Rund 50 Forscher aus aller Welt werden sich Ende dieses Jahr auf eine abenteuerliche Reise begeben: Mit dem russischen Forschungsschiff Akademik Treshnikov umrunden sie in drei Monaten den Südpol – die erste wissenschaftliche Expedition dieser Art. Gleichzeitig ist es auch das erste Projekt des Swiss Polar Institute (SPI). Mit aus der Taufe gehoben hat das Polarinstitut Anfang diese Woche die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WS) mit Hauptsitz in Birmensdorf. Zum Konsortium gehören ausserdem die ETH Zürich, die École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), die Universität Bern sowie der Verlag Editions Paulsen. Dessen Besitzer, der schwedische Pharmaunternehmer Frederik Paulsen, investiert mehrere Millionen in den Aufbau des SPI.

Mit der «Akademik Treshnikov» umrunden rund 50 Forscher die Antarktis.

Mit der «Akademik Treshnikov» umrunden rund 50 Forscher die Antarktis.

Konrad Steffen, Direktor des WSL, freut sich über die künftige Zusammenarbeit: «Wir sind alle schon länger in den arktischen Regionen wissenschaftlich tätig. Bislang sind die Institutionen aber ihren eigenen Aktivitäten nachgegangen.» Das Polarinstitut schaffe die Möglichkeit, das Potenzial der einzelnen Anstalten zu bündeln und verbessere den Gedankenaustausch unter den Wissenschaftlern. «Ausserdem ermöglicht es eine gemeinsame Strategie in der Polarforschung, auch was die Ausbildung betrifft.» Das SPI ist für die Institute aber auch aus finanzieller Sicht interessant. So soll es helfen, bei Forschungsprojekten Kosten einzusparen. «Die Forschung in den Polarregionen ist teuer und logistisch sehr kompliziert», sagt Steffen. Durch die engere Zusammenarbeit könnten die Institute Synergien nutzen und Kosten teilen.

Lasertests und Schneeforschung

Mit dem Polarinstitut soll die Schweizer Forschung einen grösseren Beitrag ans «Verständnis und die Lösungen für globale Herausforderungen wie Klimawandel, Umweltveränderungen und Ressourcenbewirtschaftung» leisten, umreissen die Gründerinstitute in einer Mitteilung eines der Hauptziele. Ein anderes: Die Forschung in Polargebieten und anderen extremen Umgebungen mit High-Tech wie Robotik, Raumfahrttechnologie, Satelliten oder der Verarbeitung grosser Datenmengen zu verbinden. «Da Satelliten die Polregionen sehr oft überfliegen, kann dort die Datenübertragung per Laser zwischen Erde und Satelliten viel besser getestet werden als etwa in der Schweiz», nennt Steffen ein Beispiel für die Erforschung neuer Technologien am SPI.

Das WSL selbst will sich beim Polarinstitut vor allem bei der Schnee-, Eis- und Gletscherforschung beschäftigen. Für die Glaziologie wird demnächst in Birmensdorf eine gemeinsame Professur mit der ETH Zürich eingerichtet, wie Steffen sagt. Die Eidgenössische Forschungsanstalt kann daneben auf langjährige Arbeit im Bereich der alpinen Schnee- und Eisforschung zurückgreifen. «In den Alpen sind wir schon sehr lange tätig», sagt Steffen. Diese reagierten auf Umweltveränderungen ähnlich wie Arktis und Antarktis, weshalb sie für das WSL für die Polarfoschung so etwas wie ein Testgebiet seien. Doch auch die Polarregionen selbst sind für die Forschungsanstalt längst kein Neuland mehr. So baute Konrad Steffen 1990 auf Grönland das Swisscamp auf, mit dem klimatische Veränderungen aufgezeichnet werden.

Das Camp ist auch der Grund, weshalb Steffen selber nicht an der Antarktisumrundung teilnehmen kann, obwohl er «gerne einen Monat dabei gewesen wäre», wie er sagt. «Ich gehe bereits für vier Wochen nach Grönland. Und zwei solche Ausflüge pro Jahr liegen zeitlich nicht drin.» Das WSL wird trotzdem an Bord der Akademik Treshnikov vertreten sein. Eins der 22 Projekte, die für die Expedition ausgewählt wurden, wird von Katherine Leonard geleitet, die an der EPFL und am WSL tätig ist. Leonard untersucht, weshalb der Salzgehalt im antarktischen Ozean die letzten Jahre gesunken ist.