Die Blicke der Passanten sind Roger Bittel sicher, als er mit seiner Fernsteuerung an der Limmat steht. Am westlichen Rand von Oetwil, zwischen dem Wohngebiet und der Mutschellenstrasse, hat er sich positioniert und blickt konzentriert auf den Bildschirm seiner Steuerung. Dieser zeigt ihm an, was 100 Meter weiter oben von der Kamera erfasst wird. Mit fast 50 km/h bewegt sich die Drohne durch die Luft und filmt Oetwil und seine Umgebung. Nach knapp 20 Minuten ist Schluss. Der Akku des Fluggerätes ist beinahe leer.

Oetwil von oben

Oetwil von oben

Anders sieht es bei Bittel aus. Sein Kopf ist voller Ideen. «Wenn ich etwas Neues entdecke, das mich fasziniert, dann will ich das auch können», sagt der 44-jährige Geroldswiler. Und so kam es, dass er wieder einmal einen Bruch in seinem Leben wagte. Drei Jahre ist es her, als sich Bittel einen Traum erfüllte und sich als Maler und Designer selbstständig machte. Unter dem Label BIRO-ART produziert und designt der gelernte Informatiker und Marketingplaner seither verschiedene Accessoires wie Taschen, Kunstkarten oder Lesezeichen. Als Grundlage dienen ihm seine über 300 Bilder, die er in den vergangenen zehn Jahren gemalt hat.

Seine neuste Entdeckung ist die Fotografie, sein jüngstes Kind die Firma Digiprof. Vor wenigen Wochen feierte er im Dietiker Industriequartier Giessen bei der Überlandstrasse die Eröffnung seines Fotostudios und EDV-Schulungsraums. Dort bietet er neben Fotokursen auch Shootings an. Zudem dreht er Imagefilme, die beispielsweise für Homepages verwendet werden können. Das Angebot reicht aber noch weiter. Web- und Grafikdesign, Grossformatdruck, Lasergravuren sowie Beschriftungen aller Art gehören ebenso dazu. «Das Hauptstandbein ist das Grafik- und Webdesign», sagt er. Ansprechen will er damit vor allem klein- und mittelständische Unternehmen, aber auch Private sowie Vereine.

Angst, dass er sich angesichts dieser breiten Angebotspalette verzetteln könnte, hat Bittel nicht. Im Gegenteil. «Es ist für mich eine Herausforderung, den Leuten zu zeigen, dass es funktioniert, verschiedene Angebote unter einen Hut zu bringen», so Bittel. Die breite Palette sei ja gerade die Stärke seiner Firma. Vom Design eines Logos über die Gestaltung einer Homepage bis hin zum exklusiven Kundengeschenk mit einer Lasergravur könne er ein Gesamtpaket anbieten.

Kunst ist seine Leidenschaft

Zugute kommt Bittel bei seiner jüngsten Tätigkeit, dass er sich auf seine Ausbildung abstützen kann. Als gelernter Informatiker und Marketingplaner bringt er bereits viel Erfahrung mit. Trotzdem ist er auf dem Gebiet der Fotografie ein Autodidakt. «Ich habe mir alles selber beigebracht. Das gehört zu meinem Naturell. Wenn ich mir etwas aneignen will, dann höre ich nicht auf, bis ich es kann», sagt er.

Der Traum, mit dem Malen Geld zu verdienen, bleibt. «BIRO-ART wird weiterhin bestehen, nur einfach momentan nicht mehr die Hauptrolle in meinem Leben spielen», sagt er. Kunst sei seine Leidenschaft, aber auch eine wirtschaftliche Herausforderung. Nun habe er ein Standbein gefunden, mit dem er seine Kreativität mit seinem Flair für Technik optimal verbinden könne.

Denn eines ist für Bittel klar. Zurück in seinen angestammten Beruf als Informatiker in einem Unternehmen will er nicht. «Mir fehlte damals etwas. Der Beruf erfüllte mich nicht», sagt er. Die Frage, ob ihn sein Beruf begeistere, hätte er damals nicht bejahen können. Das Malen und Designen habe er nie als Arbeit verstanden, sondern als Spass. Genauso gehe es ihm auch jetzt wieder. «Deshalb ist der Schritt in die Selbstständigkeit bis heute die beste Entscheidung meines Lebens.» Er wolle dereinst nicht zurückblicken und sagen, hättest du es doch gewagt, deinen Traum zu verwirklichen.