Wer vor dem ersten Wahlgang für das Amt des Statthalters noch keine Prognosen wagte, der dürfte im Hinblick auf den zweiten nach dem gestrigen Wahlsonntag nicht viel gescheiter sein. Klar ist heute nur: Entscheidend wird sein, ob der Dietiker Parteilose Ramon Steffen, dem mit gut einem Viertel der Stimmen ein überraschend gutes Resultat gelang, erneut antreten wird. Auf wen die Stimmen des Drittplatzierten fallen würden, sollte er verzichten, ist wiederum unklar: Hat er vor allem vom angeschlagenen Ruf des Erstplatzierten Adrian Leimgrübler profitiert? Oder vom Unvermögen des offiziellen, aber auswärtigen Kandidaten Simon Hofmann, nicht nur die Parteien, sondern eben auch das Stimmvolk des Bezirks zu überzeugen?

Die brieflich Stimmenden wussten noch nichts vom Verfahrensende

Ebenso unklar ist, ob Steffen, sollte er erneut antreten, seine Stimmen halten könnte. Ein Teil seines guten Abschneidens ist bestimmt dem Unbehagen einiger brieflich Stimmenden geschuldet, einen Kandidaten zu wählen, der sich noch in einem laufenden Strafverfahren befindet. Die Frage ist aber, wie gross dieser Teil ist, und wie viele dieser Stimmen auf Leimgrübler fallen werden, nun, da sein Verfahren vom Tisch ist.

Verwaltungsgericht: das Zünglein an der Waage

Zum Zünglein an der Waage könnte auch noch das Verwaltungsgericht werden, genauso wie es beim ersten Wahlgang die Staatsanwaltschaft war. Denn nach wie vor hängig ist dessen Entscheid, ob die Justizdirektion Leimgrübler zu Recht entlassen hatte. Auch wenn man damit besser mal noch nicht rechnet: Entscheidet es noch vor dem 21. Mai, könnte das eine Wahl Leimgrüblers besiegeln – oder seinen Ambitionen den Todesstoss geben.

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