Rund 1300 Schweizer Gemeinden liegen in einem Umkreis von 50 Kilometer von einem der fünf Atomkraftwerke. Und dort haben inzwischen alle Einwohnerinnen und Einwohner sowie die grossen Betriebe und öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Spitäler Jod-Tabletten erhalten. Diese könnten im Falle eines allfälligen Störfalles auf Geheiss der Behörden eingenommen werden.

Nur in Aeugst am Albis sind die weissen Päcklein bislang nicht eingetroffen. Das kam Gemeindepräsident Ruedi Müller seltsam vor. Auch mehrere seiner Bürger hatten ihn darauf angesprochen, dass die Bewohner aller umliegenden Dörfer bereits von der Armeeapotheke mit dem Kaliumiodid 65 versorgt worden seien – während sie selber noch keine Post erhalten hätten.

Wie eine Nachfrage beim Bund ergab, hat die Gemeinde im Säuliamt auf der langen Adressliste einfach gefehlt. Nun sollen die 1970 Einwohner nachträglich noch mit den versprochenen Tabletten versorgt werden, wie Toni Henzen von der Geschäftsstelle «Kaliumiodid-Versorgung» gegenüber dem Regionaljournal Zürich-Schaffhausen gestern sagte. Die weissen Päcklein, die zweimal sechs Tabletten und ein Informationsblatt in acht Sprachen enthalten, sollten noch vor Weihnachten auch in Aeugst eintreffen.
Laut Henzen dürfte es sich um die einzige vergessene Gemeinde handeln. Bei 1300 Ortschaften könne zwar nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass nicht eine weitere irgendwie durch die Maschen gefallen ist. Aber: Da die Verteilaktion inzwischen ja abgeschlossen sei, hätten sich weitere Vergessene wohl ebenfalls bereits gemeldet.