125 Jahre

In Israel spielte die Stadtmusik Dietikon einst vor der Ministerpräsidentin

Die Stadtmusik Dietikon blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Der Verein hat in den vergangenen 125 Jahren viele Erfolge gefeiert, ist weit herumgekommen, musste aber auch schwierige Zeiten überstehen

Ein Fest in Dietikon ohne Mitwirkung der Stadtmusik ist heute kaum vorstellbar. Der Verein ist eine Institution, deren Bekanntheit weit über die Region hinausreicht.

Dieser Status musste jedoch hart erarbeitet werden. Denn schon zwei Jahre nach seiner Gründung im Jahr 1891 stand der Musikverein «Eintracht» Dietikon, wie er damals hiess, wieder vor dem Aus. Zehn Männer legten vor 125 Jahren den Grundstein für die heutige Stadtmusik. Kurz darauf wuchs die Mitgliederzahl auf 16 an, brach dann aber dramatisch ein. Doch «dank unermüdlichem Schaffen und zäher Standhaftigkeit dieser Getreuen erholte sich der Verein bald wieder», zitiert Friedrich W. Klappert im Dietiker Neujahrsblatt von 1992 aus einem Protokoll.

Es sollte nicht die einzige Krise des Vereins bleiben. Insbesondere die Jahre der beiden Weltkriege setzten der «Eintracht» zu. Doch auch diese Stürme überstanden die Musikanten und können in diesem Jubiläumsjahr auf eine reich befrachtete Geschichte mit einigen Tiefs und vielen Hochs zurückblicken.

Stadtmusik Dietikon

Stadtmusik Dietikon

Die Stadtmusik Dietikon spielt als Gast in der Partnerstadt Kolin.

Bereits 1899 nahm die «Eintracht» an ihrem ersten Musikfest teil und reiste dafür nach Wohlen. Anders als heute waren die Musiker in den Anfangsjahren noch nicht in Unformen gekleidet. Ein einheitlicher Hut und eine Musiktasche, in der die Noten verstaut wurden, waren damals die einzigen Zeichen von Zusammengehörigkeit. Die ersten Instrumente der «Blechmusik» stammten aus Privatbesitz oder waren Militärinstrumente, die für den Verein verwendet werden durften. Ihre erste echte Uniform schafften sich die Musikanten – Frauen waren erst ab Ende der 1960er-Jahre dabei – 1913 an. Ab diesem Jahr wurden sie auch von der Gemeinde subventioniert.

Je älter der Verein wurde, desto weiter reiste er auch, um an Musikfesten teilzunehmen. 1922 ging es erstmals ins Ausland. Die Eintracht nahm am Internationalen Musikfest im elsässischen Grosshüningen teil. Dort, unter der Leitung von Jean Porr senior, holten sich die Musiker den ersten Rang mit Goldlorbeer. In jenen Jahren musizierte die «Eintracht» als Blechbesetzung. Das änderte sich schliesslich 1931, als sich die Blechmusik in eine Harmoniemusik umwandelte. Zu den Blechblasinstrumenten wie Hörnern, Trompeten oder Posaunen gesellten sich nun auch Holzblasinstrumente wie Klarinette, Flöte, Oboe und Fagott.

Erfolgreiche Wettbewerbe

Auch als Harmoniemusik reiste die «Eintracht» gerne an Musikfeste. Etwa 1948 nach St. Gallen. Dort ging das Eidgenössische Musikfest über die Bühne. In den folgenden Jahren nahm der Musikverein an weiteren «Eidgenössischen» teil – mit Erfolg. In Zürich holte sich die «Eintracht» 1957 unter A.M. Paolucci den ersten Rang in der ersten Klasse. Erfolgreich ging es bereits im nächsten Jahr weiter. Am Weltmusikfest im holländischen Kerkrade, wo das Musikkorps mit über 50 Musikanten in der höchsten Spielklasse antrat, gab es zwei Gold- und eine Silbermedaille sowie einen Ehrenpreis. Auch in den Folgejahren nahm die Stadtmusik, wie sie seit 1971 heisst, erfolgreich an vielen regionalen, kantonalen, eidgenössischen und internationalen Musikfesten und Wettbewerben teil. Zu verdanken hatte sie das auch ihrem damaligen Dirigenten. Dalibor Brazda, dessen Ära in der Stadtmusik von 1972 bis 1987 dauerte, war eine musikalische Institution und führte die Musiker zu neuen Höchstleistungen.

Doch nicht nur wegen der vielen erfolgreichen Auftritte an Musikfesten und Wettbewerben ist die Stadtmusik weitherum bekannt. 1960 wurde sie zur Zunftmusik der Zunft zum Kämbel gewählt. Die Limmattaler setzten sich damals gegen zwei weitere Vereine durch. «Unserem Musikkorps gelang es dank Können, Präzision und Disziplin, die beiden anderen Mitbewerber aus dem Feld zu schlagen», heisst es in einem Protokoll. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, die nun bereits über 50 Jahre anhält. So überwiesen die Zünfter der Stadtmusik zum 100. Geburtstag im Jahr 1991 einen nicht unerheblichen Betrag, welcher der Neu-Instrumentierung und Neu-Uniformierung der Stadtmusik diente.

Freundschaften pflegte die Stadtmusik auch auf ihren zahlreichen Reisen. Eine führte die Dietiker Musikanten gar nach Israel, wo sie in der sengenden Hitze vor Golda Meir, der damaligen israelischen Ministerpräsidentin, spielten. In besonderer Erinnerung bleibt jedoch der Flug dorthin. Im Flugzeug zog eine fünfköpfige Delegation der Stadtmusik eine Folklore-Show ab, die selbst den Flugkapitän derart begeisterte, dass er dem Quintett eine Flasche Champagner offerierte.

Show-Talent bewiesen die Musiker zudem an ihren Jahreskonzerten. Vor allem jenen zwischen 1970 und 1980, für die Grössen wie Ursula Schäppi oder Ueli Beck verpflichtet wurden.

«Wir sind attratik», findet Vereinspräsidentin Mirjam Peter

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