Schlieren

Ihre Schönheit reicht nicht aus - zwei geschützte Ginkgo-Bäume sollen bald gefällt werden

Die beiden Ginkgo-Bäume müssen weg, da auf dem Schindler-Areal verdichtet werden soll.

Die beiden Ginkgo-Bäume müssen weg, da auf dem Schindler-Areal verdichtet werden soll.

Mit der Entlassung von zwei Bäumen aus dem Inventar der kommunalen Natur- und Landschaftsschutz-Objekte ist der Weg frei fürs Schlieremer Schindler-Areal.

In Schlieren, wo Baum- und Naturfreunde über eine besonders starke Lobby verfügen, steht wieder eine Baumfällung an. Der Stadtrat entlässt nämlich zwei Ginkgo-Bäume aus dem kommunalen Inventar der Natur- und Landschaftsschutz-Objekte. Heute stehen sie an der Schulstrasse, eingeklemmt zwischen zwei Wohnhäusern. Diese beiden Gebäude werden im Rahmen des Gestaltungsplans Schindler-Areal abgerissen.

Neu soll dort eine verdichtet bebaute Siedlung entstehen. So ist im Bereich der Baumstandorte geplant, eine neue Tiefgarage sowie ein neues Wohngebäude zu erstellen. Es bestehe während der Bauzeit daher keine Möglichkeit, die beiden Exemplare mit geeigneten Massnahmen zu schützen. «Eine Grossbaumverpflanzung ist aufgrund der Pfahlwurzeln dieser Baumart nicht möglich», schreibt der Stadtrat in seinem jüngst veröffentlichten Beschluss.

Neu kommen Bergahorn, Vogelkirsche und Espe

Doch sollen im Rahmen der Areal-Gestaltung geeignete Ersatzmassnahmen getroffen werden, die zu einer erhöhten Biodiversität beitragen. Dazu sollen Arten gepflanzt werden, die mindestens einen Biodiversitätsindex von vier aufweisen und somit einen grossen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leisten. Dies sind der Feldahorn, der Bergahorn, die Vogelkirsche, die Espe, die Winterlinde und die Stileiche. Mit einem Wert von 1,5 weist der Ginkgo einen vergleichsweise tiefen Wert auf. Dennoch werden die beiden Bäume im Inventarblatt der Stadt Schlieren als wertvoll bezeichnet.

«Sie haben zweifellos einen gewissen gestalterisch-ästhetischen Wert für das Quartier- und das Strassenbild. Dieser ist aber nicht derart ausgeprägt, dass er eine Unterschutzstellung rechtfertigen würde», schreibt der Stadtrat weiter. Um geschützt zu werden, müssten die Bäume einen «dominierenden, aussergewöhnlichen Akzent setzen und damit das Quartier- und Strassenbild mitprägen.»

Stadtrat sieht Vorteile für die Allgemeinheit

In einer Abwägung eruierte der Stadtrat, wie gross das öffentliche Interesse an den beiden Bäumen ist. Er kommt zum Schluss, dass die Umsetzung des Gestaltungsplans Schindler nicht nur im Interesse der Eigentümer, sondern auch in jenem der Öffentlichkeit sei. «So kommt der haushälterischen Nutzung des Bodens Verfassungsrang zu und die daraus resultierende Pflicht zur Verdichtung bildet einen wesentlichen Grundsatz des Raumplanungsgesetzes», schreibt der Stadtrat.

Anstelle der aktuell 50 bestehenden Wohnungen im Perimeter sollen dereinst rund 150 erstellt werden. Bei diesen Überlegungen fiel auch ins Gewicht, was die Schlieremerinnen und Schlieremer im Gegenzug erhalten. Die Ersatzpflanzung trage den ökologischen, biologischen und städtebaulichen Interessen Rechnung, schreibt die Stadtregierung.

Im November segnete das Stadtparlament den Gestaltungsplan ab. Obwohl er mit 30 Ja-Stimmen ein Glanzresultat erzielte, wurden auch kritische Stimmen laut. So kritisierte die SP, es werde günstiger Wohnraum zerstört. Darüber hinaus sei es schade, dass nicht mehr oberirdische Parkplätze entstünden, monierte die SVP.

Auch die zwischenzeitlich gefällte Schlieremer Blutbuche, die man im Februar 2018 medienwirksam versetzte, wurde einst aus dem Inventar für Natur- und Landschaftsobjekte entlassen. Obwohl sich dagegen niemand wehrte, formierte sich grosser Widerstand, als der Baum dann gefällt werden sollte. In einer Petition mit mehreren tausend Unterschriften sowie in zahlreichen Aktionen wurde der Erhalt des Baums gefordert. An seinem neuen Standort, wenige hundert Meter vom Stadtkreisel entfernt, fühlte sich der Baum aber nicht wohl und starb, sodass er dann doch noch gefällt werden musste.

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