Mit ihr schickt die FDP eine erfahrene, auch national bekannte Politikerin ins Rennen um die Nachfolge ihrer scheidenden Regierungsrätin Ursula Gut. Die als Guts politischer Zwilling von der Goldküste geltende Meilemer Gemeinderätin Frey-Eigenmann schied bereits im ersten Wahlgang aus. Danach obsiegte Walker Späh mit 104 zu 97 Stimmen gegen Kantonsrats-Fraktionschef Vogel.

Als Unternehmerin vernetzt

Walker Späh ist seit 2002 Kantonsrätin und seit 2010 Präsidentin der FDP-Frauen Schweiz. Die 56-jährige Stadtzürcher Anwältin hat sich als Verkehrspolitikerin einen Namen gemacht, vor allem durch ihren jahrelangen Kampf für den geplanten Waidhaldetunnel, der dereinst die Rosengartenstrasse in ihrem Wohnquartier vom Durchgangsverkehr befreien soll. Wirtschaftlich vernetzt ist sie als Vorstandsmitglied des Verbands Zürcher Handelsfirmen. Die 56-Jährige ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.

Walker Späh hob an der Delegiertenversammlung ihre Erfahrungen aus 17 Jahren in der Kantonalpolitik hervor, zuerst als Verfassungsrätin, dann als Kantonsrätin. Sie sprach sich gegen Umverteilung, Planwirtschaft und Planpädagogisierung der Gesellschaft aus.

«Manche glauben, die Armen werden reicher, wenn man die Reichen ärmer macht», sagte sie. Doch der Schlüssel zum Erfolg sei «Bildung, Bildung und nochmals Bildung.» Nötig sei mehr Unternehmertum, weniger Bürokratie, mehr Anreize für Eigeninitiative, die bestmögliche Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, mehr Zivilcourage und mehr liberalen Widerstand. «Wir Freisinnigen haben das Unternehmertum und den Freiheitsdrang in unseren Adern», rief Walker Späh in den Saal des Credit-Suisse-Baus Üetlihof in Zürich, wo sich die FDP-Delegierten versammelt hatten.

Schon in der Diskussionsrunde der Versammlung hatte Walker Späh am meisten Unterstützung erhalten. Felicitas Taddei, alt Stadträtin von Wädenswil, erklärte: «Wir brauchen jemanden, der nicht die Marionette der Verwaltung ist. Carmen Walker Späh hat die nötigen Eigenschaften. Sie ist beharrlich, durchsetzungsfähig, kann Allianzen schmieden und ihr Departement motivieren, die Dossiers speditiv voranzutreiben.» Andere Delegierte hoben ihre Erfahrung als selbstständige Unternehmerin hervor. Der Zolliker Gemeinderat Urs Fellmann meinte, es sei an der Zeit, dass der Freisinn 44 Jahre nach Hans Künzi wieder jemanden aus der Zürcher Stadtpartei in die Regierung schicke.

Reine Formsache war die Nomination des bisherigen FDP-Regierungsrats Thomas Heiniger für eine dritte Amtszeit. Parteipräsident Beat Walti würdigte Heinigers Wirken als Gesundheitsdirektor bei der Umsetzung der neuen Spitalfinanzierung. Heiniger selbst charakterisierte sich als «stark, fair, ausdauernd und intelligent». Er sagte: «Ich engagiere mich mit Herzblut für eine starke Zürcher Gesundheitspolitik.» Er wolle auch in Zukunft den geplanten Neubau des Universitätsspitals Zürich vorantreiben. Und sich für ein «fortschrittliches, auch finanziell gesundes Gesundheitssystem» einsetzen.

Mit der Nomination der FDP ist die Ausgangslage für die Regierungsratswahl vom 12. April 2015 weitgehend klar. Es treten fünf Bisherige an: Ernst Stocker (SVP), Markus Kägi (SVP), Thomas Heiniger (FDP), Mario Fehr (SP) und Martin Graf (Grüne). Hinzu kommen Jacqueline Fehr (SP), Beatrix Frey-Eigenmann (FDP), Silvia Steiner (CVP), Marcel Lenggenhager (BDP) und Nik Gugger (EVP). Die AL hat noch nicht über eine Kandidatur entschieden. Die GLP verzichtet.