Urdorf

In diesem Privatwald sind 118 Parzellen verschwunden

Die Waldeigentümer haben ihre Grundstücksgrenzen vereinfacht. Der Wald ist jetzt in 36 Parzellen aufgeteilt – früher waren es noch 154. Das vereinfacht die Holzerei.

Der Urdorfer Privatwald ist fast so gross wie 65 Fussballfelder. Bis vor Kurzem war diese Waldfläche noch in 154 Parzellen aufgeteilt. Die Grenzen dieser Grundstücke sind für Spaziergänger nicht sichtbar. Zwar gibt es Grenzsteine, doch um diese zeigen zu können, müssen auch die Förster zuerst suchen, um die Steine dann unter Laub, Moos und Erde hervorzugraben.

Die komplizierte Grundstücksaufteilung bedeutete für das Forstrevier Limmattal-Süd viel Arbeit. Denn jedes Mal wenn Revierförster Roland Helfenberger seiner Arbeit nachgehen will, braucht er jeweils das Einverständnis des betroffenen Waldeigentümers. Kürzlich hat er zum Beispiel einen von Borkenkäfern befallenen Baum entdeckt. Um den restlichen Wald zu schützen, musste dieser Baum gefällt werden. Doch es dauerte mehrere Wochen, bis Helfenberger den Eigentümer erreichte. Einzelne Waldparzellen waren zudem weniger breit, als ein gewöhnlicher Baum hoch ist.

Um die Arbeit der Förster zu vereinfachen, entschieden sich die Gemeinde, der Kanton und ein Grossteil der Waldeigentümer dazu, die Grenzen ganz neu zu ziehen. Vor Kurzem wurde das Projekt abgeschlossen. Um 77 Prozent, auf nur noch 36, ist nun die Zahl der Parzellen gesunken. Grundstücke wurden abgetauscht und verkauft. Nun soll die Holzerei effizienter und der Wald wieder intensiver bewirtschaftet werden. Insgesamt dauerte die Grundstückszusammenlegung drei Jahre, brauchte einen Arbeitsaufwand von gut 740 Stunden, den die Gemeinde und der Kanton übernommen haben. Zudem entstanden Vermessungskosten in der Höhe von 13 500 Franken, bezahlt von den beteiligten Waldeigentümern.

Parzellengrösse wurde vervierfacht

Zum an sich schon grossen Arbeitsaufwand kam viel Aufklärungsarbeit hinzu. «Manche Waldeigentümer haben gar nicht gewusst, dass ihnen überhaupt ein Stück Wald gehört», sagt Helfenberger. Jahrzehntelang wurden die Waldgrundstücke weitervererbt und zum Teil immer weiter unterteilt. Nun ist die Länge der Waldgrenzen von 38 Kilometern auf 16 Kilometer geschrumpft. Und die durchschnittliche Grundstücksfläche wurde von 3000 auf 12 000 Quadratmeter erhöht. Die Zahlen sind eindrücklich, doch ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Drei Waldbesitzer beteiligten sich nicht an der freiwilligen Waldzusammenlegung. Daher gibt es auch jetzt noch vereinzelte Kleinstparzellen, welche weitaus grössere Grundstücke entzweien. Doch ein komplizierter Flickenteppich wie früher ist der Urdorfer Wald jetzt definitiv nicht mehr. Dazu beigetragen hat auch, dass sieben Waldeigentümer ihre Grundstücke ganz verkauft haben. Lukrativ ist ein solcher Verkauf allerdings nicht.

Preise für Waldstücke liegen tief

Denn durchschnittlich kostet ein Quadratmeter Wald in Urdorf 2 Franken und 13 Rappen. Zum Vergleich: Fast tausend Franken kostet ein Quadratmeter Urdorfer Wohnbauland – dies zeigen Zahlen des Statistischen Amts des Kantons Zürich.

Mehr wert ist da schon das Holz, welches in Urdorf geschlagen wird und in dem schon vor dem Abholzen viel Arbeit steckt. Das beste Holz kann man für bis zu 700 Franken pro Kubikmeter verkaufen, das schlechteste für 50 Franken.

Neben den Förstern des Forstreviers Limmattal-Süd gibt es einige Landwirte, die ihren Wald selber bewirtschaften. Sie haben sich vor über 80 Jahren in der Holzkorporation Oberurdorf zusammengetan, nach dem Kanton Zürich die zweitgrösste Waldbesitzerin in Urdorf. Am drittmeisten Wald besitzt die politische Gemeinde.

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