher in ihren Kellern so treiben. Es ist definitiv besser, im Keller zu lachen als die eigenen Kinder dort einzusperren.

Den Österreichern sagt man einen schwarzen, zynischen Humor nach. Woher kommt der?

Die Österreicher haben eine sehr melodiöse Sprache. Wenn die so reden, klingt das so schön, dass man nicht merkt, was für grausige Dinge sie sagen. Österreicher sind im Vergleich brutaler als etwa deutsche Comedians. Und sie nehmen sich gerne selbst auf die Schippe, suhlen sich geradezu in ihrem Elend, während Deutsche eher über andere Witze machen.

Stermann & Grissemann - Deutsche Kochschau

Stermann & Grissemann - Deutsche Kochschau

Sie und Grissemann oder auch der Chansonnier Georg Kreisler sind hierzulande vielen ein Begriff. Welche Schweizer finden Sie lustig?

Ohne Rolf finde ich grandios. Die haben eine eigene Kunstform geschaffen.

Und wie finden sie Victor Giacobbo und Mike Müllers Satire-Sendung?

Ich mag die beiden. Aber ich muss gestehen, dass ich ihre Sendung kaum kenne, weil ich sehr selten fern sehe.

Ach wirklich?

Ja. Zappen macht mich wahnsinnig. Und das Fernsehen vermag mich nicht mehr in den Bann zu ziehen.

Liegt das am Programm oder an Ihnen?

Sicher an mir. Ich finde aber auch, es reicht, in dieser Branche zu arbeiten. Zahnärzte bohren sich ja auch nicht selbst die Löcher.

Im Miller’s Studio treten Sie mit Ihrem Programm «Etwas perverses für die Eltern» auf. Fokussieren Sie nun auf ein älteres Publikum?

Nein, keinesfalls. Was wir machen, ist ein komplettes Dada-Stück. So ein bisschen wie Samuel Beckett auf Speed.

Können Sie etwas mehr verraten?

Das Programm dreht sich um zwei alternde Komiker, die sich nichts mehr zu sagen haben. Der eine kauft sich dann einen menschlichen Plattenspieler, der ihr Leben durcheinanderbringt. Diesen spielt Oliver Welter, der Sänger der österreichischen Band «Naked Lunch».

Braucht es nach bald zwei Jahrzehnten mit Grissemann einen sozialen Katalysator wie Welter, damit Sie sich nicht an die Gurgel gehen?

Welter hat wirklich so ne Art Mediatorenfunktion. Das ist wichtig. Sonst hocken wir irgendwann öd zu zweit in der Garderobe wie die Wildecker Herzbuben, die sich nichts mehr zu sagen haben.