Morgens am Bahnhof in Dietikon: Ein Mann grüsst Heinz Illi, den Sicherheitsvorsteher, und schaut dann beim Münztelefon nach, ob jemand das Wechselgeld hat liegen lassen. Illi grüsst zurück – er ging mit dem Mann in die Schule. Dem Stadtrat sind viele der Randständigen in Dietikon bekannt, er weiss um ihre Lebensgeschichten.

«Stammnutzer des öffentlichen Raumes», nennt sie Peter Laib, Projektleiter der SIP-Dietikon. Auch ihm sind einige Gesichter unterdessen vertraut. Seit zwei Jahren patrouilliert die SIP Züri (Sicherheit, Intervention, Prävention) nun an den Brennpunkten der Stadt. Nach und nach kenne man die Leute, sagt Laib. Das gibt vertrauen, auf beiden Seiten. Wenn es irgendwo zu laut wird, wenn sich Gruppen nicht angemessen benehmen, dann geht die SIP hin, versucht zu vermitteln. Nicht konfrontativ, «aber wenn es nicht hilft, können wir auch einen Zacken zulegen», sagt er. Meistens reicht es, Präsenz zu zeigen, schlimmstenfalls kontaktieren sie die Polizei.

Die Stadt ist überzeugt von der Zusammenarbeit mit der SIP: «Dietikon ist in den letzten beiden Jahren sicherer und sauberer geworden», sagt Illi. Auch am Bahnhof. Obwohl sich dort immer mehr Leute aufhalten.

Viele gingen heute am Feierabend nicht mehr in eine Beiz, sagt Laib. Eher holen sie sich ein Getränk in einem der umliegenden Läden und trinken draussen. Das seien dann nicht nur Randständige, sondern verschiedenste Leute, junge wie alte. Manche Einwohner finden das gut, diese mögen einen belebten Platz. Andere fühlen sich bedroht, wenn es einmal ein wenig lauter wird. Pöbeleien oder gefährliche Situationen jedoch gebe es kaum noch.

Gemeinsam zum Erfolg

Das ist allerdings nicht allein ein Verdienst der SIP. Vielmehr habe die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren zum Erfolg geführt, sagt Illi. So helfen auch die SBB und die Transportpolizei, aber auch die umliegenden Geschäfte achten darauf, dass kein Abfall herumliegt. Und als er am Wegrand eine herumliegende Box mit Feuchttüchern sieht, greift er gleich selber zu, bringt sie zum nächsten Abfallkübel. «Nur wenn alle helfen, kann man etwas bewirken», sagt er.

Aus diesem Grund hat Illi nach dem ersten Einsatzjahr der SIP alle städtische Abteilungen zusammengetrommelt und ist mit ihnen die Brennpunkte abgelaufen. Bei der Nötzliwiese, einer der heiklen Stellen neben dem Bahnhof, hat die Stadt darauf einige Massnahmen getroffen: Sie montierte an mehreren Stellen Hinweisschilder mit Piktogrammen. Keine Verbotsschilder, sondern Empfehlungen, wie man sich auf der Nötzliwiese angemessen verhalten sollte. «Die Tafeln sollen sympathisch wirken. Deshalb steht auch gross Willkommen darauf», sagt Illi.

Auch für die SIP sind die Schilder ein Vorteil: «Wenn wir jemanden ansprechen, können wir nun direkt auf die Hinweisschilder verweisen», sagt Laib. Ein anderes Problem war auch immer der Lärm. Doch auch da suchte man eine Lösung: Beim Platz am Limmatweg, wo direkt gegenüber Einfamilienhäuser stehen, wurden die vorher zwei Meter hohen Sträucher zurückgeschnitten. Nun ist der Platz offen, gut einsehbar und die sich dort aufhaltenden Gruppen sind nicht mehr anonym hinter den Sträuchern versteckt. Die Anwohner getrauten sich nun eher, die Leute um Ruhe zu bitten, wenn es noch spät in der Nacht laut sei, sagt Illi. «Oft haben die Feiernden keine bösen Absichten dabei. Ihnen ist meistens nur nicht bewusst, dass sie andere stören.»

Eine Grillstelle geschaffen

Um den Brennpunkt Nötzliwiese zu entschärfen, hat noch eine weitere Massnahme geholfen: Hinter dem Kinderspielplatz schuf die Stadt in Absprache mit den SBB eine Grillstelle mit Sitzbänken. Vorher waren die Leute häufig auf der Wiese verstreut, grillierten mit Einweggrills oder machten ein Feuer in der Eisenskulptur. Nun halten sich die Meisten an dem neuen Platz auf. Die Grillstelle ist laut Illi denn auch rege benutzt worden – von den verschiedensten Leuten.

«Die Stadt muss gewisse Voraussetzungen leisten, damit es gut kommt», sagt er. Und deshalb will Illi bald wieder die verschiedenen Abteilungen der Stadt zusammenbringen. Im Stadtrat wird er beantragen, im nächsten Jahr wieder mit der SIP zu arbeiten.