Musik, ist die Partitur des Lebens unwiderruflich geprägt. So geschehen mit Michael von der Heide – er kann sprichwörtlich ein Lied davon singen: Der «Goldjunge» aus Amden feiert im Mai sein 25-Jahre-Bühnenjubiläum und widmet dieses seinem grossen Idol Paola Felix.
Die erste Begegnung mit ihr fand vor dem Fernseher statt: Es war im April 1980, als der 9-jährige Michael den «Concours Eurovision de la Chanson», heute Eurovision Song Contest (ESC), verfolgte und Paola mit «Cinéma» die Schweiz vertrat.

Klasse und Eleganz

«Von jenem Moment an war ich total begeistert von Paola, ihrer Klasse und Eleganz. Und da war diese glockenhelle Stimme, deren Kraft und Timbre mich bis heute in den Bann zieht.» Die Sängerin erreichte damals «nur» Platz 4, dafür die ewige Spitzenposition bei Michael von der Heide. Seine Verehrung wuchs, als er kurz darauf seine erste Schallplatte überhaupt in den Händen hielt: Paolas «Lieder, die ich liebe».

Paola et moi  - Michael von der Heide

Paola et moi - Michael von der Heide

Er startete seine Karriere in jenem Jahr, in dem sich Paola aus dem Musikgeschäft zurückzog: 1990 gewann er seinen ersten Talentwettbewerb – der Auftakt für bislang 25 erfolgreiche Jahre im Showgeschäft. Auch wenn er als Interpret die musikalische Vielseitigkeit lebt, so wandelte er immer wieder auf den Spuren von Paola, gerade was den ESC betraf. Ein erster Versuch für die Teilnahme – 1999 mit dem Song «Bye Bye Bar» für Deutschland – klappte nicht, aber elf Jahre später konnte er mit «Il pleut de l’or» für sein Heimatland antreten.

Paola sang mit von der Heide ihren Welthit

Mittlerweile war Michael von der Heide längst auch auf dem Radar von Paola erschienen: «Ich habe seine Karriere immer in den Medien verfolgt», so die ehemalige Sängerin und Moderatorin im Vorfeld der nun anstehenden Premieren. Bereits 1998 sangen beide gemeinsam in der Sendung «Benissimo» den Welthit «Blue Bayou». «Ich liess den damaligen Produzenten der Sendung kaum ausreden, als er mir den Vorschlag des Duetts machte, so spontan und schnell sagte ich zu», so Paola rückblickend.

Eigentlich wollte sie nie mehr zurück auf die Bühne.

Die Idee zum Projekt «Paola» hatte jedoch Dominik Flaschka, Theaterdirektor, Regisseur und Weggefährte von Michael von der Heide: «Er meinte, es wäre schön, wieder ein Programm wie ‹Hilde›, meiner Hommage an Hildegard Knef vor 15 Jahren, zu kreieren, und er dachte dabei an meine erste musikalische Liebe.»

«Was für eine Ehre»

Michael von der Heide war sofort Feuer und Flamme und das «Thema» für sein Jubiläum war gesetzt. Selbstverständlich mit dem Segen von Paola, die jedoch nicht direkt am Projekt beteiligt war. Sie stand ihrem grössten Fan aber mit Rat und Informationen zu Seite – und das voller Stolz: «Was für eine Ehre! Es hat mich tief berührt, dass Michael sein Jubiläum mit meinen Liedern feiert.»

Vier der Songs für «Paola», dem neuen Album und Vorboten der gleichnamigen Bühnenshow, wurden bei Maurizio Pozzi in Geroldswil aufgenommen. Er ist einer von vier Produzenten der CD, neben Thomas Fessler, Adrian Stern und Lars Christen. Pozzi ist besonders für seine Arbeit mit DJ Antoine bekannt, produzierte aber auch das Album «Bellevue» von Michael von der Heide, das erst letzten September erschienen ist.

«Die Arbeit mit ihm hat mega Spass gemacht, und als er mich in sein neues Vorhaben einweihte, sagte ich sofort zu», so Pozzi. Dass er sich einmal musikalisch mit Paola auseinandersetzen muss, hätte er zuvor aber nie gedacht. Aber sie sei eine fantastische Sängerin, die das Publikum mit ihrer echten und sympathischen Art zu berühren vermag, schwärmt der Musiker.

Pozzi schuf die neue Version von «Cinéma», die frisch und doch vertraut klingt, und schrieb weiter die einzige neue Komposition des Albums, «Paola et moi», zusammen mit Jan Savenberg und Michael von der Heide. Dieser wollte die ganze Bandbreite von Paolas Schaffen zeigen und konnte dabei aus einem Meer von Liedern fischen. Neben grossen Hits wie «Bonjour Bonjour» nahm er sich auch Trouvaillen wie «Le livre blanc» von 1976 an, welche er mit dem Kaleidoscope String Quartet aufnahm, oder die Disconummer «Mode», die er in ein neues elektronisches Gewand steckte.

Höhepunkte sind zwei Duette mit Paola: Zum einen die Blue-Bayou-Aufnahme aus «Benissimo» sowie «Wo ist das Land», ein Lied, das Paola 1971 in Hamburg aufnahm: «Es gelang uns jene alten Bänder zu digitalisieren und zu bearbeiten, sodass es möglich war, dass ich mit der jungen Paola del Medico ein Duett singe – für mich total abgefahren.»

Paola kommt an die Premiere

Dem Album folgen die Auftritte im Theater am Hechtplatz im Mai; 14 Daten sind bislang geplant. Es soll ein herzerwärmender Abend mit vielen Anekdoten von damals und heute werden, verspricht der Jubilar. Die Regie übernahm Catriona Guggenbühl, die wie ihr Protagonist bereits in diversen Theaterstücken von Christoph Marthaler mitwirkte.

An der Premiere wird auch Paola anwesend sein. Noch immer gilt sie als erfolgreichste Schweizer Sängerin in Deutschland. Sie bezeichnet das Programm bereits als «Geschenkpaket von Michael an mich». Weswegen ein kurzes Comeback auf der Bühne wohl ausbleibt, aber nicht ganz ausgeschlossen ist.