Wenn die Stadtzürcher am 30. November über die Zukunft des sogenannten «Hotel Suff» befinden, dürften auch Limmattaler Polizeien die Abstimmung genau verfolgen. Denn die Zürcher Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle (ZAB), wie die Institution im Falle einer Annahme offiziell heissen wird, dürfte dann auch ihnen die Möglichkeit bieten, Schwerstbetrunkene auf der Hauptwache Urania in eigens dafür ausgestatteten Räumen ausnüchtern zu lassen.

Die Zürcher Stadtpolizei betreibt die Stelle als Versuch bereits seit März 2010 — bis jetzt noch unter dem Namen Zentrale Ausnüchterungsstelle (ZAS). Das Zürcher Stimmvolk muss nun entscheiden, ob aus dem Pilotprojekt eine definitive Institution wird (die Limmattaler Zeitung berichtete). Sagt es Ja zum «Hotel Suff», schafft es damit auch eine rechtliche Grundlage für Kooperationsverträge zwischen der Zürcher Stadtpolizei, der Kantonspolizei und interessierten Gemeindepolizeien.

Solche Vereinbarungen wurden schon während des Pilotprojekts getroffen. Anfang 2013 begann die Kantonspolizei, der Ausnüchterungsstelle Betrunkene zuzuführen, die sich selbst und andere gefährden. Seit Mitte 2013 kann auch die Stadtpolizei Schlieren die Dienste beanspruchen — theoretisch. Denn in den bald eineinhalb Jahren, in denen die Vereinbarung zwischen den benachbarten Stadtpolizeien besteht, sei eine Einweisung ins «Hotel Suff» noch nie nötig gewesen wäre, wie der Schlieremer Polizeichef Marco Weissenbrunner erklärt.

Zu einer Überführung nach Zürich entscheide man sich aber auch nicht leichtfertig: Nur, wenn eine Person nicht lokal in Obhut gebracht werden könne, wäre die Ausnüchterungsstelle für Schlieren eine Option. Für diesen Fall besteht eine Vereinbarung mit der Kantonspolizei, die den Transport des oder der Alkoholisierten übernehmen würde.

Fälle an einer Hand abzählbar

Auch die Stadtpolizei Dietikon hat seit Januar 2014 eine Vereinbarung mit der Zürcher Stadtpolizei über die Nutzung der Zentralen Ausnüchterungsstelle. Wie viel mal Dietikon diese Möglichkeit seither benutzt hat, kann Rolf Wohlgemuth, der Leiter der Stadtpolizei, noch nicht abschliessend beurteilen. Viele Fälle seien es nicht gewesen: «Man kann sie an einer Hand abzählen.» Die genaue Zahl kenne man aber erst, wenn der Stadt Ende Jahr die Gebühren verrechnet werden. Auch für Dietikon sei eine Einlieferung in die ZAS die Ultima Ratio, so Wohlgemuth: «Wir versuchen, die betroffenen Personen immer zuerst nach Hause zu vermitteln. Nur wenn das nicht gelingt und von ihnen eine unmittelbare Fremd- oder Selbstgefährdung ausgeht, greifen wir auf die ZAS zurück.»

Die Vereinbarungen mit der Zürcher Stadtpolizei laufen mit dem Ende des Pilotbetriebs am 31. März 2015 aus. Die formelle Kündigung habe Schlieren bereits vor ein paar Wochen erhalten, so Weissenbrunner. Wird die Vorlage am 30. November angenommen, muss der Stadtrat entscheiden, ob ein neuer Vertrag ausgehandelt wird.

Die Tatsache, dass Schlieren die Dienste bisher noch nie in Anspruch genommen hat, heisse aber nicht, dass sich eine Erneuerung von vornherein erübrige, so Weissenbrunner: «Für uns ist die Möglichkeit, schwere Fälle in eine dafür ausgerüstete Stelle zu bringen, natürlich ein Vorteil.» Da Schlieren dafür selbst keine Einrichtungen hat, geht er davon aus, dass wieder eine Vereinbarung getroffen wird, wenn die neuen Konditionen nicht radikal anders daherkommen als die bisherigen.

«Gäste» müssen selber zahlen

Heute müssen die «Hotel-Suff»-Gäste aus der Agglomeration — wie auch die städtische Klientel — einen Teil der Kosten selbst berappen. Je nach Dauer des Aufenthalts zahlen sie 450 bis 600 Franken; diese Tarife gelten auch in der Verordnung, die zur Abstimmung kommt. Da damit aber nicht die ganzen Kosten gedeckt sind, erhebt die Zürcher Stadtpolizei bei ihren Vertragspartnern Kostenpauschalen: Die Kantonspolizei zahlt pro Fall 325, die Gemeindepolizeien 475 Franken. Zudem tragen die Vertragspartner das Risiko für Zechpreller: Rund ein Drittel der bisherigen Gäste hat ihren Teil der Gebühren nämlich nicht bezahlt, wie Polizeidepartements-Sprecher Reto Casanova bestätigt. Für diese müssten dann auch die Vertragspartner aufkommen.

Ob es im Fall einer Annahme der Vorlage und neuen Verträgen mit Schlieren und Dietikon bei denselben Pauschalkosten bleibt, kann Casanova hingegen noch nicht beurteilen. Fest steht nur, dass «auch die verrechenbaren Kosten Gegenstand der Verhandlungen sein werden».